© Timothy Hursley

Punktlandung
06/28/2016

Flughäfen: Architektur zum Abheben

Sie sind Orte voller Emotionen, die oft den ersten Eindruck eines Landes prägen: Nicht zuletzt durch ihre architektonische Gestaltung. Ein Trip zu extravaganten Terminals, die eine Reise für sich wert sind.

von Mario Kopf

Shenzhen Bao’an International Airport

Shenzhen (China) von Massimiliano und Doriana Fuksas

Bis zu neun Meter werden sie lang und bewegen sich derart geschmeidig durchs Meer, als würden sie fliegen. Vielleicht diente die Spezies der Mantarochen deshalb als formales Vorbild für den Terminal 3 in Shenzhen, eine der am schnellsten wachsenden Metropolen der Welt. Allerdings sind die Dimensionen etwas größer: 1,5 Kilometer lang erstreckt sich das ikonische Werk der italienischen Baukünstler Massimiliano und Doriana Fuksas. Über das kurvige Dach mit seiner perforierten, zweischichtigen Fassadenhülle gelangt viel Tageslicht ins Innere.

Die eingearbeitete Wabenstruktur ist allgegenwärtig und wird von dem glänzenden Boden und den transparenten Oberflächen reflektiert. Zudem dienen baumartige Skulpturen als Klimaanlage – ein tatsächlich gesamtheitlich von der Natur inspiriertes, 2013 finalisiertes Projekt, das sogar über ein Solarkraftwerk verfügt. www.fuksas.it

Queen Tamar Airport

Mestia (Georgien) von J. Mayer H.

„Wenn du in Swanetien nicht gewesen bist, hast du Georgien nicht gesehen“, sagt ein Volkslied. Grund genug, dass die Hauptstadt der Region, Mestia, vor sechs Jahren ihren eigenen Flughafen erhielt. Die mittelalterliche Stadt ist als UNESCO Weltkulturerbe deklariert und wartet mit einem kleinen Skigebiet auf. Der Bau dient als erster Schritt, um das Bergdorf touristisch zu erschließen. In nur drei Monaten wurde das futuristische Terminalgebäude vom Berliner Büro J. Mayer H. geplant und fertig gestellt.

Wie ein soeben gelandetes Raumschiff wirkt das nach Königin Tamar benannte Gebäude, das in seiner minimalistischen Form effektiv wirkt. Zwei der drei Flügel ragen in die Höhe und können als Reminiszenz an die Wehrtürme von Mestia verstanden werden. Weiß gestrichener Stahlbeton und dunkel getönte Scheiben prägen das Design, die Glasfarbe verleiht dem Gebäude auf 250 Quadratmeter Fläche einen Kontrast zu der oftmals schneebedeckten Umgebung und absorbiert sogleich die Reflexion des gefrorenen Wassers. www.jmayerh.de

Denver International Airport

Denver (USA) von Fentress Architects

Verspätungen, Budgetüberschreitungen, bescheidenes Design – als die Verantwortlichen dem Architekten Curtis Fentress das Projekt überließen, sah es düster aus. Drei Wochen hatte er Zeit, um ein neues Konzept auszuarbeiten. Leistbar, schnell umsetzbar und ikonisch sollte es sein. Die Lösung, die der Gründer des gleichnamigen Studios mit seinem damaligen Partner James Bradburn hatte, war einleuchtend: Anstelle eines gewöhnlichen Tragwerks setzte er auf ein teflonbeschichtetes Membrandach aus Glasfasergewebe.

Mit der Nutzung des lichtdurchlässigen Materials konnten nicht nur Tonnen an Stahl gespart und die Bauzeit verkürzt werden, auch der tägliche Bedarf an elektrischem Licht ließ sich reduzieren. Dank dreihundert Sonnentagen im Jahr wird das Innere über diese Konstruktionen, Oberbelichtungen und die Vorhangfassade natürlich erhellt. Der Bau mit dem baldachinartigen Top, das an die schneebedeckten Rocky Mountains der Umgebung erinnert, markierte den Auftakt für weitere gelungene Airports wie Los Angeles oder Seoul. www.fentressarchitects.com

Heydar Aliyev International Airport

Baku (Aserbaidschan) von Arup, Autoban

Meist sind es riesige, unpersönliche Hallen, durch die Geschäftsleute und Reisende hetzen. Einen Gegensatz dazu bietet der 2014 eröffnete Terminal in Baku, dessen Innenbereich vom Studio Autoban mit Sitz in Istanbul gestaltet wurde. Sechzehn Kokons aus amerikanischer Weißeiche zwischen sechs und zehn Metern Raumhöhe beherbergen einerseits Konsumräume, Shops oder einen Kinderspielbereich, andererseits dienen sie ebenso als Orte, an die man sich zurückziehen und das Gepäck abstellen kann.

Holz, ein bei Projekten dieser Art meist selten eingesetzter Baustoff, vermittelt eine angenehme, natürliche und stressfreie Atmosphäre, dazu setzten die Designer auf Materialien wie Stein, Textilien und viel Licht. Die daraus entstandene Landschaft definiert das Aussehen eines Airports neu und wurde mit dem Red Dot Award 2014 ausgezeichnet. Von oben erinnert das vom renommierten Studio Arup geplante Gebäude an einen Vogel, der seine Flügel schwingt. Zu abstrakt sollte es dann anscheinend doch nicht sein. www.arup.com, www.autoban.com.tr

Lesen Sie hier Teil 2: Architektur um Abheben

Klassiker, Skurrilitäten und Visionäres: Stefan Eiselin, Laura Frommberg und Alexander Gutzmer stellen in „Faszination Flughafen“ einige der hier gezeigten sowie weitere sehenswerte, umfassend bebilderte und beschriebene Schauplätze vor. Callwey, € 41,10

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