Wohnen
19.04.2017

Auf grünen Spuren

Zwei neue Gartenbücher: Das eine präsentiert detaillierte Porträts, das andere erweist sich als kompakter Reiseführer zu ausgewählten Freiluftoasen in Deutschland.

Einstigen Herrschern dienten sie als Statussymbol, Dichtern lieferten sie Inspiration und heutzutage dienen sie vor allem gestressten Großstädtern und Naturliebhabern als Ruheoase: Gärten. Ihr Stellenwert ist mal mehr mal weniger hoch – zurzeit erlebt das gepflegte Grün jedoch seinen absoluten Peak – zumindest hierzulande. Gartenkultur ist wieder chic geworden und scheinbar jeder wird zum passionierten Hobbygärtner, die eigentlich immer auf der Suche nach neuen Ideen und Tipps zur Gestaltung sind. Inspiration liefern aber nicht nur Magazine und TV-Sendungen, sondern lassen sich auch in öffentlich zugänglichen Schaugärten auf der ganzen Welt finden. Insgesamt sechzig gelungene Beispiele haben die Autoren Klaus Bender und Manfred Lucenz, Elke Gräfin von Pückler, Sabine Freifrau von Süsskind und Victoria Wegner für ihr neues Buch "Romantische Gartenreisen in Deutschland" besucht. Zu fünft wurden insgesamt neun Touren für verschiedene Regionen erarbeitet und jede davon wurde zusätzlich mit hilfreichen Reisetipps (Hotels, Restaurants, Sehenswürdigkeiten) und Wissenswertem ergänzt.

Die Insel Mainau am Bodensee (Baden-Württemberg) wird auch im Buch vorgestellt. Auf dem 45 Hektar großen Eiland wird die Gartensaison jedes Jahr mit der renommierten Orchideenschau eröffnet. Gezeigt werden 3000 Exemplare aus der rund 7500 umfassenden Sammlung Mainaus, die zur bedeutendsten Europas zählt. Über 450.000 Tulpen in über 400 verschiedenen Sorten, unzählige Rhododendren, Pfingstrosen und rund 100 unterschiedliche Rosenarten prägen nicht nur den berühmten italienischen Garten, sondern ganz Mainau. Das Arboretum umfasst eine über 150 Jahre alte Baumsammlung, die vor allem für seine Mammutsorten bekannt ist.
In der Gemeinde Bedburg-Hau, genauer gesagt im Privatgarten von Manfred Lucenz und Klaus Bender, markieren über 10.000 Narzissen den Frühlingsbeginn. "Der kalk- und mineralarme Boden war bis ins 18. Jahrhundert Heidegebiet und wurde ab 1740 von Flüchtlingen aus der Rheinpfalz besiedelt und kultiviert. Für uns bedeutet dies, dass wir lernen mussten, welche Pflanzen und Gehölze unter diesen Bedingungen langfristig wuchsen", erklären die beiden. Gestalterisch orientieren sich die Besitzer an traditionellen Bauerngärten; so findet man auf dem 4000 Quadratmeter großen Areal eine Obstwiese und einen Gemüsegarten. Die Touren umfassen eine erlesene Auswahl an Standorten, die von den Autoren fein aufeinander abgestimmt wurden. Zudem wurde jede mit regionalem Hintergrundwissen der Schreiber ergänzt.
Möchte man eine Route selbst zusammenstellen, wird man in dem aktualisierten Nachschlagewerk der deutschen Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur ebenfalls fündig. Autorin Christina Freiberg hat einen kompakten Überblick über 1500 deutsche Gärten und Parks zusammengefasst. Nach Bundesländern sortiert findet man in dem Gartenreiseführer (8. Auflage) passend zu jeder Anlage und jedem Park eine Kurzbeschreibung inklusive Wissenswertem zu Eigentümern, Öffnungszeiten, Eintritten und Führungen. Neben einem Pfarrgarten einer protestantischen Kirche im saarländischen Blieskastel, der mit Rosen, Dahlien, Hortensien an den englischen Stil erinnert, findet man auch Informationen über weitläufige fürstliche Anlagen wie das Schloss Wernigrode in Sachsen-Anhalt.

Private und öffentliche Gärten und Parks – das Standardwerk in seiner achten Auflage für Naturliebhaber und Hobbygärtner „Garten Reiseführer Deutschland“. € 30,80 Callwey Verlag
Zu Besuch in den schönsten Gärten mit Geheimtipps findet man in „Romantische Gartenreisen in Deutschland“ zudem neun von Kennern zusammengestellte Routen. € 41,10, CallweyVerlag