Meisen fressen sich am hygienischen Futtersilo Fettreserven an.

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Wissen Wissenschaft
12/09/2019

Tiercoach: Wie Vögel in freier Natur gut durch den Winter kommen

Wer Nahrung anbietet, soll auf die Herkunft achten und kontinuierlich füttern.

von Hedwig Derka

Fink, Spatz und Zeisig zählen zu den Körnerfressern. Mit ihren kräftigen Schnäbeln können sie Nüsse, harte Kerne sowie Weizen-, Hirse- und Hanfsamen genießbar machen. Amsel, Drossel, Star und Rotkehlchen bevorzugen weiche Kost. Mit ihren spitzen Schnäbeln picken sie Insekten, Würmer und Beeren auf. Meise, Specht und Kleiber sind nicht wählerisch. In kalten, schneereichen Zeiten ist jedes Nahrungsangebot eingeschränkt – ein Grund für Vogelfreunde, Futter bereit zu stellen.

Kritisch hinterfragen

„Es gibt einen kritischen Zugang zur Wildtierfütterung“, sagt Zoodoc Katharina Reitl. Der KURIER-Tiercoach erklärt, was den heimischen Arten und den Wintergästen hilft, und wo die Tierliebe Grenzen haben sollte.

Natürlichen Lebensraum schaffen

„Vogelhäuschen haben sich eingebürgert, weil die Winter früher sehr hart waren. Das hat sich im Zuge der Erderwärmung geändert“, sagt Reitl. Heute ist die monatelange Schneedecke Geschichte, insgesamt erschweren aber Monokulturen in der Landwirtschaft und Thujen im Garten ganzjährig die Selbstversorgung der Tiere. „Wer die Möglichkeit hat, sollte Vögeln einen natürlichen Lebensraum schaffen“, sagt die Tierärztin aus der Ordination Tiergarten Schönbrunn. Sträucher mit Beeren, Obst oder Wildblumensamen dienen als Nahrungsquelle. Blumen, Stauden und Gräser ziehen im Sommer Insekten an. Im Winter sind die Proteinlieferanten noch in Laub und Kompost zu finden.

Rezepte auf Fettbasis

Vor dem Fenster oder auf dem Balkon machen Mischungen als dem hygienischen Futtersilo satt. Oder selbst gemachte Knödel. „Es gibt ganz viele tolle Rezepte im Internet. Die Basis ist fast immer Fett – Pflanzenfett oder Rindertalg“, sagt die Expertin. Dazu können Getreidesorten gemixt werden. Haferflocken enthalten wertvolle Kalorien, Rosinen oder Nüssen locken spezielle Arten in Sichtnähe.

Futter bewusst einkaufen

„Man muss sehr genau darauf achten, welche Samen man kauft“, sagt der Zoodoc. Saaten, die aus dem Ausland kommen, belasten mit langen Transportwegen die Umwelt. Zudem stammen sie häufig aus konventionellem Anbau, für den mitunter die Lebensgrundlage von ortsansässigen Vögeln zerstört wurde.

Kontinuität

„Man sollte nicht glauben, dass man mit der Winterfütterung eine bedrohte Singvogelart retten kann“, schließt der KURIER-Tiercoach: „Es ist daher zu überlegen, ob man Futter überhaupt anbietet.“ Wer auf die Vogelschau nicht verzichten will, muss die Versorgung jedenfalls den ganzen Winter aufrecht halten.

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