Wohnen
12.03.2018

Das beste Haus: Die Gewinner

Wie geht man mit denkmalgeschützten Gebäuden und Häusern der Nachkriegszeit um? Die Gewinner des Architekturpreises „Das beste Haus“ zeigen: Durchdachte Planung und intelligente Grundrisse lassen moderne Wohnräume entstehen. Neun Preisträger, die Bestehendes zu Neuem verwandeln und der Zersiedelung entgegenwirken.

Das beste Haus: Die Gewinner

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Burgenland: Ein alter, sanierungsbedürftiger Streckhof entlang einer Straßenzeile mit weitläufigem Garten – diese Situation fand Architekt Martin Mostböck vor. Der Bauherr, ein Winzer und Tischer, hatte gleich mehrere Anliegen: Weitläufige, helle Innenräume, ein Pool und ein Fitnessbereich standen unter anderem auf der Wunschliste weit oben.

Zunächst wurde das Haus entkernt und bis zum Dachraum geöffnet, um mehr räumliche Großzügigkeit zu erhalten. Der vordere Gebäudeteil wurde durch Anfügen einer Glasbox zum Wintergarten erweitert. Das verbindende Element ist eine verglaste Rampe, die sich entlang des Gebäudes erstreckt: Sie schafft zusätzlich Wohnraum und sichert eine barrierefreie Zukunft.

Niederösterreich: Familie Resch aus Krems holte einen denkmalgeschützten Gutshof aus dem Mittelalter in die Gegenwart. 18 Jahre lang hat die Revitalisierung unter der Leitung von Architekt Franz Sam gedauert. Nach Abschluss der dritten Bauphase beherbergt der Hof nun vier Wohneinheiten für drei Generationen.

Barocke Mauern und Gewölbe treffen auf Materialien wie Glas, Stahl und Beton. Fenster und Türen wurden erhalten und innen thermisch aufgewertet. Lichtgauben im Dach, Glasböden und Galerien sorgen für ein helles, wohnliches Ambiente. Wer sich selbst überzeugen möchte: Alle zwei Jahre laden die Hausherren im Innenhof zum Benefizkonzerts. Nächster Termin: 28. Juli 2018. 

Salzburg: Der Entwurf von Tom Lechner (LP Architektur) steht im Ortsverband von Embach inmitten einer ländlichen Wohnsiedlung. Nach außen trägt der zweigeschoßige Neubau dem Wunsch nach Zurückhaltung Rechnung. Die Fenster sind so positioniert, dass die Natur ein- und der Ort ausgeblendet wird.

Das Innere wurde um die Leidenschaft des Lesens herumgebaut. Nischen, Lesebereiche und Wände, die zugleich Bücherregale sind, dominieren das individuelle und sehr persönliche Raumkonzept.

Kärnten: Schrumpfende Gemeinden stellen vielerorts ein Problem dar, Gegenmaßnahmen sind gefragt. Einen Beitrag leistet Architekt Reinhold Wetschko in Kärnten: „Haus SPQ“ befindet sich in der Ortsmitte von Bleiburg und schreibt Baugeschichte sinnvoll weiter. Denn die westliche Außenwand des Erdgeschoßes ist Teil der historischen Stadtmauer, wie ein Ausschnitt in der Fassade zeigt.

An der Straßenseite sind lediglich zwei kleine Fenster mit Schiebeläden angebracht. Im Kontrast dazu ist das Obergeschoß an der Südfassade vollständig verglast. Der Zugang erfolgt über eine filigrane  Holz-Stahl-Konstruktion, die zugleich einen überdachten Außenraum schafft.

Wien: Eine bescheidene Substanz, eine unzureichende Energiebilanz und nach heutigen Maßstäben zu  kleine, enge, dunkle Räume stellten die Ausgangslage dar. Um ein zeitgenössisches Wohngefühl und offene Räume zu realisieren, nahm Architekt Sebastian Illichmann an drei Stellen  Zu- bzw. Aufbauten  in Holzbauweise vor.

Die Räume gehen nun fließend ineinander über, von der großen Wohnküche bis zum gemütlichen Alkoven. Mehrere Terrassen, unter anderem auf dem Flachdach, stellen einen Bezug zum Außenraum her und ermöglichen ein Leben in und mit der Natur.

Oberösterreich: Dietmar Hammerschmied hat in Grammastetten einen Pavillon im elterlichen Garten realisiert. Das Haus im dunklen Fichtenkleid benötigt kaum Grundfläche: Es steht auf Stützen und liegt auf Trägern über dem Teich auf. Zugleich ist es transportabel – es könnte  weggehoben und  an einem anderen Ort wieder aufgestellt werden.

Der Wohnraum  ist auf  60 m² beschränkt. Großzügigkeit entsteht dank cleverer Einbaumöbel: Während sich an der Teichseite ein durchgehendes Fensterband erstreckt ist an der Nordseite ein 60 cm tiefer Wandschrank verbaut, der Stauraum liefert. Einziges raumbildendes Element, das den Wohn- vom Schlafbereich trennt, ist der Sanitärblock mit Bad, Haustechnik, Garderobe und einem Kachelofen.

Vorarlberg: Denkmalgeschützte Gebäude stehen oft jahrelang leer und sind günstig zu erwerben – wie etwa der 1889 erbaute Stadel im Zentrum von Dornbirn. Architektin Julia Kick hat sich des ehemaligen „Oekonomiegebäudes“  des Hotels Josef Weiss angenommen und es behutsam wie zeitgemäß revitalisiert.

Außen behielt es seine Form, das historische Fachwerk und die Holzverkleidung wurden erhalten und bestimmen noch heute das Erscheinungsbild. Im Inneren erstrahlt das Gebäude in neuem Glanz. Kick änderte die Raumeinteilung und schuf Bereiche zum  Wohnen und Arbeiten.

Steiermark: Architektin Ulrike Tinnacher hat ihren Eltern ein maßgeschneidertes Wohnhaus bei Gamlitz  geplant. Der bestehende Bau aus den Sechzigern wurde abgetragen, um auf den Grundfesten des darunterliegenden Gewölbekellers einen neuen Kubus mit steilem Satteldach zu errichten.

Daran schließt ein flacher, kubischer Baukörper an, in dem die Funktionen fließend ineinander übergehen: Flexible Möbelwände, die mit wenigen Handgriffen zu neuen Raumsituationen arrangiert werden können, beherbergen Garderobe, Küche und Stauraum. Großzügige Verglasungen holen die Natur ins Innere.

Tirol: Dieses schmale Haus ragt in Absam, am Fuße des Karwendels, in die Höhe. Architekt Geri Blasisker stand vor der schwierigen Aufgabe, ein Restgrundstück zu bebauen, das eigentlich als unbebaubar galt. Das Haus nimmt nun die Form des Grundstücks, fünfzig Meter lang und elf Meter schmal, auf und erstreckt sich über sechs Split-Levels. 

Die Funktionen sind übereinandergestapelt und schrauben sich nach dem Tagesverlauf angeordnet nach oben. Neben dem Schlafzimmer ganz oben gibt es eine Küche sowie Räume zum Wohnen, Verweilen, Arbeiten und Verstauen. Blasisker schuf somit Wohnraum für von rund 100 m², spezifisch an die Bedürfnisse einer Kleinfamilie angepasst.