© Getty Images/iStockphoto/amriphoto/IStockphoto.com

Wissen Wissenschaft
03/22/2021

UN-Weltwasserbericht: Pandemie offenbart Bedeutung von Wasser

Weltweit haben dem Bericht nach mehr als zwei Milliarden Menschen keinen Zugang zu sicherem Trinkwasser.

 

In die Ressource Wasser muss aus Expertensicht deutlich mehr investiert werden. Zwar habe die Weltpolitik die Bedeutung von Wasser erkannt, heißt es im aktuellen Weltwasserbericht, den die Organisation der Vereinten Nationen fĂŒr Bildung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) im Auftrag der Vereinten Nationen erstellt hat. Daraus wĂŒrden aber nicht genug Konsequenzen gezogen. Es werde zu wenig in wasserwirtschaftliche Infrastruktur investiert, Wasser werde verschwendet und verschmutzt. Die Folgen dieser Politik mache auch die Corona-Pandemie deutlich.

Die Pandemie treffe weltweit die Menschen am hĂ€rtesten, die in Siedlungen oder Slums lebten, schreiben die Expertinnen und Experten. Menschen, die in diesen dicht besiedelten Gebieten zu Hause seien, seien oftmals mit zu wenigen Gesundheitseinrichtungen, ĂŒberfĂŒllten öffentlichen Verkehrsmitteln sowie fehlenden kommunalen Dienstleistungen wie MĂŒllentsorgung konfrontiert. Weltweit haben dem Bericht nach mehr als zwei Milliarden Menschen keinen Zugang zu sicherem Trinkwasser. Mehr als vier Milliarden Menschen hĂ€tten keinen sicheren Zugang zu SanitĂ€ranlagen, mehr als drei Milliarden fehle es an geeigneten Handhygieneeinrichtungen.

Hygiene im Kampf gegen Pandemie wichtig

Handhygiene sei aber Ă€ußert wichtig, um die Ausbreitung von Pandemien wie Covid-19 zu verhindern. "Die meisten Haushalte sind auf die tĂ€gliche Arbeit angewiesen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, und haben keine Ersparnisse oder finanziellen Puffer (...) um grundlegende Dienstleistungen wie Wasser, SanitĂ€rversorgung und Hygiene zu bezahlen", heißt es. Kenias Regierung habe zum Beispiel in der Krise alle Wasserdienstleister angewiesen, informelle Siedlungen und gefĂ€hrdete Gruppen drei Monate lang kostenlos mit Wasser zu versorgen.

Verschmutztes Wasser fĂŒhrt zu tödlichen Krankheiten

Verschmutztes Wasser kann auch Krankheiten verursachen. Jedes Jahr sterben dem Bericht nach schĂ€tzungsweise mehr als 800.000 Menschen an Durchfallerkrankungen als Folge von unsicherem Trinkwasser. Mangelnder Zugang zu sauberem Wasser und SanitĂ€ranlagen wirke sich auch auf die PrĂ€vention und Behandlung von hĂ€ufig vernachlĂ€ssigten Tropenkrankheiten wie dem Trachom, das Blindheit verursachen kann, oder Schistosomiasis aus. Diese Krankheit fĂŒhrt zu Leber- und Nierenversagen.

Landwirtschaft braucht das meiste SĂŒĂŸwasser

Wasser ist außerdem zentral bei der Lebensmittelproduktion. Dem Bericht nach verbraucht die Landwirtschaft den grĂ¶ĂŸten Anteil der globalen SĂŒĂŸwasserressourcen. Die Umweltorganisation WWF warnt, dass fĂŒr Anbauregionen von in Deutschland beliebten Obst- und GemĂŒsesorten eine Wasserknappheit droht. Einer Analyse der Organisation zufolge könnten Kartoffelfelder in Ägypten und Avocadoplantagen in Chile sowie Peru besonders betroffen sein.

Bananenplantagen in Lateinamerika hĂ€tten hingegen mit Überschwemmungen zu kĂ€mpfen. Gehe man von einem pessimistischen Szenario aus, könnten Bananenanbaugebiete in Ecuador und Kolumbien bis 2050 fĂŒnf Mal hĂ€ufiger ĂŒberflutet werden.

Forderung: Wert von Wasser messen

Der UN-Bericht fordert, dass der grundlegende Wert von Wasser erkannt und gemessen werden mĂŒsse. Nur so könne er schließlich auch in politische Entscheidungen einbezogen werden. Die wasserwirtschaftliche Infrastruktur diene der Speicherung und dem Transport von Wasser und habe damit großen sozialen und wirtschaftlichen Nutzen, schreiben die Expertinnen und Experten. Die entscheidende Rolle von Wasser in Haushalten, Schulen, im Gesundheitswesen oder am Arbeitsplatz werde zu oft ĂŒbersehen. "Der Zugang sowohl zu Wasser als auch zu sanitĂ€ren Einrichtungen ist ein Menschenrecht."

Anders als bei anderen Ressourcen sei es aber schwierig, den "wahren Wert des Wassers" zu bestimmen. Daher bekomme Wasser in vielen Teilen der Welt nicht genug Aufmerksamkeit - entsprechend fehlten Investitionen. Folgen seien Ungleichheiten und eine nicht nachhaltige Nutzung der VorrĂ€te. Die Autorinnen und Autoren des Berichts sprechen sich dafĂŒr aus, den Wert von Wasser mit neuen Methoden zu bemessen. DafĂŒr brauche es ganzheitliche AnsĂ€tze der Bewertung, da die reine Beziehung zwischen Preis und Wert des Wassers nicht aussagekrĂ€ftig sei. "In mancher Hinsicht ist der Wert des Wassers unendlich, da das Leben ohne es nicht existiert und es keinen Ersatz dafĂŒr gibt."

Jederzeit und ĂŒberall top-informiert

UneingeschrÀnkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.

Kommentare