© Donauuni Krems KAiser

Wissen Wissenschaft
10/13/2020

Donaulimes: Wo die Grenze vereinen soll

Wie ein römisches Fluss-Schiff die Donau erobern soll und Fundstellen am Strom mit Hightech gesucht werden.

von Susanne Mauthner-Weber

„Die Bäume sind schon gefällt, die Nägel geschmiedet – alles wird streng nach antiker Technik und mit originalgetreuen Gerätschaften angefertigt“, erzählt Anna Kaiser, ihres Zeichens Althistorikerin. Wenn die Experimentalarchäologen der Universität Erlangen-Nürnberg mit ihrer Arbeit fertigwerden, sollte der Nachbau eines römischen Fluss-Schiffes aus dem 4. Jahrhundert n. Chr. herausgekommen sein. Im Sommer 2022 wird es Städte an der Donau ansteuern. Mit authentisch ausstaffierten Crews. All das im Dienste der Wissenschaft und der Völkerverbindung. Denn das EU-Projekt „Living Danube Limes“ will das antike römische Erbe erhalten und touristisch nutzen.

„Ziel des Projektes ist es, den Donauraum über sein gemeinsames Erbe zu verbinden. Und was könnte sich da besser eignen als der Donaulimes von Deutschland bis zum Schwarzen Meer über die ganze römische Zeit hinweg“, sagt Projektchefin Kaiser, die an der Donau-Uni Krems das Zentrum für Kulturgüterschutz leitet. „Jenes Erbe, das sich mit Stätten und Museen wie auf einer Perlenkette aufgereiht durch den ganzen Donauraum zieht.“

Römer bis zum 4. Stock

Denn auch nach 2.000 Jahren sind die Römer in den Städten und Dörfern am Strom spürbar. Viele Relikte sind noch nicht überbaut, aber auch noch nicht ausreichend erforscht und vor Zerfall und Naturkatastrophen geschützt. „In Carnuntum haben wir ein berühmtes Museum. Es gibt zudem eine Reihe von Stätten, die im Originalzustand erhalten, aber bei Weitem nicht so bekannt sind.“ Anders als in anderen römischen Grenzabschnitten habe sich in Österreich eine große Anzahl von hochaufragenden Befestigungsanlagen erhalten. „Traismauer oder Zeiselmauer etwa, wo es bis zum vierten Stock spätantike Türme gibt“, erzählt die Althistorikerin und hofft, mit dem Projekt Touristen anzulocken. Genauso wichtig ist ihr aber der philosophische, völkerverbindende Gedanke.

Die Faszination des Donaulimes, einer der größten Grenzanlagen der Welt, besteht darin, dass er trotz seines Grenzcharakters eine völkerverbindende Handelsroute war. Und so soll in den zehn Anrainerstaaten Bewusstsein für das transnationale Potenzial geschaffen werden.

Potenzial sieht auch Wolfgang Neubauer. Der Archäologe vom Ludwig-Boltzmann- Institut für virtuelle Archäologie „geht davon aus, dass wir schon noch ein paar Neuigkeiten aus der Erde herauskitzeln werden“. Gekitzelt wird wie schon in Stonehenge oder Carnuntum mit geophysikalischen Prospektionen. Im Klartext: Neubauer und sein Team werden den Boden auf der Suche nach dem römischen Erbe mit Hightech-Methoden durchleuchten. Das Rolemodel ist Carnuntum. Derzeit werden die Fundstellen in den verschiedenen Ländern sondiert, welche für seine Methoden geeignet sind.

Kaiser geht davon aus, dass auf den knapp 3.000 Kilometern mehrere Hundert Fundstellen ihrer Entdeckung harren. „Die einzelnen Donauländer arbeiten gerade an einer detaillierten Aufstellung“. Denn die Römer haben dort seit dem Ende des 1. Jahrhundert v. Chr. bis ins 6. Jahrhundert n. Chr. ihre steinernen Spuren hinterlassen.

Mobiles Museum

Im Sommer 2022, wenn das Schiff fertig ist, kann es gut sein, dass es an der einen oder anderen neu entdeckten Fundstelle hält, die dann besichtigt werden kann. Geht die Vision auf, könnten dort dann auch Virtual-Reality-Rekonstruktionen und Museumskooperationen warten.

Die Idee gefiel. Mit dabei sind nicht nur 19 universitäre, staatliche und privatwirtschaftliche Projektpartner aus zehn Ländern, sondern auch 27 Partner aus den Bereichen Archäologie, Altertumsforschung, Technik, Architektur, Virtual Reality, Museumsbetrieb, Tourismuswirtschaft, Kulturgüterschutz und Living History.

Und so ist nicht nur eine europäische Kulturroute entlang des Donaulimes sowie nachhaltiger, grüner Tourismus das Ziel von „Living Danube Limes“, sondern auch die Nominierung des gesamten Donaulimes als UNESCO-Weltkulturerbe. Ach ja: Nach Ende des Projektes soll das Schiff jedem der Partner an der Donau ein Jahr lang zur Verfügung stehen. Als mobiles Museum.

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