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Neuro-Wissenschaft
02/25/2016

Wie das Gehirn unser Gewicht steuert

Das Essverhalten ist tief in Basalganglien verankert.

Abnehmen beginnt im Kopf ? "Ja eh", sagen Sie vielleicht. Die beiden Neurochirurgin Iris Zachenhofer und Marion Reddy haben aufgehört, Kalorien zu zählen. Statt dessen widmen sie sich unserem Gehirn. Denn aus Sicht der Hirnspezialistinnen steuert unser Denkorgan unser Gewicht. Und wenn es um Essen und Abnehmen geht, müsse man eben auch dort ansetzen. Wie das geht? "Wir müssen unser Gehirn in Sachen Essen neu programmieren."

Im Grunde sei das ganz einfach: "Falsche Verhaltensmuster sind erlernt und können daher auch wieder verlernt werden. Neue Verhaltensmuster müssen geübt werden."

Im Gehirn sind vier verschiedene Systeme aktiv, die uns beim Abnehmen unterstützen können. Sich ihre Funktionen bewusst zu machen, löste bei den Medizinerinnen, die selbst etliche erfolglose Diätversuche hinter sich hatten, ein Aha-Erlebnis aus.

Einen wesentlichen Anteil an unserem Verhalten und daran, was wir essen, haben die Basalganglien. "Sie liegen in der Großhirnrinde und sind vor allem für Gewohnheiten sowie automatisierte Bewegungen wichtig, etwa für das Gehen." Vieles sei sogar derart über diese Kerngruppe gesteuert, dass sie unser Bewusstsein kaum noch beanspruchen. In puncto Essen heißt das: "Was, wann, wo und wie wir essen, haben wir durch häufiges Wiederholen über einen längeren Zeitraum gelernt", erklärt Zachenhofer. Das sofort zu ändern, funktioniere nicht nachhaltig. "Die Basalganglien haben etwas dagegen." Diese neu zu programmieren, verlange vor allem kleine Schritte, um die neuen Verhaltensweisen und Informationen in diesen Nervenzellen abzuspeichern.

Heißhunger

Um Heißhungeranfälle zu vermeiden, haben sich die Medizinerinnen dem Hypothalamus gewidmet. Er löst Alarm aus, wenn der Blutzuckerspiegel sinkt. Austricksen lässt er sich mit Ernährungstricks: statt Weißbrot und Nutella langkettige Kohlenhydrate und viel Eiweiß.

Dazu polte Zachenhofer auch ihr Belohnungssystem um: Statt Schokolade zur Ausschüttung von Dopamin zu naschen, begann sie, sich neben Sport oder Musik hören qualitativ hochwertige Nahrungsmittel zu gönnen – und deren Genuss richtiggehend zu inszenieren, etwa mit einer schönen Tischgestaltung.

Bleibt noch der Appell an das eigene rationale Verhalten, das im präfrontalen Cortex hinter der Stirn verankert ist. Zachenhofer: "Er lässt sich zum Beispiel durch Planung gut aktivieren. Je besser wir ein Vorhaben planen, je stärker wir dabei auf visuelle Aspekte wie schreiben oder zeichnen setzen, umso mehr aktivieren wir ihn." Und: Ein Plan muss möglichst gut zu uns passen, dann dringt er über unsere Ratio bis ins Unterbewusstsein.

Unser Essverhalten ist von vielen automatisierten und erlernten Verhaltensweisen geprägt. Zwei Neurochirurginnen erklären, wie man diese besser versteht und liefern Tipps und Tricks für den Alltag:

Marion Reddy, Iris Zachenhofer, Kopfsache schlank.Verlag edition a, 21,90 €

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