Begrünte Dächer: Ein Garten ganz oben

Begrünte Dächer: Ein Garten ganz oben
Foto: avBuch/Cadmos In diesem Dachgarten im Zentrum Wiens bringt ein Wasserlauf Bewegung zwischen Stein, Holz und Gräser.

Man findet ihn ganz oben, den Garten mit Mehrwert: Begrünte Dächer sind nicht nur ein Refugium für die Bewohner. Sie wirken auch als Luftbefeuchter, Klimaanlage und Wärmedämmung.

Die Idee ist nicht neu: Die Babylonier schufen bereits vor über 2000 Jahren die Hängenden Gärten der Semiramis – eines der sieben Weltwunder der Antike. Heute schaffen grüne Dächer auf der ganzen Welt einen Ausgleich zum Grau der Stadt.

Barbara P. Meister zeigt in ihrem Buch "Garden on Top" spannende Projekte in Europa, Asien, Australien und Amerika. Die Bandbreite reicht dabei von komplett mit Rasen bewachsenen Dachflächen über bunte Gärten samt Bäumen und Pool bis zu schlichten Terrassen mit reduzierter Bepflanzung. Auf einem Dach in der Wiener Innenstadt (großes Bild) entstand zum Beispiel eine großzügige Landschaft aus weißen Quarzitplatten, Edelstahltrögen mit Gräsern und Stauden, Holzstegen und einem Wasserlauf.

Im australischen Sydney versteckt sich ein Garten im 25. Stockwerk eines Wohngebäudes. Weil ein echter Rasen hier kaum überleben würde, hat man sich für eine zentrale Kunstrasenfläche entschieden. Dank der niedrigen Hecke kann man im Liegestuhl die Aussicht auf die City genießen.

Schichtaufbau ist wichtig

Begrünte Dächer: Ein Garten ganz oben Foto: avBuch/Cadmos Englischer Rasen auf einem Dach in Singapur.

In unseren Breiten unterscheidet man zwei Arten von Dachbegrünung: Die extensive Variante kommt mit anspruchslosen, niedrigen Pflanzen aus, braucht wenig Pflege und wird daher häufig für die Dächer von Büro- und Industriegebäuden verwendet.

"Die Kosten beginnen bei 25 bis 35 Euro pro Quadratmeter. Kleine Flachdächer von Garagen oder Carports kann man auch ohne Weiteres selbst begrünen. Im Fachhandel gibt es Komplettsysteme für den Selbstbau. Für eine intensive Dachbegrünung, also einen richtigen Garten auf dem Dach, sollte man aber eine Firma beauftragen", rät Katharina Foglar-Deinhardstein, Gartenexpertin bei "die umweltberatung".

Damit alles grünt und blüht, ist der richtige Schichtaufbau wichtig: Zuerst wird das Dach mit einer Schutzfolie abgedichtet. Schließlich sollen nicht eines Tages die Wurzeln durch die Wohnzimmerdecke brechen. Dann folgen eine Dränage-, Wasserspeicher- und Filterschicht, die den Wasserhaushalt regulieren. Für die obere Vegetationsschicht werden meist Substrate statt Erde verwendet, weil sie leichter sind und das Wasser besser speichern können. Dennoch sollte man für eine automatische Bewässerung sorgen.

Statische Voraussetzungen klären

Begrünte Dächer: Ein Garten ganz oben Foto: avBuch/Cadmos In Sydney wurde eine Rasenfläche aus Kunstgras mit niedrigen Hecken und hölzernen Sitzelementen kombiniert.

Gartenlandschaften mit Rasen, Blumen, Sträuchern, Bäumen und vielleicht sogar einem Pool oder Teich drücken mit 250 Kilo und mehr pro Quadratmeter auf die Dachkonstruktion. Daher muss zuerst geklärt werden, ob die statischen Voraussetzungen gegeben sind und ob sich baurechtliche Einschränkungen aus dem Flächenwidmungs- und dem Bebauungsplan ergeben.

Die Kosten für so eine grüne Oase variieren sehr stark, durchschnittlich muss man mit 70 bis 150 Euro pro Quadratmeter rechnen.

Wer eine Dachbegrünung plant, sollte sich zuerst an seine Gemeinde wenden, denn einige Städte und Gemeinden unterstützen diese Maßnahmen. In Wien ist die MA 42 (Wiener Stadtgärten) für die Förderungen zuständig. Zwischen acht und 25 Euro gibt es hier pro Quadratmeter, bei 2200 Euro Förderung ist jedoch Schluss.

Bezahlt macht sich die Dachbegrünung auf jeden Fall. Denn ein blühendes Refugium auf dem Haus tut nicht nur der Seele gut. Begrünte Dächer wirken sich auch positiv auf das Raumklima in der Wohnung darunter aus. "Im Sommer verdunsten die Pflanzen Wasser und sorgen so für Kühlung. Im Winter wirkt der Aufbau als ökologische Wärmedämmung und hilft so, Heizkosten zu sparen", sagt Foglar-Deinhardstein. Die höhere Luftfeuchtigkeit bindet Abgase und Staub. Der Pflanzenteppich kann Schallwellen absorbieren und so den städtischen Lärmpegel mindern. Eben ein Garten mit Mehrwert.

Buchtipp

Begrünte Dächer: Ein Garten ganz oben Foto: avBuch/Cadmos

Architekten und Gartendesigner zeigen in diesem Bildband, wie aus Terrassen und Dächern grüne Erholungsräume werden.

Barbara P. Meister: Garden on Top.
avBuch/Cadmos, € 39,90.

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(kurier) Erstellt am
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