Auf den Filter kommt es an.

© Deutsch Gerhard

Wissen Wissenschaft
10/09/2020

Wäschetrockner schleudern Mikrofasern in die Umwelt

In einem einzigen Durchlauf geben die Geräte trotz Filters mehrere Tausend Mikrofasern in die Umgebung ab.

Die Wäsche ist sauber, die Umwelt verdreckt: Von Waschmaschinen ist schon länger bekannt, dass sie Mikrofasern mit dem Wasser in die Umwelt spülen. Nun hat ein Versuch gezeigt, dass auch elektrische Wäschetrockner in einem einzigen Durchlauf mehrere Tausend Mikrofasern in die Umgebung abgeben. Trotz Filter gelangen die aus der Wäsche stammenden Fasern über die Entlüftungseinrichtung der Trockner direkt in die Natur, das schreiben Kirsten Kapp vom Central Wyoming College in Jackson (Wyoming, USA) und Rachael Miller vom Rozalia Project for a Clean Ocean in Burlington (Vermont, USA) in der Fachzeitschrift „Plos One“.

Fasernflug bis in die Arktis

Kunststoff-Mikrofasern wurden kürzlich selbst im Schnee der Arktis nachgewiesen. Sie gelangten sehr wahrscheinlich durch die Luft dorthin. Wie die Mikrofasern aber überhaupt in die Luft gelangten, wie sie transportiert und abgelagert würden, sei nicht ganz verstanden, erläutern die Wissenschaftlerinnen. Sie untersuchten nun Wäschetrockner als eine mögliche Quelle. Sie bestimmten die Menge an freigesetzten Mikrofasern an zwei unterschiedlichen Orten und mit unterschiedlichen Trocknern: Derjenige in Idaho war mehr als zehn Jahre alt, der andere zwei Jahre.

Rosa Fleece-Decken hinterließen Spuren im Schnee

Für ihre Untersuchung setzten die Wissenschaftlerinnen zwölf neue rosafarbene Fleece-Decken ein. Da diese Farbe in der Wäsche der beiden Haushalte sonst nicht vorhanden war, konnten sie die Fasern der Fleece-Decken gut von anderen Fasern unterscheiden. Ihre Versuche führten Kapp und Miller durch, wenn wenigstens sieben Zentimeter Schnee gefallen waren. Dann nahmen sie Schneeproben aus abgegrenzten Bereichen, um die Verteilung der Mikrofasern zu erfassen. Die meisten Fasern fanden sie bei allen Versuchen im Umkreis von drei Metern um die Entlüftungsöffnung. Aber selbst in neun Metern Entfernung entdeckten sie noch einige rosafarbene Mikrofasern.

Auf das Flusensieb kommt es an

In Vermont erfassten die Forscherinnen im Durchschnitt 12.570 Mikrofasern der Fleece-Decke pro Quadratmeter bei jedem Trocknerdurchlauf. Das war fast dreimal so viel wie beim Trockner in Idaho, obwohl das Gerät hier wesentlich älter war. Dafür war die Oberfläche von dessen Flusensieb mit 851 Quadratzentimetern etwa dreimal so groß wie die Fläche des Flusensiebs in Vermont mit 282 Quadratzentimetern. Während das Flusensieb in Idaho durchschnittlich 68 Milligramm Fasern pro Durchgang sammelte, waren es in Vermont nur 27 Milligramm.

Umweltbelastung dringend verringern

Außer den rosafarbenen fanden Kapp und Miller auch jede Menge Mikrofasern anderer Herkunft. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass elektrische Wäschetrockner ein potenziell großes Volumen an synthetischen und nicht synthetischen Mikrofasern aus Kleidung und Heimtextilien in unsere Umwelt einbringen“, schreiben die Forscherinnen. Sie verweisen darauf, dass in etwa 80 Prozent der amerikanischen Haushalte ein Wäschetrockner steht. Es müsse dringend nach Möglichkeiten geforscht werden, wie sich der Mikrofaser-Eintrag in die Umwelt verringern lasse.

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