Wissen
19.09.2018

Workshop für Schüler: Fakt oder Fake im Internet

In einem Brockhaus-Workshop lernen Schüler, Online-Quellen kritisch zu hinterfragen.

Es ist laut im Learning Lab der Pädagogischen Hochschule in Wien. Mehr als 30 Schüler und sieben Tablets arbeiten auf Hochtouren. Enzyklopädie-Einträge werden durchforstet und QR-Codes gescannt. Einer führt zu einem Nachrichtenbeitrag mit dem Titel "Einigung auf Klimakonferenz: soll durch umweltfreundlicheres CO₃ ersetzt werden".  Die Schülerinnen und Schüler der 1. Klasse des Gymnasiums Erlgasse sollen diese Meldung mit einem Fakt-Faktor  von 0 ("superfake") bis 3 ("superfakt") versehen. Die Kinder sind unschlüssig – von CO₃  haben sie noch  nie gehört, die Website sieht aber ganz seriös aus. Workshop-Leiterin Elke Höfler klärt auf: "Der Postillon ist keine verlässliche Quelle. Was hier steht, soll lustig sein." Nicht alle sind überzeugt. Sebastian (10) bemerkt: "Aber auf der Seite steht doch ‚Ehrliche Nachrichten – unabhängig, schnell, seit 1845‘. Wieso stimmt das nicht?“

Unbekanntes Terrain

Im Workshop "Fakt oder Fake. Digitale Grundbildung erleben" geht es um genau diese Fragen. Wie wichtig es ist, Kinder für den Wahrheitsgehalt von Nachrichten zu sensibilisieren, zeigt ein Blick in den Klassenraum: Alle Schüler haben ihr eigenes Smartphone mitgebracht. So haben sie Zugriff  auf Nachrichten und Fake News gleichermaßen. Das halbtägige Programm von Brockhaus Österreich orientiert sich an Schülern der NMS sowie der AHS-Unterstufe. Das Motto des Tages  stammt von der Autorin Marie Ebner-Eschenbach: "Wer nichts weiß, muss alles glauben“. Ziel ist es, den Kindern  Medienkompetenz zu vermitteln. Sie sollen lernen, zwischen seriösen Quellen und Fake News zu unterscheiden. Die Organisatorinnen Elke Höfler und Veronika Gmachl – Geschäftsführerin von Brockhaus Österreich – sind Verfechterinnen des digitalen Klassenzimmers. Für Gmachl sind digitale Lernmethoden nicht mehr wegzudenken:
"Jede Klasse sollte digital lernen. Es ist ein wichtiger Teil des Werkzeugkoffers im Unterricht." Dafür braucht es aber einen reflektierten und kritischen Umgang mit digitalen Medien und Internetquellen.


Um diesen zu trainieren, sind auch die Schüler der 2. Klasse der Neuen Mittelschule Leibnizgasse hier. Ihr Klassenvorstand Fabian Staudinger möchte die Jugendlichen für das Thema Fake News sensibilisieren: "Für viele ist das noch unbekanntes Terrain. Sie haben den Begriff zwar schon gehört, können damit aber nicht viel anfangen." Im Unterricht bereitete er die Klasse auf den Workshop vor.  "Wir haben uns   Video- und Fotomontagen angeschaut. Das interessiert die Kinder am meisten, denn mit gefälschten Bildern auf Snapchat oder Instagram haben viele selbst schon Erfahrungen gemacht."


Heute diskutiert die Klasse angeregt über einen Artikel auf Spiegel Online. In dem steht, dass eine amerikanische Forscherin den schlank machenden Effekt von Schokolade nachweisen konnte. Gleich begeben sich die Schüler im Netz auf die Suche nach der Studienautorin und der Universität. Mit Erfolg: Die Studie existiert wirklich. Eine Arbeitsgruppe macht sogar die Büro-Durchwahl der Forscherin  ausfindig. Diese Art der Zusammenarbeit ist Gmachl – selbst ehemalige Lehrerin – besonders wichtig. "Die Kinder  arbeiten die Themen immer gemeinschaftlich aus, anstatt alleine ins Tablet zu starren.“  

Workshop für Kinder


Teamwork

Die Schüler im Nebenzimmer sind in einen Twitter-Beitrag von Donald Trump vertieft. Dieser behauptet, dass der Klimawandel von den Chinesen erfunden sei, um der amerikanischen Wirtschaft zu schaden. Ein kurzer Blick ins Online-Lexikon (Schlagwort: Klimawandel) genügt. Die Kinder bewerten das Posting als "superfake“. "Der sagt sowieso immer nur Blödsinn", murmelt jemand.   


Das Interesse im Vorfeld des Kurses sei groß gewesen, erzählt Gmachl: "Wir mussten einige Schulen vertrösten." Das Konzept ist aber so angelegt, dass die Lehrer das Arbeitsmaterial selbstständig im Unterricht einsetzen können. Trotzdem beobachtet sie in Österreich noch eine gewisse Vorsicht gegenüber digitalen Unterrichtsformen. Besonders bei den Lehrkräften müssten noch Hemmungen abgebaut werden. Und das möglichst rasch, denn seit dem heurigen Schuljahr ist die digitale Grundbildung für die Sekundarstufe 1 verpflichtend.  
Am Ende des Vormittages wird es kreativ: Jeder darf seine eigenen Fake News produzieren. Ein Anwärter auf den Tagessieg: "Wie man ein Flugzeug aus einer Badewanne baut.“

 

Digitales Lernen

Brockhaus-Enzyklopädie: Das Nachschlagewerk wurde 1805 von Friedrich Arnold Brockhaus in Amsterdam gegründet. Seit 2002 sind mehr als 300.000 Schlagwörter der Brockhaus Enzyklopädie auch online abrufbar. Im Jugendlexikon werden viele Beitrage für die jungen Leser aufgearbeitet.
In den vergangenen Jahren wurde das Angebot auf digitale Bildung und Workshops ausgeweitet.

Angebot für Lehrer: Der Online-Kurs "Medienwissen" richtet sich an Pädagogen und behandelt unter anderem die Themen soziale Medien, Cybermobbing und digitale Kompetenz. Jedes Kapitel erhält Arbeitsvorschläge für den Unterricht. Die Testversion ist 14 Tage lang kostenlos verfügbar. Infos unter https://brockhaus.at/info/