Virologe Steininger

© FWF

Wissen Wissenschaft
05/14/2020

Forschungsförderung: 237 Millionen Euro für neues Wissen

Corona hat die Welt kalt erwischt. Investition in Wissenschaft ist Vorsorge gegen Krisen, sagt der Wissenschaftsfonds und legt Bilanz vor.

Dass auch Laien Wissenschafter kennen, ist nicht selbstverständlich. Christoph Steininger kennt man, ist der Virologe von der MedUni Wien zurzeit doch einer der gefragtesten Interviewpartner, wenn es um das Coronavirus geht.

Der Hauptjob von Steininger ist es aber nicht, Medien für Fragen zur Verfügung zu stehen, auch wenn man hin und wieder diesen Eindruck bekommen könnte. Steiniger forscht unter Hochdruck, nicht nur an COVID-19, sondern auch an einer Reihe anderer Viren. Dass er das tun kann, ist unter anderen dem FWF (dem Wissenschaftsfonds Österreichs, also im weitesten Sinne Ihnen, lieber Leser und Steuerzahler) zu danken. 

Der FWF ist Österreichs zentrale Einrichtung zur Förderung der Grundlagenforschung sowie der künstlerisch-wissenschaftlichen Forschung. Er unterstützt – nach internationalen Qualitätsmaßstäben – herausragende Forschungsprojekte sowie exzellente Wissenschafter, die sich der Gewinnung, Erweiterung und Vertiefung wissenschaftlicher Erkenntnisse widmen.
 

Wo genau der FWF das Geld aktuell investiert, präsentierte er heute: 2019 flossen 237 Millionen Euro in mehr als 700 neue Forschungsprojekte aus allen Disziplinen. „Insgesamt bringen mehr als 4.000 Forschende in 2.400 laufenden Projekten mit Mitteln des FWF an Österreichs Universitäten und Forschungsstätten neues Wissen hervor und liefern Impulse für die Konjunktur. Für 2020 zeichnet sich aufgrund der Corona-Krise ein Höchststand an Forschungsanträgen ab“, heißt es in einer Aussendung.

Apropos Krise: Sie zeige, dass man noch stärker darauf achten müsse, dass die Qualität der Wissenschaft hochgehalten werde, da dies Entscheidungen auf Basis des bestverfügbaren Wissens ermögliche. “Eine ganz klare Lehre ist auch, dass wir die Vielfalt in der Forschung aufrechterhalten und fördern müssen und dass es jetzt nicht zu einer Einengung im Forschungsbereich kommt", sagt Klement Tockner, Präsident des Wissenschaftsfonds FWF.

Auch internationale Kooperationen müssten erhalten und ausgebaut werden. Kooperationen müsse es auch zwischen den Fächern geben, “denn die jetzige Gesundheitskrise ist nicht entkoppelt von der Klima- und der Biodiversitätskrise„, die man auch nicht gegeneinander ausspielen dürfe - "das wäre fatal, dann hätten wir aus dieser Krise nichts gelernt".

Tockner weiter: „Forschende mussten bei der Corona-Pandemie nicht bei Null beginnen, die Grundlagenforschung hat vorgebaut. Die Geschwindigkeit der COVID-19-Forschung wäre noch vor 20 Jahren undenkbar gewesen.“ So sei es auch in Österreich möglich, Wissen von Weltformat hervorzubringen und für künftige gesellschaftliche Herausforderungen vorzusorgen.

Insgesamt lag die von Forschenden beantragte Summe im letzten Jahr bei 908 Millionen Euro. Davon konnten Forschungsprojekte im Umfang von 237 Millionen bewilligt werden. Der größte Anteil entfällt auf Naturwissenschaften und Technik, gefolgt von Biologie und Medizin sowie den Geistes- und Sozialwissenschaften. 

Investition in die Zukunft

Zwei Drittel der geförderten Wissenschafter sind jünger als 35 Jahre. „Diese aufstrebende Generation zeigt das Potenzial Österreichs. Allesamt wissenschaftliche Zukunftshoffnungen, die in aller Welt begehrt sind und um die wir uns besonders bemühen“, glaubt Tockner.

Wichtig sei auch, dass bei den anstehenden Maßnahmen zur Stärkung der Wirtschaft die Wissenschaft nicht vergessen werde, ergänzt Martin Kocher, Chef des Instituts für Höhere Studien (IHS), anlässlich der Präsentation der FWF-Förderstatistik. Vor allem der Grundlagenforschung „kommt in den nächsten Jahren enorme Bedeutung für den Standort Österreich zu“.

Akutförderung

Als Antwort auf die Corona-Pandemie initiierte der FWF eine SARS-CoV-2 Akutförderung – ein Fast-Track-Verfahren für Forschungsanträge, die sich mit der Prävention, Früherkennung, Eindämmung sowie der Erforschung von SARS-CoV-2 beschäftigen und besonders auf internationale Kooperation setzen. 

Bleibt nur noch, auf mehr Bewusstsein für die Bedeutung der Grundlagenforschung zu hoffen. Ohne neugierige Wissenschafter hätten wir heute etwa weder Batterien noch Röntgenbestrahlung. Da sieht etwa Virologe Steininger auch die Forschenden selbst gefordert: „Auch wir müssen klarer kommunizieren, welche Bedeutung unsere Arbeit für die Gesellschaft hat, warum etwa die Erforschung eines Moleküls wichtig für die Entwicklung eines Medikaments sein kann“.

Doch das dämmert so manchem wohl seit Ausbruch des neuartigen Virus bereits.

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