Wohnen
05.12.2011

Ein einfaches Haus für den Architekten

Andreas Karl ist Architekt und hat sein Haus selbst geplant. Entstanden ist ein zeltgrauer Monolith, der sich im Inneren über vier Ebenen definiert.

Bauherr und Architekt in einem - eine Kombination, die sich selten findet, doch bei Andreas Karl war das vor etwa vier Jahren der Fall. Gemeinsam mit seiner Frau wollte er für seine Familie ein neues Einfamilienhaus planen. Simpel und kompakt - lautete das Motto. "Wir haben uns einen budgetären Rahmen gesetzt, den wir nicht überziehen wollten. Lange haben wir überlegt was wir tatsächlich benötigen und angemessen ist. Viele Bauherrn haben das Gefühl, sie müssen bei einem Neubau vielfältige, luxuriöse Extras integrieren, doch nicht immer werden diese genutzt oder gar benötigt", so Karl. Nach einer siebenmonatigen Bauzeit ist ein 170 Quadratmeter großes Haus mitten im steirischen Stocking entstanden, welches auf den ersten Blick durch die außergewöhnliche Gebäudehülle besticht. Die Schwierigkeit des Hanggrundstückes löste der Architekt mit einem Split-Level-Konzept. So konnte ein ebenerdiger Eingang von der Straße ins Haus und von der Terrasse in den Garten ermöglicht werden.

Ein Haus auf vier Ebenen

Der Entwurf kommt ganz ohne Dachüberstand aus. Das kompakte und schnörkelfreie äußere Erscheinungsbild wird zusätzlich durch eine versteckte Dachentwässerung sowie eine unsichtbare Firstentlüftung unterstützt. Einschnitte wie der Zugangsbereich, die Terrasse und sämtliche Fenster wurden mit hellgold eloxiertem Aluminium-Blech verkleidet. Die halbgeschoßigen Levels im Inneren dominieren die gesamte Wohnraumgestaltung. Das Haus bietet so vier Ebenen: Das Entree mit Vorraum, Garage, Arbeitszimmer, Gäste-WC und Garderobe, der Wohnbereich mit Wohn- und Esszimmer und Küche sowie die Schlafetage mit drei Räumen und einem Bad. Unter dem Eingang befinden sich im Keller Haustechnik, Wirtschaftsraum, Speis und Lagerraum. "Durch die versetzten Ebenen entstanden im Inneren unterschiedliche Deckenhöhen. Dadurch erhielt der Entwurf ein individuelles Raumprogramm", so Andreas Karl.

Eine optimale Nutzung der Fläche

Die vertikale Erschliessung der Wohnflächen und die Optimierung der Nutzflächen waren die logische Konsequenz, da die Gänge zur Einbeziehung wegfallen. Die Tragstruktur besteht aus Ortbeton. Die Schlafebene kragt sechs Meter über der 49 Quadratmeter großen Terrasse hervor. Für eine fließende Verschmelzung zwischen innen und außen wurde im Wohnzimmer auf eine raumhohe Verglasung und Nurglasecken gesetzt. Die seitlichen Außenwände der Auskragung bestehen aus massiven Stahlbetonscheiben, diese tragen die Geschoßdecke darunter und werden über das betonierte Satteldach darüber zurückgehalten.

Eine spannende Herausforderung

Doch der Bauherr fand selbst bei seinem eigenen Entwurf ein Manko: "Viele Architekten verzichten im Wohnraum auf Sockelleisten. Auch ich habe diesen Fehler gemacht, doch im Alltag hat es sich herausgestellt, dass diese Leisten notwendig sind, um Schmutzspuren zu vermeiden. Erst bei meinem eigenen Projekt, bin ich auf diesen Planungsfehler aufmerksam geworden. Selber zu bauen war eine spannende Herausforderung und interessante Erfahrung."

ZK Architektur

Gemeinsam mit dem gebürtigen Schweizer Architekt Luis Ziller gründete Andreas Karl im Jahr 2009 das Büro ZK Architektur in Wildon. 2009 wurden sie mit dem steirischen Architekturpreis "Das beste Haus" prämiert. Im letzten Jahr wurde der Entwurf eines Einfamilienhauses im deutschen Allgäu mit dem dritten Preis zum Haus des Jahres in Deutschland ausgezeichnet.