Wohnen 04.02.2015

Der Teufel trägt ...

... ab sofort auch Martino Gamper. Der italienische Designer hat für die exklusive Modemarke Prada eine außergewöhnliche Schaufenster-Installation für sämtliche Stores weltweit entworfen.

Die Gestaltung des perfekten Schaufensters ist mittlerweile zu einer eigenständigen Disziplin geworden. Vor allem im Bereich hochwertiger Luxusprodukte geht es schon lange nicht mehr nur um die Verkaufsflächen, sondern auch um die Auslagen. Die temporären Gestaltungen werden zunehmend auch für renommierte Designer zum beliebten Betätigungsfeld. So auch für Martino Gamper, der vor Kurzem mit "Corners" (deut. für Ecken) ein ungewöhnliches Installations-Konzept für Prada entwickelte. Entstanden ist ein Raum im Raum, der im Wesentlichen von der Ecke charakterisiert wird.

IMMO hat beim Südtiroler nachgefragt, wie es dazu kam und welchen Herausforderungen er sich stellen musste:

Sie wurden von Miuccia Prada und Fabio Zamberndardi, Design-Direktor von Prada und Miu Miu engagiert. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

Letzten Sommer wurde ich von beiden beauftragt, eine Serie von Tischaccessoires aus Holz für ein Miu Miu Dinner in Paris zu gestalten. Daraus entstand auch der Auftrag für ein neues Schaufenster-Konzept ebenfalls aus Holz

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© Bild: Prada/Agomstino Osio
Der Zugang mithilfe von Raumstrukturen war für Sie von Anfang an klar?

Für mich stand von Anfang an fest, dass ich eher ein Möbel beziehungsweise eine Raumstruktur‚ als eine simple Fensterverkleidung kreieren werde.

Mit "Coners" wird auf Dreidimensionalität und auch auf den natürlichsten Werkstoff der Welt, Holz, aufmerksam gemacht. Erklären Sie uns diese Verbindung?

Die Ecke ist für mich der kleinste architektonische Raum. Ziel war es, für diesen Raum sehr starke grafische und strenge Perspektiven aus Holzelementen zu entwickeln und miteinander zu kombinieren. Ich habe mich für Ebenholz und Ahorn entschieden, weil sie diesen Ansatz am besten unterstützen. Es ist ein bescheidenes Eck aus einem einfachen räumlichen Element, welches wir mit anspruchsvollem Material und Perspektive inszeniert haben.

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© Bild: Prada / Agomstino Osio
Wie schwierig ist es, als Designer zu gewährleisten, dass die Installation nicht mit der Bekleidung konkurriert, sondern diese hervorhebt?

Meine Aufgabe lag darin, eine Fenster-Umgebung zu gestalten. Bei dieser Zusammenarbeit war ich sehr privilegiert: Ich hatte nie das Gefühl, dass meine Arbeit die Bedürfnisse der Marke unterdrückt. Im Gegenteil: Sowohl das Team von Prada als auch ich haben daran gearbeitet, beide Seiten gleichwertig zu betonen und das Ergebnis liefert den Beweis dafür.

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© Bild: Prada/Agomstino Osio
Was war für Sie die größte Herausforderung bei diesem Projekt?

Die Geschwindigkeit der Mode-Welt und die Schnelligkeit, in der sie sich ändern kann.

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© Bild: Angus Mill
1971 in Meran geboren, lebt und arbeitet seit 1998 in London. Gamper studierte in Wien an der Akademie der bildende Künste. Er realisierte Projekte für die Möbelfirma Ercol und wurde 2007 durch das Projekt „100 Chairs in 100 Days and its 100 Ways“ bekannt.www.martinogamper.com
( Kurier ) Erstellt am 04.02.2015