Wissen und Gesundheit
29.05.2017

Wie Borkenkäfer in die Falle gehen

Buchdrucker und Kupferstecher verursachen großen Schaden. Wie sie aufgespürt und bekämpft werden.

Förster haben zur Zeit viel zu tun. Sie montieren duftende Schlitzfallen, in denen sich die angelockten Schädlinge verfangen und das Ausmaß ihres Aufkommens anzeigen. Sie schneiden gesunde Bäume um und kontrollieren regelmäßig, ob frisches, hellbraunes Bohrmehl zu Boden gerieselt ist. Unwegsames Gelände wird mit einer Drohne überflogen, vereinzelt schnüffelt ein Hund nach den Insekten.

Borkenkäfer sind die ärgsten Feinde der Fichte. Der Großteil des Schadholzes entsteht durch Buchdrucker und Kupferstecher. Ihr Schwarmflug und ihre Bohrtätigkeit sollen ehest erkannt, Gegenmaßnahmen eingeleitet werden. "Wir hoffen, dass der Anstieg der vergangenen drei Jahre gebrochen werden kann. Es hängt aber auch viel vom Wetter ab", sagt Norbert Putzgruber, Leiter der Abteilung Waldbau bei den Österreichischen Bundesforsten, ÖBf. Diese geben heuer allein für die Käferprävention 3,2 Millionen Euro aus.

Profiteure

Borkenkäfer sind seit jeher heimisch. Zur Plage sind sie erst mit dem Klimawandel geworden. Milde Winter und warme Witterung in Kombination mit Windwurf und Schneebrüchen machen den Wald zu ihrem Paradies. Ein einziges Weibchen bringt es innerhalb von drei Generationen auf bis zu 16.000 Käferchen, unter günstigen Bedingungen geht sich das in einem Jahr aus. Fressfeinde wie Specht, Punkt- und Ameisenkäfer kommen mit dem Vertilgen des üppigen Nahrungsangebots nicht nach. Der Natur wäre es egal, die Wirtschaft will wachsen.

Schadholz

"In Österreich sind 61 Prozent der Bäume Fichten. Überall, wo der Nadelbaum an den Rand des natürlichen Verbreitungsgebietes gelangt, kann der Käfer großen Schaden anrichten", erklärt Putzgruber. In niedrigen Lagen sind die dicht gepflanzten Fichten, die wie keine andere Baumart in die Höhe schießen, besonders in Gefahr.

Das gilt auch für jene Stämme und Äste, die bereits durch Sturm, Eis-Last oder anhaltende Hitze in Mitleidenschaft gezogen sind. Dort bohrt der 8 mm kleine Schädling bevorzugt Gänge zu den Kammern, in denen das Weibchen je ein Ei ablegt, die Larven bauen das Verkehrsnetz unter der Rinde aus und zerstören dabei die Nahrungsleitungsbahnen des Wirtes.

Harz als Selbstschutz

Bei geringem Befall kann sich der Baum selber schützen, er verklebt das Tunnelsystem mit Harz. Bearbeiten aber Tausende Käfer einen Baum, nimmt die Holzvernichtung ihren Lauf – der Brutherd für die Massenvermehrung ist gelegt. Dann machen Buchdrucker und Kupferstecher auch vor strammen Stämmen nicht halt. Die Überflieger schwärmen bis zu 500 Meter weit aus, manche schaffen sogar mehrere Kilometer.

Maßnahmen-Palette

"Wir haben nicht die eine oder andere Maßnahme, sondern wir setzen auf eine ganze Palette an Maßnahmen", erklärt Putzgruber, zuständig für die Nachhaltigkeit des Naturraumes. Jedes Revier entwickelt seinen individuellen Plan zur Borkenkäferbekämpfung. Am Anfang steht das Aufstellen und Überprüfen der Pheromonfallen: Einmal pro Woche rücken die Förster aus und schauen, wie viele Schädlinge sich im Messbecher gesammelt haben. Auf der Altausseer Schwarzenberg-Alm übernimmt eine Drohne im Testbetrieb die Beobachtung. Die Luftbilder zeigen, wo gestresste Baumgruppen stehen und eingegriffen werden muss. In der technischen Unterstützung liegt viel Potenzial. Der Einsatz von Hunden beim Aufspüren von Borkenkäfern dagegen bleibt Privatvergnügen.

Richtige Lagerung

"Auch Waldhygiene senkt den Schadholzanteil", betont der Experte. Kleine Äste und Holz für die Industrie müssen dafür möglichst rasch aus der Gefahrenzone gebracht werden. Bis zum Abtransport schützen Netze mit Pflanzenschutzmitteln die Holzstapel. Kann das Sägewerk die Ernte nicht zügig verarbeiten, kommen die Stämme ins Nasslager. Dort schützt sie Dauerberieselung vor den ungebetenen Gästen.

"Um das Borkenkäferaufkommen möglichst gering zu halten, wäre ein kühler und verregneter Sommer ideal", schließt Norbert Putzgruber. Zumindest Förster und Fichten würde das freuen.