Eine Operation vermindert die Erstickungsgefahr und verbessert die Lebensqualität.

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Wissen Wissenschaft
03/09/2020

Tiercoach: Warum manche Hunde im Alter nicht bellen

Eine Kehlkopflähmung macht Senioren zu schaffen, ein chirurgischer Eingriff hilft.

von Hedwig Derka

Die Atmung rasselt, die Stimme klingt heiser, das Bellen verkommt zu einem Hauchen. Zudem verkutzt sich der Hund beim Trinken immer öfter, das Schlucken fällt ihm zunehmend schwer. Die körperliche Fitness insgesamt nimmt ab. Warme Außentemperaturen verschlimmern die Symptome.

„Eine Lähmung des Kehlkopfes tritt schleichend vor allem bei älteren Hunden auf. Da ist nicht sofort klar, dass der betagte Vierbeiner krank ist“, sagt Zoodoc Katharina Reitl. Der KURIER-Tiercoach erklärt, wann eine Larynxparalyse – so die medizinische Bezeichnung – vorliegt und wie den Patienten geholfen werden kann.

Ursachen der Kehlkopflähmung

Der Kehlkopf ist das Verbindungsstück zwischen Rachen und Luftröhre. Das knorpelige Gebilde wird durch einen langen Nerv versorgt. Funktioniert dieser nicht wie vorgesehen, kommt es zu einer Lähmung. Die paralysierten Stimmfalten engen die Atemwege ein. Im Extremfall droht Tod durch Ersticken.

Lebensbedrohliche Erkrankung

„Eine mögliche Ursache ist ein Nervenleiden, eine so genannte Polyneuropathie. Meist sind noch andere Muskeln betroffen. Es gibt wahrscheinlich eine genetische Prädisposition“, sagt die Tierärztin aus der Ordination Tiergarten Schönbrunn. Vor allem größere Rassen wie Retriever und Setter zählen zur Risikogruppe. Je älter der Vierbeiner, desto höher ist die Gefahr, an der lebensbedrohlichen Lähmung zu erkranken. Ist ein verletzter Nerv die Ursache für die Larynxparalyse, können freilich auch kleinere Rassen und Jungtiere an den Symptomen leiden. In seltenen Fällen sorgt eine Schilddrüsenunterfunktion für die Beeinträchtigung.

Chirurgischer Eingriff unter Narkose

„Die Schilddrüsenunterfunktion kann mit Tabletten behandelt werden. Liegt eine Polyneuropathie oder eine Verletzung vor, hilft eine Operation“, sagt Reitl. Der chirurgische Eingriff bringt zwar keine Heilung, er verbessert aber die Lebensqualität des Patienten deutlich. „Die Technik ist nicht ganz simpel“, betont der Zoodoc. Ein erfahrener Chirurg mit Fingerspitzengefühl ist gefragt. Er bringt die Stimmfalte einseitig in eine halb offene Position. Dadurch werden die Atemwege frei gehalten. Der Hund liegt eine Stunde in Narkose. Die Komplikationsrate ist gering, die Nachsorge jedoch sehr wichtig.

Keine Panik

„Der Hund lernt mit der Umstellung innerhalb einer Woche umzugehen“, sagt Reitl. Zunächst sei der Vierbeiner meist über sich selbst erschrocken, weil ihm das Bellen nach dem Eingriff nicht mehr möglich ist. Doch die Einbuße dieser Körperfunktion hat keine dramatischen Auswirkungen. Der KURIER-Tiercoach hält fest: „Ein Erstickungsanfall dagegen versetzt Hund und Halter in Panik. Die Operation ist daher definitiv anzuraten – selbst bei alten Haustieren.“

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