Eine Infektion mit FIP macht Katzen müde.

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02/03/2020

Tiercoach: So gefährlich ist das Feline Coronavirus

Der Erreger ist bei Katzen seit Langem bekannt. Ein Medikament gibt Hoffnung.

von Hedwig Derka

Seit Wochen sorgt 2019-nCoV für Aufsehen. Von der chinesischen Millionenstadt Wuhan aus droht sich der Mutant in der globalisierten Welt rasant zu verbreiten. Bei dem winzigen Erreger handelt es sich um ein neuartiges Mitglied der großen Familie der Coronaviren. Sieben davon können beim Menschen leichte bis schwere Erkrankungen verursachen. Auch Wildtiere wie Fledermäuse, Schlangen, Vögel und Fische können Träger sein.

Coronaviren sind längst bei Haustieren bekannt“, sagt Zoodoc Katharina Reitl. Der KURIER-Tiercoach erklärt, was der Stamm im schlimmsten Fall bei Katzen auslöst und wie gefährlich das Leiden für Vierbeiner und Halter ist.

Tierartspezifisches Virus

„Die Erkrankung von Katzen wurde vermehrt ab 1945 beobachtet. 1976 wurde das spezifische Coronavirus nachgewiesen“, sagt Reitl. In seiner harmlosen Variante löst die Infektion von Tier zu Tier Verdauungsprobleme aus. Als bösartige Form ist sie für eine Entzündung des Bauchfells verantwortlich. Experten sprechen von FIP, Feliner Infektiöser Peritonitis.

Tröpfcheninfektion

Der hoch pathogene Erreger kommt parallel in zwei Ausprägungen vor: Bei der trockenen Form entstehen knotige Veränderungen, die jedes Organ betreffen können – das Auge genau so wie das Gehirn. Bei der feuchten Form führt eine Blutgefäßentzündung zur Flüssigkeitsansammlung im Bauch.

Viele verschiedene Symptome

„Die FIP hat viele Gesichter; die Symptome treten erst relativ spät auf und ändern sich“, sagt die Tierärztin aus der Ordination Tiergarten Schönbrunn. Ein Bluttest liefert zunächst keinen eindeutigen Befund. Infizierte Tiere leiden mitunter nur an Durchfall. Bei anderen bricht die Krankheit erst nach Jahren aus, bei machen nie. Erst deutliche Anzeichen wie verminderte Futteraufnahme, Abmagerung sowie wiederkehrendes Fieber und Bauchwassersucht bzw. Brustkorbergüsse bestätigen den Verdacht. Für diese Patienten gibt es in Österreich aktuell keine Heilung. Studien zu einer neuen, vielversprechenden Therapie laufen bereits auf Hochtouren, im Moment ist das Medikament in der EU aber nicht zugelassen.

Hoffnung auf neues Medikament

„Legal gibt es derzeit nur eine palliative Therapie, um die restliche Lebenszeit zu verbessern“, sagt die Expertin. Die Behandlung zielt auf die Symptome ab. Dafür wird das Immunsystem so geschwächt, dass der Körper die Wasserbildung reduziert. Die Entzündung nimmt weniger schmerzhaft ihren Lauf.

Tödlicher Verlauf

Eine FIP-Impfung bietet keinen hundertprozentigen Schutz. Sie wird über die Nase verabreicht und erschwert den infizierten Tröpfchen lediglich das Eindringen in den Körper. Sie wird für Freigänger in Risikogebieten empfohlen. Der KURIER-Tiercoach schließt: „Bricht die Krankheit bei der Katze aus, verläuft sie derzeit tödlich. Für Menschen besteht keine Ansteckungsgefahr.“

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