Wohnen
02/10/2017

Apartments auf Achse

Ob auf Rädern, in Zeltform oder als kompakte Einheit: Mobile Häuser vereinen ausgefallene Designs mit praktischer Funktionalität.

Im Jahr 2050 leben laut einer Schätzung der Vereinten Nationen zwei von drei Menschen in Städten. Man kann sich ausrechnen, dass der ohnehin schon enge Raum noch knapper wird, die Kosten steigen werden – Prozesse, die sich auch auf unser Wohnverhalten auswirken. Eine mögliche Folge: Die Apartments präsentieren sich kleiner und kompakter. Oder sie erhalten Rollen und können jederzeit von einem an den anderen Ort transferiert werden. Der Wohnwagen, das Sinnbild des biederen Touristen, der auch im Urlaub seiner gewohnten Umgebung nicht entfliehen will, erlebt ein Revival. Aber was für eines: Die Herausgeber Sven Ehmann, Robert Klanten, Michelle Galindo und Sofia Borgen präsentieren in ihrem Band "The New Nomads" innovative Wohn- und Mobilitätsformen, die oft mehr an Kunstwerke erinnern, aber auf jeden Fall die schönere Alternative zum Campingbus darstellen. Schnittige Formen, stilvolle Inneneinrichtungen und die flexible Nutzbarkeit einen die Objekte.

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Neue Nomaden

Es ist gar nicht notwendig, aus der Gesellschaft aussteigen zu wollen, um als einer jener "neuen Nomaden" zu gelten, die das Werk beschreibt. Technologische Errungenschaften machen bestimmte Arbeitsplätze ortsunabhängig. "Home Office" muss nicht mehr bedeuten, daheim zu sitzen, wie das fahrbare Ei vom Büro dmvA zeigt. "Das Zuhause ist kein Platz, sondern eine Idee, die wir mit uns herumtragen können", meintShonquis Moreno im Vorwort zum Band. Die "neuen Nomaden" seien keine Generationserscheinung, sondern vielmehr ein "Seelenzustand, eine Lebensweise". Eine, die auch den Innovationsgeist von Architekten weckt. Denn das Zuhause muss nicht nur eine Idee sein, die transportierbar ist – es kann auch tatsächlich versetzbar sein. Ob in edler Containeroptik wie "Minimod", als rustikaler Schuppen auf Rädern wie "Pocket Shelter" von Aaron Maret oder in reduzierter Form wie das "Tricycle House " von People’s Architecture Office – einer kleinen Behausung aus gefaltetem Kunststoff, das auf einem Dreirad sitzt. Es sind Alternativen zu oftmals kaum erschwinglichen Baugründen oder Wohnungen. Und natürlich ein Ausdruck der Freiheit.

Sie rollen und entfalten sich, die Kioske und mobilen Geschäfte, die die Herausgeber ebenfalls vorstellen. Von dem Origami-inspirierten "Canary Wharf Kiosk" in London bis zu dem herrlich altmodischen Holzanhänger mit integrierter Whiskey-Bar von Brad Ford. Manche Entwürfe tarnen sich in der Landschaft, andere sind visuelle Statements. Auch temporäre Schlafplätze und Notunterkünfte liefern Anregungen, um die Herausforderungen der Zeit zu meistern. Denn so erfüllend das Nomadentum für viele sein mag, für andere ist es eine unausweichliche Notwendigkeit. Und ankommen das erklärte Ziel.