© Koelnmesse GmbH/ Harald Fleissner

Architektur
01/22/2017

"Das Haus" von morgen?

Die imm cologne lädt jedes Jahr renommierte Gestalter ein, ein Haus zu entwickeln. Heuer kam der amerikanische Designer Todd Bracher zum Zug.

von Ankica Nikolić

Als Guest of Honour der deutschen Möbelmesse geht es im Grunde darum, gegenwärtige Strömungen im Bereich der Möbel und die Sehnsüchte des Einzelnen abzubilden, aber auch dem gesellschaftlichen Wandel Raum zu lassen. "Das Haus" ist eine Plattform für Designexperimente, wo die Protagonisten Möbel, Farben, Materialien, Beleuchtungen, Accessoires zusammentragen, kombinieren, architektonische Elemente festlegen und in einem holistischen Entwurf vereinen. Todd Bracher, der bereits für Fritz Hansen, Cappellini oder Herman Miller sowie Zanotta arbeitete, folgt mit seiner diesjährigen Interpretation den Designern Doshi Levien, Luca Nichetto, Louise Campbell, Neri & Hu sowie Sebastian Herkner.

Brachers Köln-Konzept lässt viele Parallelen zu seinen Gestaltungen ablesen – unprätentiös und bodenständig zeigt sich nun seine Vision des Wohnens. "Das Zuhause stellt eine elementare Synthese aus Bedürfnissen und Funktionen dar, ganz darauf abgestimmt, seine Bewohner in ihrem Alltagsleben und in ihrer Entwicklung zu unterstützen", sagt Bracher.

Neue Formen des offenen Wohnens.

Die Strukturen im Inneren bestehen aus zwei unterschiedlichen Körpern, die ineinandergreifen. Einer davon wird von raumhohen Regalwänden und einer halbtransparenten Hülle gebildet. Ein schwarzer Würfel erweitert das Raumprogramm, der zudem mit einem leuchtenden Ball, der als Beleuchtungskörper fungiert, inszeniert wurde. Das Dach scheint darüber zu schweben und ist laut Bracher eher "eine selbstständige Struktur, die nicht, was sonst die Aufgabe eines Daches ist, als Barriere zum Himmel wahrgenommen werden soll."
Die gesamte Raumanordnung wird auf den Kopf gestellt, das traditionelle Dreizimmer-Küche-Bad-Konzept scheint ausgedient. Mit einem natürlichen Selbstverständnis nähert er sich der Gestaltung in Form von Zonen: Versorgung, Hygiene und Erholung. Reduziert auf das Wesentliche, hat er einzelne Bereiche auseinandergenommen, ihnen neue Funktionen zugeordnet und fallweise die eine oder andere sogar weggelassen. "Das Haus ist auch ein Schritt zurück zum Essenziellen. Damit meine ich den Versuch, von der Konsummentalität wegzukommen, all diese bedeutungslosen Inhalte und Dinge für irgendetwas zu brauchen für etwas, das uns doch nicht wirklich glücklich macht. Bei diesem Projekt geht es mir darum, etwas zu finden, das wirklich von Bedeutung ist, etwas, das essenziell ist für unser Leben."

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