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Wissen Wissenschaft
09/24/2020

Wie Corona die Gesellschaft entzweit

Das zeigt eine aktuelle Untersuchung Grazer Forscher. Die Studie enthült aber auch, wie sehr Fake-News geglaubt wird.

von Susanne Mauthner-Weber

Man darf sich ja nicht wundern: Erst vorgestern gab es wieder einen Aufschrei aus der wissenschaftlichen Welt, weil eine chinesische Virologin in Sozialen Netzwerken behauptet hatte, das Coronavirus sei von China in einem Labor hergestellt und absichtlich freigesetzt worden. Fragt man Beate Klösch, welche Ergebnisse ihrer aktuellen Untersuchung sie persönlich besonders spannend findet, sagt die Soziologin daher wie aus der Pistole geschossen: „Das, was die Menschen denken, woher das Virus kommt. Nicht weniger als ein Drittel glaubt nämlich, dass Corona bewusst von Menschen im Labor entwickelt wurde.“

Umgekehrt denkt nur etwas mehr als die Hälfte der Befragten an die natürliche Übertragung des Virus vom Tier auf den Menschen. Wobei Twitter-User eher an einen natürlichen Ursprung glauben, Facebook-Nutzer präferieren die Labor-Theorie. Frauen glauben das im Vergleich zu Männern übrigens ebenfalls häufiger, und Menschen mit niedrigerem Bildungsabschluss sind ohnedies empfänglicher für diese Verschwörungstheorie.

Technik trifft Umfrage

Klösch und ihre Kollegen haben Soziologie und Informatik verknüpft, um sich die Polarisierung zu aktuellen gesellschaftlichen Themen wie Klimawandel und Corona-Krise anzuschauen. Zuerst wurden Umfragen unter 2.560 Internetnutzern in Österreich, Deutschland und der Schweiz gemacht. Zusätzlich gaben 119 der beteiligten Twitter-User ihr Einverständnis, das zu analysieren, was sie im Sozialen Netzwerk von sich gaben.

Man versuchte also, den Menschen in die Köpfe und den Account zu schauen: Wurde das Coronavirus auf die Menschheit losgelassen, oder haben wir einfach Pech gehabt? Sind Contact Tracing, Masken- und Impfpflicht sinnvoll, oder sind es Zwangsmaßnahmen, die Grundrechte gefährden? „In den untersuchten Fragen zeigt sich eine starke Polarisierung der Bevölkerung“, beobachtet Projektleiter Markus Hadler. Soziologin Klösch: „Wir sehen einerseits Leute, die die Maßnahmen total unterstützen, aber auch die, die total dagegen sind“.

Kritisch

Wobei Österreicher die Maßnahmen kritischer sehen als Deutsche und Schweizer. Impfpflicht und das Tragen von Schutzmasken lehnen Facebook-Nutzer tendenziell häufiger ab als Personen, die diesen Kanal nicht verwenden. Twitter-User hingegen befürworten Contact Tracing und eine Schutzmaskenpflicht öfter als die übrigen Befragten.

Auch wie es um die Angst steht, können die Forscher mittlerweile besser beurteilen: Dass man selbst oder ein nahe stehender Mensch am Virus erkrankt und einen schweren Verlauf erleidet, fürchten Frauen und ältere Menschen eher als Männer und jüngere Befragte. Österreicher sind übrigens tendenziell weniger besorgt als Befragte aus Deutschland und der Schweiz.

Besser kommunizieren

Klösch resümiert: „Die Bevölkerung denkt offensichtlich viel darüber nach und ist kritisch.“ Das könnte man doch nutzen, um Informationen künftig besser an den Mann zu bringen. Womit wir beim Sinn des Forschungsprojektes wären: Strategien erarbeiten, um die Verbreitung von Falschinformationen zu reduzieren und die Polarisierung in der Gesellschaft zu verringern.

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