Sie waren die  bedeutendste Kultur des amerikanischen
Kontinents: Die Maya

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Wissen Wissenschaft
06/02/2020

Mythos Maya: Die ersten Umweltschützer

Wie es die Pioniere der nachhaltigen Landwirtschaft schafften, eine riesige Population zu ernähren, zeigt eine neue Ausstellung - unter anderem.

von Susanne Mauthner-Weber

Im Jahr 2014 hatte der US-Archäologiestudent Whittaker Schroder auf einer Landstraße im mexikanischen Chiapas eine folgenschwere Begegnung. Ein Straßenverkäufer erzählte ihm, er habe auf einer Weide eine Tafel mit Hieroglyphen gefunden. Die Zeichen erwiesen sich als Maya-Schrift. Besser noch: Der Ort entpuppte sich als das verschollene, lange gesuchte Maya-Königreich Sak Tzi. Inzwischen wurden die Ruinen von 120 Bauten identifiziert, darunter Tempelpyramiden, ein Ballspielplatz, Wohngebäude samt Marktplatz.

Der Fund beweist einmal mehr, dass es im mittelamerikanischen Dschungel noch vieles zu entdecken gibt. Den größten Wissenszuwachs brachten neue Technologien, berichtet der Maya-Experte Nikolai Grube: „Laserstrahlen, die ein Gebiet abtasten und ein 3-D-Modell der Landschaft erstellen. So kann man den Urwald durchdringen und erkennen, dass darunter eine Kulturlandschaft liegt, die intensiver besiedelt war, als wir das gedacht haben.“

In dieser Geschichte erfahren Sie

  • wie riesig die Städte der Maya waren
  • warum ihre Landwirtschaft so innovativ war
  • und was von ihnen geblieben ist.

Grube, Professor für Altamerikanistik und Ethnologie in Bonn, muss es wissen: Er hat wesentlich zur Entzifferung der Maya-Schrift und Erforschung der Königsdynastien beigetragen. Von 2009 bis 2015 legte er Uxul frei. Die Ruinen dort stehen für Aufstieg und Untergang der Maya-Kultur. Jetzt kuratiert Grube die Maya-Ausstellung im MAMUZ Museum Mistelbach, die soeben eröffnet wurde und sich mit den Geheimnissen der amerikanischen Hochkultur beschäftigt.

„Wir wissen heute, dass die Population viel größer war, als lange angenommen.“

Das erzählt Grube im Interview mit dem KURIER. Und wirft die Frage auf, wie es gelang, derart viele Menschen zu ernähren, ohne die Umwelt zu zerstören. „Über Jahrhunderte lebten die Maya mit dem Regenwald zusammen und wirtschafteten nachhaltig.“ Als sie immer mehr wurden – und das passiert schon früh (um 600 v. Chr.) – probierten die Maya neue Techniken in der Landwirtschaft aus. „In periodisch überschwemmten Gebieten legten sie Kanalsysteme an, die die Sümpfe entwässerten. Die ausgehobene Erde wurde zu Inseln aufgeschüttet. Der Aushub war besonders fruchtbar. Und die von Wasser umspülten künstlichen Inseln sorgten dafür, dass man das ganze Jahr über Wasser hatte.“

Risiko minimiert

Verschiedene Früchte, die sich ergänzten, wurden zugleich angebaut – Mais als wichtigste Stärkepflanze; Bohnen, die den Boden mit Stickstoff anreicherten und sich am Mais hochrankten und ihm Stabilität gaben; dazwischen Kürbisse, deren große Blätter den Boden abdeckten und vor Unkraut sowie Austrocknen schützten. Verschiedene Maissorten minimierten das Risiko von Missernten und Klimaschwankungen.

Das machte es möglich, riesige Städte zu versorgen: „Tikal etwa hatte um die 70.000 Einwohner“, sagt Grube. Zu einer Zeit als Europa nur Kaffs kannte. Wobei die Städte nicht mit unseren vergleichbar waren: „Sie hatten eine offenere Struktur und waren im Grunde Gartenstädte; mit viel monumentaler Architektur. “

 

„Das Maya-Tiefland war nie politisch geeint. Es gab viele Kleinstaaten wie einst in Europa“, erzählt Grube. „25 Kilometer rund um den Palast reichte die Macht des örtlichen Königs“, schätzt er. Gemeinsame Religion und Kultur verbanden die Stadtstaaten. Die mächtigsten wie Tikal und sein nahe gelegener Rivale Calakmul setzten auf die Loyalität kleinerer Städte. Die Allianzen wechselten ständig.

 

Sie erfanden einen präzisen Kalender, lernten, mit dem tropischen Ökosystem in Einklang zu leben, und entwickelten eine komplexe Hieroglyphenschrift. Ihre Siedlungsgebiete in den Regenwäldern von Mexiko, Guatemala, Belize, Honduras und El Salvador waren damals die Regionen mit der weltweit größten Bevölkerungsdichte. Tief im Dschungel Zentralamerikas erheben sich bis heute die imposanten, steinernen Tempelpyramiden und Paläste der Maya. Ihre Blütezeit: zwischen 250 und 900 n. Chr. 

Bis 22. November kann man im MAMUZ Mistelbach anhand von  200 Originalexponaten aus Guatemala Aufstieg und Fall der Hochkultur nachvollziehen. „Die meisten Objekte wurden noch nie in Europa gezeigt. Eigentlich noch nie außerhalb von Guatemala, manche wurden selbst dort noch nicht ausgestellt“, sagt Kurator Nikolai Grube. „Jadeobjekte, Keramiken, Porträts von Herrschern, die Stufe einer Hieroglyphen-Treppe mit der Darstellung eines gefangenen Königs  sind einige der Highlights.“

Die Exponate sind Leihgaben aus  dem Nationalmuseum für Archäologie und Ethnologie von Guatemala. Und ausnahmslos aus legal durchgeführten Grabungen  – keine Selbstverständlichkeit bei kolonialer Kunst.

Die Königsdynastien wurden erst unlängst enträtselt. Die genaue Anzahl kenne man noch immer nicht – „sicher mehr als 30“, sinniert der Maya-Experte. „Sie waren die bedeutendste Kultur des amerikanischen Kontinents. Nicht nur, was ihre kulturellen Leistungen, sondern auch, was die Dauer ihrer Präsenz betrifft.“

Die Mayakultur begann um 2000 vor der Zeitenwende. „Als die Spanier im 15. Jahrhundert kamen, war es eine gesunde Gesellschaft. Aber die Blütezeit war lange vorbei, die großen klassischen Maya-Stätten waren untergegangen. Die Königshöfe spielten keine Rolle mehr.“ Grube abschließend: „Die Maya-Welt war – fast könnte man sagen – demokratischer geworden. Es gab kollektive Herrschaft von Gruppen. Und bis heute gibt es elf Millionen Maya, die die Kultur unter anderen Bedingungen weiterführen.“

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