Hunde sammeln Zecken von Gräsern ein.

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Wissen Wissenschaft
05/18/2020

Tiercoach: Warum jeder Zeck im Fell zu viel ist

Die Parasiten können böse Krankheiten übertragen. Haustiere brauchen individuellen Schutz.

von Hedwig Derka

Die einen schwören auf Kokosöl, die anderen auf Thymianduft. Auch Kümmelöl und Keramikperlen sollen vor den Parasiten schützen.

„Es gibt viele alternative Mittel gegen Zecken. Solange das Haustier keinen Blutsauger hat, ist mir jeder Schutz recht“, sagt Zoodoc Katharina Reitl pragmatisch. Der KURIER-Tiercoach erklärt, welche Krankheiten von Zecken übertragen werden und warum jeder Vierbeiner individuell versorgt werden soll.

Hunde erkranken häufiger als Katzen

Steigen die Bodentemperaturen über acht Grad, werden Zecken aktiv. Aufgrund der Klimaerwärmung sind in Österreich mittlerweile 17 von weltweit 800 Arten bekannt. Die Spinnentiere warten auf Gräsern und im Gebüsch auf ihren Wirt. Einmal festgesaugt, können die Schmarotzer schwere Leiden verursachen; Hunde erkranken häufiger als Katzen.

Symptome nach dem Biss

Zecken übertragen vor allem Anaplasmose, Borreliose, Babesiose und Ehrlichiose“, sagt Reitl. Die Erreger führen zu Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust, Fieber, Lahmheit und Gelenksentzündungen, sie zerstören Blutzellen und erzeugen so schwere Anämie. Mitunter entstehen lebenslange Schäden. Im schlimmsten Fall ist der Patient nicht zu retten.

Individueller Schutz

„Jeder Vierbeiner mit mehr als einem Zeck gehört behandelt“, sagt die Tierärztin aus der Ordination Tiergarten Schönbrunn. In Regionen mit hohem Parasitenaufkommen sind pharmazeutische Präparate unumgänglich. Ein Jagdhund am Land braucht einen besseren Schutz als der Chihuahua in der Stadt. Der Tierarzt des Vertrauens entwickelt einen individuellen Plan, indem er das Risiko abschätzt und die Wünsche des Besitzers berücksichtigt. Prinzipiell gilt: So wenig Chemie wie möglich, so viel Chemie wie nötig.

Gut verträglich

„Die Mittel, die bei uns vertrieben werden, sind weltweit erprobt und gut verträglich“, sagt der Zoodoc. Nur in Ausnahmefällen treten Nebenwirkungen auf. Sie sind in der Regel harmloser als jede Erkrankung durch einen Zeckenbiss. Besonders sensible Haustiere vertragen mitunter das eine oder andere Präparat schlechter. Bei falscher Anwendung kann es eventuell zu einer Vergiftung kommen. Bewährt haben sich jedenfalls wasserfeste Spot-on-Präparate zum Auftropfen, die Zecken ein Monate fern halten. Auch Halsbänder – mit Sollbruchstellen gegen die Strangulationsgefahr –, die Insektizide abgeben, tun bis zu sechs Monate gute Dienste. Kautabletten wirken je nach Hersteller ein oder sechs Monate und töten die Blutsauger, bevor diese Erreger übertragen.

Ab der achten Lebenswoche

„Hunde ab der achten Lebenswoche sollten einen Zeckenschutz bekommen„, sagt der KURIER-Tiercoach. Hundertprozentige Sicherheit gibt es mit keiner Behandlung. Doch: „Bei einer guten Prophylaxe ist die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung schon sehr gering.“

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