Winterfütterung im Qualitätscheck: Was Vögel satt und gesund macht
Eines vorweg: „Vogelfütterung ist nur ein Zusatz im Winter, sie ersetzt die natürlichen Nahrungsquellen nicht“, sagt Evelyn Hofer von Birdlife Österreich. Garten und Grünraum sollten viel mehr mit heimischen Hecken, die Beeren tragen, gestaltet werden, mit Bäumen, die Nüsse oder Obst abwerfen, und Stauden, die Sämereien ausbilden.
Doch gerade bei anhaltender Kälte und geschlossener Schneedecke ist den gefiederten Wildtieren mit Beikost tatsächlich geholfen. „Fast alle Arten mögen Sonnenblumenkerne – geschält oder ungeschält“, sagt die Ornithologin. Und: „Je vielfältiger das Angebot im Futtersilo, desto bunter die Gästeschar.“
Konsumentenschützer prüften zehn Vogelfuttermischungen
Doch wie steht es um die Qualität von handelsüblichem Vogelfutter? Die Arbeiterkammer Oberösterreich und die Umweltberatung nahmen kürzlich zehn Produkte aus Supermärkten, Baumärkten und dem Tierfachhandel unter die Lupe.
Ihr „ernüchterndes“ Ergebnis: Nur zwei Mischungen konnten als „sehr empfehlenswert“ eingestuft werden. Ein Artikel wurde mit „empfehlenswert“ beurteilt. Fünf fielen beim Test gänzlich durch.
„Ölsaaten sind besonders energiereich. Der Großteil der Futtermischungen hat stattdessen aber sehr viel Getreide enthalten, wovon Vögel nichts haben“, sagt Johannes Heiml, Nachhaltigkeitsexperte bei der AK OÖ, und stimmt mit Hofer überein: Finken, Meisen & Co. verschmähen Weizenkörner, der billige Füllstoff verunreinigt dann bald den Futterplatz.
„In vier von zehn Proben haben wir Rückstände von Pflanzenschutzmitteln gefunden“, kritisiert Heiml die gesundheitsgefährdende Belastung für die Leichtgewichte. Die Grenzwerte für Schwermetall dagegen wurden deutlich unterschritten. Pollen der hochallergenen Ambrosia konnten – entsprechend EU-Vorgaben – in keinem Produkt nachgewiesen werden.
„Nur ein einziger Futtermix hat ausschließlich österreichische Rohstoffe enthalten“, schwenkt Heiml zur Herkunft der Zutaten. Vor allem Erdnüsse müssen importiert werden; heimische Walnüsse wären die teure Alternative. Hofer rät wegen des ökologischen Fußabdrucks ebenfalls, Regionales zu bevorzugen.
Hochwertiges Futter kostet nicht unbedingt mehr
Selten klärt allerdings das Kleingedruckte auf der Verpackung ausreichend auf. Genauso wenig bietet der Preis eine verlässliche Orientierung für Qualität. Das teuerste Test-Produkt um 5,49 Euro pro Kilo schaffte es aufgrund von Inhaltsstoffen aus der EU bzw. Drittstaaten sowie Pestizidrückständen nur auf Platz drei.
„Mit Erdtmanns Waldvogelfutter bei Lidl und Tierell Freilandfutter bei Spar kann man Wildvögeln etwas Gutes tun“, nennt Heiml die beiden Testsieger beim Namen.
Konsumenten sollten auf einen hohen Anteil an Ölsamen und Bio-Qualität achten
Grundsätzlich solle bei der Wahl auf einen hohen Anteil an Ölsamen geachtet werden, zusätzlich kann Bio ein Kriterium sein. Hofer ergänzt: „Wer verschimmelte Produkte im Handel entdeckt, sollte das gleich melden.“
Konsumentenschützer und Vogelschützerin sind jedenfalls einig: Wer Überflieger im Winter sinnvoll unterstützen will, sollte beim Kauf genau hinschauen – und im Zweifel lieber weniger, dafür hochwertig füttern.
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