Was macht Musik politisch?
Bad Bunny
In Österreich schaffte es ein FPÖ-Parteisong der John Otti Band kurzzeitig auf Platz 20 der Austria Top 40. Gleichzeitig tobte auf der anderen Seite des Atlantiks rund um den Super Bowl ein Kulturkampf: Mit dem Auftritt des puerto-ricanischen Superstars Bad Bunny wurde Politik beinahe wichtiger als Musik: Dass der Künstler sich weigerte auf Englisch zu singen, verwandelte seinen Auftritt zu einem historischen Moment – und zu einem politischen Streitfall.
Emotionales Auffüllen
„Musik ist ein dezidiert emotionales Medium und genau das macht sie für die Politik so unwiderstehlich“, erklärt Prof. Stefan Schmidl vom Austrian Center for Digital Humanities der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW). Musik vermag es, politische Inhalte emotional aufzufüllen und erlebbar zu machen: „Das Abstrakte der Politik kann über das Konkrete, Emotionale vermittelt werden“, sagt der Musikwissenschaftler. Hymnen, Kampflieder, Parteimärsche: Politische Musik begleitet Nationen seit Jahrhunderten. „Die Idee der Nation ist eine Erfindung des 19. Jahrhunderts – die Vorstellung, Völker seien eigenständige kulturelle Einheiten mit eigenen Bräuchen, einer eigenen Geschichte und vor allem einer eigenen Musik entstand erst in dieser Zeit“, erklärt der ÖAW-Forscher.
Faustregel
Dabei steht die Musik an sich nicht eindeutig für einen bestimmten Freiheitsbegriff oder gar für eine Nation. „Politische Musik ist dann am wirkungsmächtigsten, wenn sie sich nicht festlegt – wenn sie offen genug bleibt, um von jedem gehört und gefühlt werden zu können“, so Schmidl. Hinzu kommt: Eingängige Melodien setzen sich fest, reproduzieren sich im Alltag, ohne dass man es bewusst steuert: „Wenn eine Melodie schön dahin plätschert, singt man sie nach.“ Genau darauf kann Politik nicht verzichten. Für den Erfolg politischer Musik gilt eine klare Faustregel: „Je einfacher Botschaft und Musik, desto größer die Erfolgschancen.“ Dass politische Musik nicht automatisch zündet, zeigt für Stefan Schmidl die österreichische Bundeshymne, die bis heute ungeliebt ist. Sie sei „sehr kopflastig“ komponiert worden, ohne jene emotionale Unmittelbarkeit, die politische Musik braucht. Der Donauwalzer blieb deshalb die eigentliche Identifikationsmelodie.
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