Nicht alle Hunde haben ein Problem mit der Leine.

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Wissen Wissenschaft
03/30/2020

Tiercoach: Warum viele Hunde an der Leine aggressiv reagieren

Stress, Verteidigung und schlechte Erfahrungen machen das Gassigehen zum Spießrutenlauf.

von Hedwig Derka

Er ist der friedlichste Hund, gut erzogen, sozial im Umgang. An der Leine wird er mitunter zur Bestie. Er zerrt, keift und fletscht die Zähne. Das Gassigehen wird zum Spießrutenlauf.

Leinenaggression ist gar nicht so selten. Manche Besitzer fühlen sich nicht betroffen, obwohl ihr Vierbeiner das Fehlverhalten deutlich an den Tag legt“, sagt Zoodoc Katharina Reitl. Der KURIER-Tiercoach beschreibt die Ursachen für die bedrohliche Unsitte und erklärt, wie Hundeführer sie in Griff bekommen.

Stress als Ursache

„Der häufigste Auslöser für Leinenaggression ist Stress“, sagt Reitl. In vielen Fällen macht die Begegnung mit einem Artgenossen Angst. Angeleint kann sich das furchtsame Tier weder zurückziehen, noch fliehen, es springt nach vorne. Angriff ist die beste Verteidigung. Bestimmte Rassen oder Größen können Trigger sein. Auch Kinder verunsichern gelegentlich, vor allem, wenn sie unberechenbar agieren. Nicht zuletzt kann Unbekanntes wie eine Gehhilfe oder ein Rollstuhl die unerwünschte Reaktion hervorrufen. Schlechte Erfahrungen verstärken die Aggression.

Verteidigung des Halters und des Reviers

„Seltener versucht der Hund mit seinem aggressiven Verhalten, seinen Besitzer zu beschützen“, liefert die Tierärztin aus der Ordination Tiergarten Schönbrunn einen weiteren Grund für die Attacken. Der Rudelführer will verteidigt sein. Das gilt ebenso für das Abstecken des Reviers.

Hundeführer ist gefragt

„Es liegt am Hundeführer, die Lage und den Liebling im Blick zu haben“, sagt die Expertin. Der Halter darf seinen Schützling keinem unnötigen Stress aussetzen. Vielmehr muss er potenziellen Problemen schnellstens entgegenwirken; erst Recht, wenn der Vierbeiner bereits den Schwanz einklemmt, knurrt, die Ohren anlegt und den Körper versteift.

Der Weg aus der Krise gelingt an der kurzen Leine. Hund und Halter befinden sich dabei auf gleicher Höhe. Die straffe Verbindung zwischen Mensch und Tier eignet sich außerdem als defensive Vorsichtsmaßnahme. Ist der Hundeführer jedoch selbst unsicher, überträgt sich diese Stimmung auf den Vierbeiner und die Situation spitzt sich zu.

Keine Leine beim Spiel

„Wenn Hunde angeleint sind, gibt es eigentlich kein Beschnüffeln und grundsätzlich kein Spiel“, sagt Reitl. Beim Herumtollen sollen sich die Vierbeiner frei bewegen können. Nur so ist es möglich, dass sich die Kameraden aus einer unangenehmen Lage lösen können; nur so ist gewährleistet, dass sich Leinen nicht verheddern. Einer Leinenaggression darf kein Anlass gegeben werden. Der KURIER-Tiercoach schließt: „Ist eine Leinenaggression einmal zur Gewohnheit geworden, ist es sehr mühsam, diese Unsitte abzutrainieren.“

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