Die wahre Schönheit der Blumen

Blumenkünstler Jörg Doll, Copyright www.peterrigaud.com
Foto: www.peterrigaud.com Rosen, die mindestens 14 Tage lang halten: Jörg Doll setzt bei Schnittblumen bewusst auf Eigenbau.

Welche Pflanzen eignen sich als Sichtschutz? Mit welchen Rosen hat man am längsten Freude? Der Blumen- und Gartenexperte Jörg Doll weiß, worauf es ankommt.

Hier in Salzburg läuft das neue Gartenjahr bereits auf Hochtouren. Ab jetzt wird auf Freiflächen und auf Terrassen durchgeführt, was gemeinsam mit Kunden über den Winter angedacht wurde.

Dabei ist Jörg Doll kein Gartenplaner im herkömmlichen Sinn. Seine Leidenschaft gehört vielmehr den Pflanzen selbst und ihrer ständigen Verfeinerung bei der Aufzucht. Außerdem ist Doll Salzburg (nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Wiener Blumenhandlung, die der Bruder betreibt) über die Jahre zu so etwas wie der ersten Adresse im Bereich Dekoration geworden. Kaum einer der großen gesellschaftlichen Anlässe kommt hierzulande ohne seine Bouquets, Girlanden und Skulpturen aus: Seit fünfzig Jahren ist der Familienbetrieb in fünfter Generation Ausstatter der Salzburger Festspiele. Mittlerweile werden im sogenannten Palmenhaus der Firma auch regelmäßig Kultur-Events abgehalten.

IMMO hat mit dem Gärtner aus Leidenschaft über die kommende Saison, ihre Highlights und Trends gesprochen.

FOTOS: DOLL SALZBURG Foto: FOTOS: DOLL SALZBURG Hochwertige Pflanzen und Schnittblumen sind die Spezialität der Kunstgärtnerei im Herzen Salzburgs. Zu den Highlights zählen Orchideen, alte Rosensorten, Anemonen und Buchsbaum.

IMMO: Herr Doll, auf welchen Look werden Sie und Ihr Team in diesem Sommer setzen?
Jörg Doll: Ganz wichtig ist einmal, dass wir nicht Trend-hörig sind. Niemand sollte sich, wenn es um seinen Garten oder seine Terrasse geht, von Moden leiten lassen. Ich sage immer: Der beste Stil ist der eigene – man muss nur herausfinden, was zu einem passt und dabei können wir helfen.

Anders gefragt: Was wird denn im Moment von Kunden am besten angenommen?
Wir können hier beobachten, dass sich der Nachhaltigkeitsgedanke mittlerweile in den Köpfen der Leute wirklich durchgesetzt hat. Und das freut mich wahnsinnig, weil ich schon immer geglaubt habe, dass das wichtig ist. Man geht nicht mehr ausschließlich auf Optik, sondern will den Kreislauf der Natur in sein Leben integrieren: Sehr gefragt sind zum Beispiel essbare Pflanzen wie Obstgehölze, Kräuter und alte Gemüsesorten. Aber auch im ganz praktischen Bereich denkt man vielschichtiger: Ein Sichtschutz kann aus Rosmarinhecken und Ribieslsträuchern bestehen. All das sollte natürlich nicht beliebig eingesetzt, sondern ästhetisch anspruchsvoll durchdacht sein.

In welche Richtung bewegt sich die Gartenkunst Ihrer Meinung nach insgesamt?
Man mag wieder wildere Gärten, in denen es sich leben lässt. Also weg von der streng formalen Gestaltung nach klassischem französischem Vorbild hin zur englischen Gartentradition.
Wobei man natürlich realistisch bleiben muss: Es gibt einfach Menschen, die pedantisch sind. Die finden es schrecklich, wenn ihnen beim Essen im Freien ein Würmchen in den Salat fällt. Denen wird man keine wild verwachsene Hausmauer empfehlen. Die wollen auch keinen Sichtschutz, der viele Blätter verliert, weil sie es am Boden gerne aufgeräumt haben. Andere mögen gerade all das, weil das für sie romantisch ist.

FOTOS: DOLL SALZBURG Foto: FOTOS: DOLL SALZBURG Der Eingang des Verkaufslokals

Wie sieht denn Ihr bevorzugter Sichtschutz auf Terrassen aus?
Kirschlorbeer ist toll, vor allem auch, weil er das ganze Jahr über grün ist. Wunderschön ist immer der Mix von mehreren Grüntönen. Also etwa Eiben gemischt mit Kirschlorbeer, Buchen und Buchs.

Sie sind auch ein großer Fan von Guerilla Gardening – dem Gärtnern im urbanen Raum. Wie passt das zu Ihren exquisiten Entwürfen wie etwa für den Opernball?
Ich finde Guerilla Gardening total spannend, weil es eine Grundeinstellung dem Leben gegenüber symbolisiert: Das ist ein ganz anderer Zugang zur Natur, man möchte sie wieder als wichtigen Bestandteil des eigenen Daseins erleben. Deshalb gibt es plötzlich Imker in der Stadt, Himbeeren und Tomatenstauden am Balkon.

Entspricht dieser neue Respekt vor der Natur auch Ihrem Sinn für Nachhaltigkeit?
Wir können das nur begrüßen, wenn heimische Gewächse wieder im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen. Es kam mir schon immer absurd vor, wenn ein Großteil der Blumen um die halbe Welt geflogen werden musste, bevor sie bei mir in der Vase landeten. Deshalb setzen wir seit jeher bewusst auf Eigenbau, pflanzen alte englische Rosen in Hellbrunn an. Auf unseren Freilandflächen kultivieren wir außerdem Sonnenblumen, Dahlien, Zinnien, Rittersporn, Hortensien und sämtliche Grünsorten. Das sind kurze Wege und die einzelnen Blumen wurden anders gezüchtet, halten auch viel länger. Unsere Tulpen haben sie zu Hause knapp 14 Tage lang, sie sind größer in der Blüte und farbintensiver. Bei den Rosen ist es genauso.

FOTOS: DOLL SALZBURG Foto: FOTOS: DOLL SALZBURG Der pflegeleichte Buchsbaum bleibt für alle Pflanzenfreunde ein Dauerbrenner – hier ziert er den Platz vor der Gärtnerei.

Für die Samen und Zwiebeln Ihrer Blumen reisen Sie jedes Jahr zu speziellen Züchtern in ganz Mitteleuropa. Genügt es nicht, irgendwann die richtige Zwiebel eingekauft zu haben und diese dann immer wieder zu vermehren oder nachzubestellen?
Ich arbeite am liebsten mit Menschen zusammen, die sich mit Haut und Haar für eine Sache entschieden haben und das mit größter Liebe machen: Der beste Züchter alter englischer Rosensorten sitzt in Deutschland, die schönsten Rhododendren gibt es in der Schweiz. Das ist alles weit weg von der Massenproduktion. Deshalb ist das Ergebnis so gut, da spürt man eine ganz andere Authentizität. Aber das ist natürlich nur etwas für absolute Aficionados – Züchter, die ein ganzes Jahr darauf verwenden, die gefüllte, lachsfarbene Duftrose eine Nuance dunkler zu bekommen.

Und was halten Sie von der minimalistischen Mode der letzten Jahre, eine einzelne Blume in einer Vase zu präsentieren?
Das kann toll sein – wenn man es richtig macht. Eine Blume in einer Vase kann wie ein Cartier Collier wirken. Es kann aber auch banal aussehen. Ich finde, dass alles insgesamt weg vom Durchgestylten gehen sollte. Unaufgeregte Eleganz ist das Zauberwort. Was wir an Dekorativem in unserem Leben brauchen ist nicht Protz oder Prunk, sondern Grandezza.

Zum Unternehmen

FOTOS: DOLL SALZBURG Foto: FOTOS: DOLL SALZBURG

Seit zwölf Jahren wird die Kunstgärtnerei Doll in Salzburg von Jörg Doll und seiner Frau Carolin (links) geführt. Mit Blumen beschäftigt sich die Familie allerdings schon viel länger: 1883 legte Urgroßvater Franz Doll die ersten Gärten in Wien an. Der Großvater gründete 1929 die Gärtnerei in Salzburg – heute wird der Betrieb in fünfter Generation mit Geschäftslokal und Gärtnereien auf 5000 von der Familie geführt. Zu den Spezialitäten des Unternehmens zählen außergewöhnliche und hochwertige Schnittblumen, die auf eigenen Feldern gezüchtet werden. Jörg Doll und sein Team dekorieren jedes Jahr die Salzburger Festspiele, den Wiener Opernball, die Fête Impériale und zahlreiche internationale Hochzeiten.

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(kurier) Erstellt am
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