Kinderherzzentrum der MedUni Wien: Plan für weltweiten Durchbruch
Zusammenfassung
- Das Kinderherzzentrum Wien von AKH und MedUni Wien will sich mit klinischer Exzellenz, interdisziplinärer Zusammenarbeit und translationaler Forschung international als führender Standort der Kinderherzmedizin etablieren.
- Als einziger Standort Österreichs deckt das Zentrum das gesamte Spektrum der Kinderherzmedizin ab und behandelt angeborene Herzfehler, Herzrhythmusstörungen, Herzmuskelerkrankungen sowie Lungenhochdruck auf Spitzenniveau.
- Künftige Schwerpunkte liegen auf regenerativen Therapien, neuen Ansätzen bei Herzversagen und Transplantation sowie präzisionsmedizinischen Strategien für seltene Herz- und Gefäßerkrankungen.
Junge Herzen müssen manchmal ganz schön viel mitmachen. Säuglinge und Kinder können angeborene Herzfehler wie Löcher in der Herzscheidewand, Fehlbildungen von Herzklappen oder komplexe Fehlentwicklungen des Herzens aufweisen. Diese müssen oft kurz nach der Geburt behandelt werden oder gar pränatal – noch im Bauch der Mutter. Daneben können auch Herzrhythmusstörungen, Herzmuskelerkrankungen oder ein erhöhter Druck in den Lungengefäßen das junge Herz belasten. Im Kinderherzzentrum Wien, einer interdisziplinären Einrichtung der Medizinischen Universität Wien und des AKH Wien, kümmert man sich um die jungen belasteten Herzen – und das auf Spitzenniveau.
Prof. Georg Hansmann
Ein dreijähriges Mädchen bekommt die Diagnose Lungenhochdruck. Medikamente helfen nicht. Eine Lungentransplantation wollten die Eltern nicht für ihr Kind. „Mit Einwilligung der Eltern wählten wir weltweit erstmals einen neuen Ansatz“, sagt Kinderkardiologe Prof. Georg Hansmann, der damals das Forscherteam leitete. Aus einer Nabelschnur wurden mesenmchymale Stammzellen kultiviert und deren Zellprodukte mehrfach in die Lungenarterien bzw. eine Körpervene verabreicht. Nach bereits
drei Monaten zeigte sich bei dem Mädchen eine deutliche Verbesserung. Hansmann: „Das Mädchen ist heute zehn Jahre alt und macht Schulsport.“ Hansmann hat nun vor, die Forschung dazu nach Wien ans Kinderherzzentrum zu bringen.
International sichtbar
Das Kinderherzzentrum Wien bietet (als einziger Standort in Österreich) das gesamte Spektrum der Kinderherzmedizin und bündelt die Expertise von Pädiatrischer Kardiologie, Herzchirurgie, HTG-Anästhesie und Neonatologie sowie Pädiatrischer Intensivmedizin. Es gibt kaum ein anderes Gebiet, das so stark interdisziplinär ausgerichtet ist, wie die Kinderherzmedizin. Gerade die Optimierung dieser Zusammenarbeit führt zu den besten Ergebnissen – sowohl in der Krankenversorgung als auch in der Forschung.
Mit der diesjährigen Übernahme der Professur für Pädiatrische Kardiologie und der Leitung des Kinderherzzentrums Wien verfolgt Prof. Georg Hansmann das Ziel, die klinische Versorgung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit angeborenen Herzfehlern weiter auszubauen und gleichzeitig die internationale Sichtbarkeit des Standorts Wien in Forschung und Innovation zu stärken. Im Mittelpunkt steht die enge Verbindung von Spitzenmedizin und Forschung, die Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung rascher in konkrete diagnostische und therapeutische Anwendungen überführen sollen (translationale Forschung). Ein besonderer Schwerpunkt liegt in den kommenden Jahren auf innovativen regenerativen Therapien, neuen Behandlungsansätzen für Lungenhochdruck und Herzversagen sowie der Entwicklung präzisionsmedizinischer Strategien für seltene Herz- und Gefäßerkrankungen. „Unser Anspruch ist es, dass Wien zu einem international führenden Zentrum für Kinderherzmedizin, Gefäßmedizin und translationale Forschung wird. Forschung soll dort ankommen, wo sie den größten Unterschied macht – direkt bei den Patient*innen“, betont Hansmann.
Priv.-Doz. Peter Murin, der das Programm Chirurgie angeborener Herzfehler und Kinderherzchirurgie seit mehr als zwei Jahren leitet, ergänzt: „Untrennbar mit der klinischen Exzellenz und der Vorreiterrolle in Forschung ist auch die Weiterbildung gestärkt worden. Ein starkes, belastbares Team aufzubauen, welches jederzeit optimale Leistung für unsere kleinen und großen Patient*innen abrufen kann, ist mein persönliches, großes Ziel.“
Im Christian-Doppler-Labor für Mechanische Kreislaufunterstützung erforschen Prof. Marcus Granegger, Projektleiter, Prof. Daniel Zimpfer, Leiter der Universitätsklinik für Herzchirurgie und thorakale Aortenchirurgie, und Priv.-Doz. Peter Murin, Studienarzt, wie implantierbare Herzunterstützungssysteme – spezielle Blutpumpen – künftig auch bei Kindern mit schwerer Herzinsuffizienz sicher und wirksam eingesetzt werden können. Bei Erwachsenen sind solche Systeme bereits etabliert: Viele Patient*innen können damit nach Hause gehen und über Jahre hinweg ein weitgehend normales Leben führen. Für Kinder stehen derzeit jedoch meist nur Pumpensysteme außerhalb des Körpers zur Verfügung.
Sie müssen daher oft über viele Monate, manchmal länger als ein Jahr im Krankenhaus bleiben, bis ein geeignetes Spenderherz für eine Transplantation verfügbar ist. Zimpfer: „Unser Ziel ist, die mechanische Kreislaufunterstützung so weiterzuentwickeln, dass sie nicht nur die Zeit bis zu einer Herztransplantation überbrückt, sondern die Erholung des Herzens aktiv fördert.“
Großes Potenzial
Welche aktuellen Entwicklungen im Kinderherzzentrum die Kinderherzchirurgie künftig revolutionieren können, weiß Murin: „Das Beforschen und die klinische Einführung von regenerativen Methoden, wie etwa die Transplantation von gesunden Zellen oder Zellteilen ins erkrankte Herzgewebe, haben sicherlich ein großes Potenzial, zukünftig die Kinderherzchirurgie zu revolutionieren. Bei derzeitiger Knappheit an Organspendern werden zudem auch neuartige Ansätze in der Transplantationsmedizin sowie der Kunstherztherapie wegweisend sein.“
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