© MedUni, Christian Houdek

Wissen Wissenschaft
09/11/2020

Ein Preis für österreichischen Prothesen-Pionier, der weiter ist als Elon Musk

Der Neurochirurg Oskar Aszmann arbeitet an gedankengesteuerten Prothesen und ist darin Weltspitze. Jetzt wird er ausgezeichnet.

von Susanne Mauthner-Weber

Ende August ging Elon Musks neueste Erfindung durch die Weltpresse: Er präsentierte ein Cyborg-Schwein mit Neuralink-Implantat – eine Mensch-Maschine-Schnittstelle.

Nicht nur Musk setzt große Hoffnung in die Technologie – etwa bei der Bekämpfung von Schmerzen oder Sehstörungen sowie bei Rückenmark-Verletzungen. In der Zukunft wäre es denkbar, verletztes Nervengewebe mit Hilfe der Technologie zu überbrücken, etwa damit Menschen wieder laufen könnten, sagte er. 

"Wir sind da einen wesentlichen Schritt weiter", kommentiert Oskar Aszmann trocken. Der plastische Chirurg von der MedUni Wien und Leiter des Christian-Doppler-Labors für Wiederherstellung von Extremitätenfunktionen forscht seit Jahren an gedankengesteuerten Prothesen.

Und das überaus erfolgreich: Viele Unfallopfer und Schlaganfall-Patienten können mit Hilfe der Hightech-Prothesen, die er gemeinsam mit der Firma Otto Bock entwickelt, wieder greifen und tragen.

Heute, Freitag, wird er dafür mit einem anlässlich des 25-Jahr-Jubiläums der Christian-Doppler-Gesellschaft (CDG) neu geschaffenen Preis für Forschung und Innovation ausgezeichnet.

Dopplereffekt. An Christian Doppler können die meisten sich dunkel aus dem Physikunterricht erinnern. Im Alltag kann man den von ihm beschriebenen Dopplereffekt bei schnell vorbeifahrenden Autos mit Sirene erkennen: die Sirene klingt bei der Annäherung des Fahrzeugs zunächst höher und nach der Vorbeifahrt am Zuhörer tiefer.

Christian Doppler Gesellschaft. Seinen Wahlspruch hat sich die vor 25 Jahren gegründete und nach ihm benannte Christian Doppler Gesellschaft (CDG) auf die Fahnen geheftet: „Die lohnendsten Forschungen sind diejenigen, welche, indem sie den Denker erfreuen, zugleich der Menschheit nützen. Das sei auch die Zielsetzung der CDG, sagt ihr Präsident Martin Gerzabek.

91 CD-Labors – egal, ob sie sich der Mathematik, Informatik, Medizin, Chemie oder den Materialwissenschaften widmen – haben sich der anwendungsorientierten Grundlagenforschung verschrieben und arbeiten mit Unternehmenspartnern zusammen. 

Neuer Preis. Zum 25. Geburtstag gibt es jetzt erstmals einen mit 40.000 Euro dotierten Preis. Ein Innovationspreis sollte es sein. Und Oskar Aszmann bekommt ihn, weil die gesellschaftliche Relevanz für seien Forschung spricht, aber auch die wissenschaftliche Seite besonders gelungen sei, so die Begründung. Viel Publikationen in Topjournalen, 19 Dissertationen und Kooperationsverträge mit Otto Bock bis 2025, sprächen dafür.

Margarete Schramböck, zuständige Ministerin, gratuliert: "Die Forscher arbeiten gemeinsam mit den Unternehmen, um die großen Probleme der Menschheit zu lösen." Sie betont, dass es von der Politik keine Vorgaben in Sachen Forschungsthemen gäbe. Auch wenn Politiker mitunter glauben, "dass sie die Probleme der Welt besser lösen können".

Das stimme nicht: "Wir müssen die Rahmenbedingungen schaffen, damit Forschende und Unternehmen die Lösungen für Problem finden, die wir heute vielleicht noch gar nicht kennen." Denn: "Die Forscher sind der Politik oft voraus."

Apropos voraus: Als Nächstes will Aszmann sich der fühlenden Prothese annähern. "Das ist aber am schwierigsten", gesteht er gleich. Die Signalwege seien sehr komplex. Alleine in einem Zeigefinger findet sich eine Million Rezeptoren. "Das ist schon sehr schwer nachzubauen."

Natur ist uneinholbar

Das zweite Problem ist die Zeit, die das Signal bis zum Gehirn braucht. Die Natur sei einfach uneinholbar schnell. Darum hat er sich eine Umleitung einfallen lassen, die nicht über den Muskel, sondern die Haut läuft: "Wir überziehen einen Muskel mit Haut. Die Haut nimmt die Bewegung des Muskels wahr. Dieses Phänomen habe ich mir zunutze gemacht", berichtet der Neurochirurg.

Im Tierversuch wird die innovative Methode jedenfalls bereits getestet. Aszmann weiter: "Wir tasten uns an Behandlungsmöglichkeiten heran, an die wir vor zehn Jahren noch nicht denken konnten. Hier an der MedUni Wien. Woanders haben sie noch keine Ahnung davon."

Musk hat sich übrigens noch nicht bei ihm gemeldet. "Aber es würde mich nicht wundern, wenn er es täte, denn wir haben in den vergangenen Jahren sehr viel publiziert", sagt Aszmann. Ganz ohne falsche Bescheidenheit.

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