Robinie: Seit 400 Jahren da

© APA/ANNA ARMBRUST PIXABAY

Wissen Wissenschaft
06/05/2021

Welche Pflanzen von anderswo besonders gefährlich sind

Best of Böse: Forscher haben die grünen Super-Invasoren in einer Studie definiert.

Jean Robin ist an allem schuld: Vor mehr als 400 Jahren pflanzte der Botaniker in Paris einen Laubbaum, der aus Nordamerika stammte. Später benannte man den Neuankömmling nach ihm – Robinia pseudoacacia. Im Vorjahr dann der Höhepunkt einer Pflanzen-Karriere: Die Robinie wurde zum Baum des Jahres 2020 gekürt – eine überaus umstrittene Entscheidung, passt sie sich doch gut an den Klimawandel an, ist eine gnadenlose Kämpfernatur und verändert so ganze Ökosysteme. „Sie ist ein Superinvasor“, sagt Franz Essl über die Robinie.

Der Biodiversitätsforscher von der Uni Wien muss es wissen, hat er doch mit Kollegen unlängst definiert, welche Pflanzen mit höchster Effizienz neue Lebensräume besiedeln und die in Europa heimische Flora verdrängen. Die Superinvasoren sind Meister in drei Disziplinen: Sie haben fast den ganzen Kontinent gerne, sind bei den Lebensräumen nicht wählerisch und absolut keine Einzelgänger.

Entdeckung Amerikas: 1492 ist der symbolische Beginn der Verbreitung von Neobiota  –  Arten, die mithilfe des Menschen neue Lebensräume erobern. Unter ihnen  sind  bis zu 15 Prozent „invasiv“ (mit negativen Auswirkungen auf die Umwelt).

 

Die Robinie erfülle alle drei Disziplinen mit Bravour: Wo immer sie wächst, wird sie zum vorherrschenden Baum, weil er sich durch Wurzelausläufer recht flott vermehrt. Andere haben keine Chance mehr. Und das ist schlecht für die Artenvielfalt.

Die Biodiversitätsforscher haben mittlerweile eine lange Liste an gefährlichen Gegenspielern vom anderen Ende der Welt ausgemacht.

Darauf steht etwa der japanische Staudenknöterich – landet er ungebeten im eigenen Garten, so kann es zehn Jahre dauern, ihn wieder loszuwerden. Er wächst extrem schnell mit Wurzeln, die in bis zu drei Meter Tiefe reichen. Auch der allseits beliebte Kirschlorbeer, ursprünglich aus dem Kaukasus, verdrängt die einheimische Vegetation und ist giftig. Weil wuchsfreudig, muss er dauernd geschnitten werden, durch unsachgemäße Entsorgung des Schnittmaterials gelange er dann in die freie Natur, die nicht die seine ist.

Nicht zu vergessen die Hanfpalmen aus Ostasien und Ambrosia oder Ragweed. Letztere produziert große Mengen Pollen, die starke Allergien auslösen können.

Das Fazit der Biodiversitätsforscher: Pflanzeninvasoren breiten sich explosionsartig aus, bedrängen heimische Gewächse, und einige gefährden sogar die Gesundheit.

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