Afrikanische Elefanten sind die größten Landsäugetiere der Welt.

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Wissen Wissenschaft
05/21/2020

Was die Maßeinheit "Babyelefant" bedeutet und wie die Dicken ticken

Seit das Abstandhalten in "ein Babyelefant" angegeben wird, sind die Rüsseltiere groß raus. Was die Riesen in Werbung, Wildnis und Zoo tun.

von Hedwig Derka

Der x-förmige Platinstab, der seit Generationen in Paris als Ur-Maß der Dinge liegt? Wozu! Der zehnmillionste Teil der Entfernung vom Nordpol zum Äquator? Wen interessiert’s! Die Strecke, die Licht im Vakuum in 1/299,792.458 Sekunden zurücklegt? Was soll’s! In der Corona-Krise wird tierisch gemessen – in Babyelefanten-Längen.

Seit Werbespots der Bundesregierung und des Roten Kreuzes via Fernsehen, Internet und Radio zum Social Distancing mahnen, gilt der Rüsseltier-Nachwuchs – wohlgemerkt ohne Rüssel – als neue Einheit. Ein Meter Mindestabstand ist derzeit eine der wichtigsten Schutzmaßnahmen vor dem Coronavirus. Einen Meter lang sind die größten lebenden Landsäugetiere bei ihrer Geburt.

Sympathisches Symbol

"Unsere Aufgabe war es, ein Symbol zu finden, das die Menschen lustig finden, sie aufregt, sich am Ende einfach bei ihnen auf eine Art und Weise festsetzt", erklärt Werner Singer von der Agentur Jung von Matt, mitverantwortlich für die Kampagne, gegenüber Ö3. Die Menschen wüssten, wie viel ein Meter ist. Es ging vielmehr darum, ein Bild zu prägen, das ständig daran erinnert, einander nicht zu nahe zu kommen. "Der Babyelefant ist bei einem Telefonat entstanden", so Singer: "Es waren auch Besenstiel und Riesenschildkröte im Gespräch."

Keine Frage, die Dickhäuter emotionalisieren; nicht nur in der Miniaturausgabe. Elefanten sind bekanntermaßen sensibel wie schlau. Und gefährdet. Verhaltensforscher attestieren ihnen einen ausgeprägten Familiensinn. Die Herde hält zusammen, Tanten helfen Müttern bei der Erziehung, Junggesellen streifen in Gangs durch die Lande.

Studien bescheinigen den grauen Riesen außerdem starke Emotionen. So zeigen Elefanten z. B. Mitgefühl, Trost und Trauer. Stirbt ein Freund, bedecken sie die Leiche mit Erde und Ästen und kehren immer wieder zu den Knochen zurück.

Nicht zuletzt verfügen die bedrohten Pflanzenfresser mit den wertvollen Stoßzähnen über eine ausgeklügelte Sprache, die weit über das Tröten hinausgeht. Elefanten grummeln unter anderem mit ihrem Vis-à-vis tief oder quieken hoch. Rüssel, Ohren, Kopf und Schwanz, aber auch Kot, Urin und Drüsensekrete spielen eine Rolle in der Kommunikation – die Tiere unterhalten sich nämlich auch via Duftnoten. Über weite Entfernungen kommunizieren sie indes mittels Infraschall.

Manche Exemplare erkennen sich zu all dem selbst im Spiegel – ein Zeichen für ein Ich-Bewusstsein, das nur für wenige Arten in freier Wildbahn belegt ist.

Stars im Zoo

"Elefanten zählen sicherlich zu meinen Schwerpunkten, auch weil sie in der Haltung in Zoos sehr komplexe Tiere sind", sagt Stephan Hering-Hagenbeck, Direktor im Tiergarten Schönbrunn. In Wien sind die Exoten seit 1770 Publikumsmagnete. Heute bewohnen sechs Damen den modernen Elefantenpark – jede "mit einem ganz eigenen Charakter". Die älteste, Drumbo, ist bereits 46 Jahre alt.

Das jüngste Herdenmitglied ist Kibali. Die verspielte Wienerin mit afrikanischem Einschlag kam am 13. Juli 2019 zur Welt: zirka 90 cm groß, rund 90 kg schwer. "Sie war von Anfang an ein Besucherliebling. Als in der Corona-Pandemie die Maßeinheit ,Babyelefant‘ eingeführt wurde, hatte sie noch einmal eine besondere Rolle bekommen", sagt Hering-Hagenbeck. Es gab unzählige Anfragen zur Körpergröße des Mädchens. Doch im Zooalltag spielt die keine Rolle, hier wird regelmäßig Gewicht geprüft.

Vergangenes Wochenende griffen die Tierpfleger schließlich doch zum Maßband. Das Ergebnis: "Kibali kommt bereits auf 1,40 Meter." Vielleicht besinnt man sich jetzt lieber wieder auf den Urmeter.

Afrikanischer Savannenelefant: Die Schwergewichte mit den großen Ohren bewohnen die Trockenwälder und Halbwüsten südlich der Sahara.  Schulterhöhe: bis zu vier Meter. Beide Geschlechter haben Stoßzähne. Der WWF schätzt den Bestand auf 415.000 Exemplare

Afrikanischer Waldelefant: Die etwas kleineren Rüsseltiere mit deutlich geraderen Stoßzähen leben in den tropischen Regenwäldern Zentralafrikas. Erst jüngere genetische Untersuchungen weisen die geschützten Tiere als eigenständige Art aus

Asiatischer Elefant: Die zweitgrößten Landtiere sind fast nur noch in Südostasien heimisch. Sie werden zirka 3,5 m groß. Nur die Männchen haben große Stoßzähne. Sie werden oft zur Arbeit eingesetzt. Der WWF gibt den Bestand mit maximal 32.750 Individuen an. Der Indische Elefant gilt als Unterart