Essensreste des Acrodus wurden untersucht

© NHM Wien

Wissen Wissenschaft
11/25/2020

Fossiler Kot als Fenster in die Erdgeschichte

Forscher des Naturhistorischen Museums Wien konnten fossilen Kot und Speiballen aus der Triaszeit Meeresfischen zuordnen. Was sie daraus gelesen haben.

Einblick in die Lebensweise von Tieren vor 220 Millionen Jahren konnten österreichische und polnische Forscher durch die Analyse von fossilem Kot und hochgewürgten Nahrungsresten (Speiballen) erlangen. Es sei erstmals gelungen, Wirbeltier-Exkremente aus der Triaszeit der Nördlichen Kalkalpen Meeresfischen zuzuordnen, berichten sie im Fachjournal "Scientific Reports". Schalenreste in Speiballen und Fischschuppen im Kot geben dabei Auskunft über die Ernährung der Tiere.

Der Paläontologe Alexander Lukeneder vom Naturhistorischen Museum (NHM) Wien hat gemeinsam mit polnischen Kollegen 220 Millionen Jahre alten fossilen Kot sowie Speiballen aus den Reingrabener Schiefern Niederösterreichs mit verschiedenen Methoden analysiert. Das Material stammte nicht nur aus der Sammlung des NHM Wien, sondern wurde auch von Material, das Birgitt und Karl Aschauer aus Waidhofen an der Ybbs entdeckt wurde - diee unterstützen als sogenannte Citizen Scientists die Forscher bei ihrer Arbeit.

Ammoniten und Tintenfische

In den fossilen Speiballen fanden sich hunderte zerbissene Schalen von Ammoniten und Armhäkchen von Tintenfischen. Diese konnten vom Räuber nicht verdaut werden und wurden wieder ausgewürgt. Die Wissenschafter ordneten diese Nahrungsreste Acrodus zu, einem ein Meter großen Meeresfisch der Triaszeit. "Es handelt sich dabei um einen marinen, haiähnlichen Knorpelfisch, der alle Ammoniten und Tintenfische jagte", so Lukeneder in einer Aussendung des NHM.

Revolutionäres Fressverhalten

Diese Beutetiere schwammen nahe am Meeresboden und im offenen Meer. Das besonders angepasste Gebiss von Acrodus mit flachen Zähnen erlaubte es dem Fisch, die hartschalige Beute zu knacken und zu verschlingen. Aber er konnte sie nicht vollständig verdauen und die störenden Schalenreste wurden wieder hochgewürgt. Die Funde legen den Forschern zufolge nahe, dass sich das als Durophagie bezeichnete Fressen hartschaliger Tiere erst in der Triaszeit durchsetzte und damit die Ökosysteme revolutionierte.

Der Hauptteil der untersuchten Fossilien sind Kotreste von kleineren Fischen wie den Strahlenflossern Gigantopterus, Saurichthys oder Polzbergia, die in großen Schwärmen den Tethys-Ozean bevölkerten. Diese fraßen offensichtlich andere Fische, wie tausende Fischschuppen in ihrem Kot belegen.

Lukeneder verweist auf das unerwartete Potenzial von fossilem Kot und Speiballen für die Rekonstruktion von Lebensweise, Ökologie und Ernährungsstrategien vieler Meeresbewohner der Triaszeit. Das NHM zeigt die fossilen Fische und deren Exkremente nach der coronabedingten Schließung im Saal 8.

 

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