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Verhaltensstörung
07/09/2013

Wenn Spielen zur Krankheit wird

Pathologische Spieler haben keine Impulskontrolle mehr - die Folge kann ein existenzieller Komplett-Zusammenbruch sein.

von Dietmar Kuss

Kaiserin Maria Theresia führte im Jahr 1751 das Zahlenlotto ein. Glücksspiel und das Setzen auf Geld haben in Österreich also eine lange Tradition. Im Rahmen eines kontrollierten Verhaltens hat Spielen ausschließlich positive Auswirkungen: Es dient dem Vergnügen, fördert in den meisten Fällen den Gemeinschaftssinn und kann sogar kognitive Fähigkeiten bessern. Fällt die Impulskontrolle und Freiwilligkeit weg, spricht man von einer Verhaltenssucht. "Pathologisches Spielen" - oder umgangssprachlich "Spielsucht" - ist im Klassifizierungssystem ICD 10 eine "eigenständige psychische Erkrankung".

Nichts anderes mehr im Kopf

Das erste Anzeichen einer Spielsucht könnte laut "Österreichische Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie" (ÖGPP) eine intensive Beschäftigung mit dem Thema sein. Wenn sich Personen gedanklich sehr viel mit Glücksspiel beschäftigen - also vergangene Spielerlebnisse in Gedanken erneut durchleben. Beim krankhaften Glücksspiel handelt es sich zumeist um chronische Krankheitsverläufe, die sich zuspitzen und zu einem Komplett-Zusammenbruch (Schulden, Beziehungs- und Familienprobleme, Arbeitsplatzverlust, psychosomatische Beschwerden etc.) führen können. Das ist allerdings ziemlich ähnlich jedem anderen Suchtverhalten. Wesentlich ist der Wegfall der Impulskontrolle, der Süchtige spielt nicht mehr des Geldes willen.

Der Übergang vom kontrollierten Spielen zum pathologischen Spielen lässt sich in drei Phasen unterteilen. "In der Gewinnphase ist das Spielen auf die Freizeit beschränkt, und Verluste werden ausgeglichen. Gleichzeitig steigen spielspezifische Kenntnisse und auch die Risikobereitschaft. Der Übergang in die Verlustphase, in welcher die Spielintensität steigt und höhere Einsätze und Gewinne notwendig sind, um Gewöhnungseffekte auszugleichen, ist fließend. Es können sich erste familiäre, berufliche und auch finanzielle Probleme entwickeln", sagt ÖGPP-Präsident Christian Haring.

Zahlen und Studien

Das Gesundheitsministerium geht bei Automatenspiel und Glücksspiel von ca. 40.000 bis 60.000 Glücksspielsüchtigen in Österreich aus. Bei Onlineglücksspielen werden in Österreich ca. 60.000 Betroffene als stark gefährdet bzw. bereits internetabhängig eingeschätzt. Die erste Studie zur Prävention der Glückspielsucht wurde von 2009 bis 2011 durchgeführt. Leider gibt es in Österreich kaum Grundlagenforschung und Fachliteratur zum Thema.

Auf der Seite des Finanzministeriums kann man einen Selbsttest machen, ob man suchtgefährdet ist. Therapieangebote gibt es unter anderem bei der Spielsuchthilfe. Hier geht es zum Selbsttest.

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