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02/06/2021

Jenseitig: Ägyptische Mumie sollte mit goldener Zunge sprechen

Archäologen vermuten, dass das Amulett im Mund den Toten den Austausch mit Gott Osiris ermöglichen sollte.

Archäologen haben an der ägyptischen Mittelmeerküste Mumien mit Zungen-artigen Amuletten im Mund entdeckt. Ein spezieller Ritus sollte ihnen wohl ermöglichen, im Jenseits mit dem dort herrschenden Gott Osiris zu sprechen, teilte das ägyptische Antikenministerium mit. Die Mumien hätten teils vergoldete Kartonagemasken getragen.

Ausgegraben wurden die Mumien im Taposiris-Tempel, der vor rund 2300 Jahren nach der Ankunft Alexanders des Großen in Ägypten errichtet wurde. Geleitet werden die Arbeiten 50 Kilometer westlich des modernen Alexandria von der dominikanischen Archäologin Kathleen Martinez. Die Mission hatte in Taposiris Magna in vergangenen Jahren bereits mehrere Funde gemacht, die das griechisch-römische Zeitalter in Alexandria beleuchten.

Denn die alte Tempelstadt diente auch als Nekropole für hochrangige Ägypter der Ptolemäerzeit. Archäologen haben in den letzten Jahren mehr als 25 Sarkophage teils in Grabschächten, teils oberirdisch entdeckt.

Diesmal entdeckten sie 16 Katakomben mit hochrangigen Mumien aus der Ptolemäerzeit; darunter eine Mumie mit goldener Zunge, eine mit königlicher Krone, goldener Brustplatte sowie Halsschmuck mit Falkemmotiv. Die Toten sind in schlechtem Zustand, ein Teil ihrer verzierten Auflagen ist aber erhalten geblieben. Die Überreste deuten auf einen hohen Status der Verstorbenen hin, wie Grabungsleiterin Martinez von der Universität Santo Domingo erklärt.

Verzierungen verweisen auf Gott Osiris

Eine der Mumien trägt auf ihrem Kopf eine Krone mit vergoldeten Widderhörnern und einer Kobra auf der Stirn. Diese sogenannte Atef-Krone gilt als Herrschaftssymbol von Königen und Gottheiten und vereint die Symbole Oberägyptens mit Bezügen auf Osiris. Die Brust des Toten ist von einem rechteckigen, goldenen Brustschmuck bedeckt und um den Hals trägt er eine mit einem Falkenkopf geschmückte Halskette. Eine zweite Mumie weist ebenfalls Reste von vergoldetem Grabschmuck auf, dessen Verzierungen auf den Gott Osiris verweisen.

Für die Rechtfertigung im Jenseits

Eine Besonderheit ist jedoch eine Mumie mit goldener Zunge: In ihrer Mundhöhle wurde eine zungenförmige Nachbildung aus Goldblech gefunden. Wahrscheinlich sollte sie sicherstellen, dass der Tote auch im Jenseits sprechen konnte, erklärt das ägyptische Antikenministerium dazu. Dem damaligen Glauben nach mussten die Toten Osiris, dem Gott der Unterwelt, Rede und Antwort stehen können.

Warum nur diese Mumie bei der Bestattung eine solche goldenen Zunge bekam, ist unklar. Es wäre möglich, dass dieser Mensch schon zu Lebzeiten stumm war oder unter Sprachstörungen litt. Denkbar wäre aber auch, dass diese Goldzungen in besonderen Fällen unabhängig von solchen Behinderungen mit ins Jenseits gegeben wurden.

Zu den weiteren Funden der Ausgrabungen gehören die prachtvolle Totenmaske einer Frau, die sie vom Kopf bis hinunter zur Brust bedeckte, Reste eines goldenen Kranzes, acht Marmorbüsten, sowie die Relikte einiger Schriftrollen.

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