Wie der Winter Zootiere kalt lässt: Anpassung und Tricks im Tiergarten

Ein Kleiner Panda sitzt im tief verschneiten Baum.
Zoo-Bewohner haben sich ans Klima angepasst, Tiergärten reagieren auf Kälte und Schnee. Es gibt aber auch Kritik.

Kleine Pandas trotzen jeder Wetterkapriole. In den Bergwäldern des Himalajas sind die Sommer windig und nass, Frühlings- und Herbsttage warm, die Nächte frostig, die Winter durchwegs kalt. Ein dicker Pelz isoliert, Fellsohlen verhindern Ausrutscher - auch in unseren Breitengraden.

Zootiere haben sich in Generationen an das Klima hierzulande angepasst und werden den Witterungen entsprechend versorgt, sagen Verantwortliche. Tierschützer dagegen orten eine saisonale Strafverschärfung.

„Nicht nur für Pandas und Amurtiger, die ursprünglich aus Schneegebieten stammen, sondern auch für Giraffen und Nashörner ist Schnee eine Bereicherung“, sagt Folko Balfanz vom Tiergarten Schönbrunn. Der zoologische Abteilungsleiter verweist auf den Spieltrieb aller Art. 

Tiere reagieren mit dichtem Fell auf Kälte, Tiergärten mit saisonalen Maßnahmen

Direktor André Stadler vom Alpenzoo Innsbruck hält fest: „Viele Tiere zeigen beim ersten Schnee charakteristische Verhaltensweisen, die von Neugier bis zu Schutzmechanismen reichen.“ So reagierten v.a. Junge mit Springen, Graben und Rollen. Steinböcke wiederum erkunden rutschiges Terrain mit Vorsicht. Wo im Wiener Tiergarten glatte Gefahr droht, werden Trampelpfade besandet und Felsen beheizt.

Kalte, klare Tage belasten die Zootiere nicht. Winterfell schützt Büffel wie Zebra. Regen und Wind dagegen können krank machen. In Schönbrunn etwa wechseln Elefanten und Nashörner jetzt alle paar Stunden zwischen Indoor und Outdoor. Grundsätzlich entscheiden aber die Bewohner selbst, wo sie sich aufhalten. Täglich 24 Stunden freie Platzwahl gilt ebenso im Tiroler Alpenzoo.

Kleine Innenbereiche erhöhen den Stress kälteempfindlicher Zootiere

„Auch wenn die Tiere jederzeit ins Außengehege können, verbringen kälteempfindliche Tiere die Zeit doch meist in kleinen Innenbereichen“, klagt Yvonne Würz von Peta Deutschland. Die Fachreferentin für Zoo und Zirkus bringt Flamingos als Beispiel. Wie alle Arten müssten sich die Wasservögel in enge Winterquartiere drängen. Der Stress, dem die Individuen in Gefangenschaft ohnehin ausgesetzt sind, erhöht sich damit.

„Unsere Flamingos leben das ganze Jahr im Freien“, sagt Balfanz. Phoenicopterus roseus kann den Wärmeverlust mit aufgeplustertem Gefieder und speziellen Blutgefäßen in den Beinen minimieren. Wasserflächen werden überall eisfrei gehalten.

Hohe Haltungskosten wären im Artenschutz vor Ort besser investiert

Damit keine Verhaltensstörungen durch Langeweile aufkommen, „sind unsere Pfleger sehr erfinderisch“, sagt Balfanz. Fallen Duschen und Schlammbäder wegen der Minusgrade aus, wird das Unterhaltungsprogramm verdichtet. Beschäftigungselemente oder Futter werden z.B. im Schnee versteckt.

„Die artgemäße Ernährung ist im Winter problematisch – wie sonst auch“, kritisiert Würz. Gezüchtetes Obst kann mit Früchten, Samen und Wurzeln aus der Wildnis nie mithalten. Die finanziellen Mittel, die in tiefgefrorene Nahrung und weite Transportwege investiert werden, könnten im Artenschutz vor Ort weit mehr bewirken.

„Futtermittel schlagen im Winter weniger zu Buche“, rechnet Balfanz die Mehrkosten für die Beheizung gegen. Mit der niedrigeren Körpertemperatur und der reduzierten Herzfrequenz sinkt auch der Energiebedarf der Tiere.

Ansteckungsgefahr ist im Winter mit typischen Erregern größer

Biologin Würz sieht die Gesundheit der Zoo-Attraktionen jetzt dennoch besonders gefährdet. Grippe- und Corona-Viren sind „im Winter zusätzlicher Faktor“. Gerade Schimpansen können sich bei Menschen anstecken. 

Veterinärmediziner Balfanz kontert: „Ob Affen oder Großkatzen – spätestens seit der Pandemie 2020 haben Zoos die Vorsichtsmaßnahmen diesbezüglich intensiviert. Wir nehmen das sehr ernst.“

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