Warum der Volksmund die Schuld an Seuchen "den anderen" in die Schuhe schiebt

Schon zu Zeiten der Spanischen Grippe, suchte man die Schuldigen in China – ein Reflex, „Othering“ genannt
Englischer Schweiß, Spanische Grippe, Franzosenkrankheit: Krankheitsnamen sind hoch politisch.

Wo die Wissenschaft versucht, politisch korrekt zu sein, schlägt der Volksmund gnadenlos zu – Englischer Schweiß, Spanische Grippe, Franzosenkrankheit. Die Weltgesundheitsorganisation  hatte zwar 2015 gemahnt, Krankheiten nicht von Ortsnamen abzuleiten. Das könne zu rassistischen Übergriffen führen. Vergeblich.

Kein Zweifel: Krankheitsnamen sind  hoch politisch. Das zeigt sich schon am Versuch von Donald Trump, die Pandemie als China-Virus zu etikettieren und dem Konkurrenten Schuld zuzuweisen. Wobei Trump in einer langen Tradition steht:   Die Attische Seuche etwa wütete schon 500  v. Chr. in Athen und es hieß, die Spartaner oder die Perser hätten die Brunnen vergiftet. Auch die Spanische Grippe hatte mit Spanien rein gar nichts zu tun. Die ersten Fälle traten im März 1918 in einem US-Militärcamp in Kansas auf. Weil in Spanien aber keine Pressezensur herrschte, wurde dort zuerst und sehr offen über die Pandemie berichtet. 

Immer der Andere

Ein bis heute stets wiederkehrender Reflex ist die Suche nach dem Schuldigen. Und Schuld war immer der andere, der Fremde. Diese „Othering“ genannte Ausgrenzung und Abwertung beginnt  beim Namen der Seuchen. Im Deutschen hieß die Syphilis „Franzosenkrankheit“. In Frankreich und  Russland nannte man sie „Polnische Krankheit“, in Polen wiederum  „Deutsche Krankheit“. Als Aids aufkam, verbreitete der KGB die Propaganda, das Virus stamme aus einem US-Labor. Unsinn ist also genauso wenig auszurotten, wie manch ein Virus.

 

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