Warum Vögel im Winter kuscheln und was ihnen sonst hilft

Ein Buchfink sitzt im Schnee.
Wenn die Nächte kalt sind, verlieren Vögel viel Energie. Wie die Tiere überleben und welche Fütterung ihnen hilft.

Die Nächte sind kalt, in manchen Regionen sogar eisig. Wenn die Vögel diese Kälte überstanden haben, plagt sie vor allem eines: Hunger. Denn um sich warm zu halten, müssen sie enorme Energiereserven aufwenden. „Sie verlieren im Durchschnitt bis zu zehn Prozent ihres Körpergewichts“, sagt Evelyn Hofer, Ornithologin bei der Vogelschutzorganisation „BirdLife“. Manchmal sind es sogar bis zu 20 Prozent, und das in nur einer Nacht. Schon in der Dämmerung fliegen sie daher auf Futtersuche. An den kurzen Wintertagen bleibt ihnen wenig Zeit, um genug zu fressen.

Ein Rotkehlchen sitzt auf einem frostbedeckten Ast.

Nicht alle Rotkehlchen überwintern in Mitteleuropa. Viele zieht es ans Mittelmeer.

Aber frieren Spatzen, Amseln, Meisen und Co? „Welche Gefühle sie empfinden, weiß man nicht“, sagt Hofer. Doch sie reagieren auf Kälte, und das ist manchmal gut zu sehen. 

Daunenjacken-Effekt

Die Tiere plustern sich auf, um ihre Körpertemperatur von 38 bis 42 Grad halten zu können. „Durch die Daunenfedern entsteht ein Luftpolster“, erklärt die Ornithologin. Die Vögel schauen dick aus, kugelrund. 

Die Kugelform mit eingezogenem Schwanz und Köpfchen hat noch einen Vorteil: Sie ergibt im Verhältnis zum Körpervolumen die geringste Oberfläche, über die Wärme verloren geht. 

Kuschelgemeinschaften

Manche, wie der Zaunkönig, finden sich in der Nacht zu Kuschelgruppen zusammen, um sich gegenseitig zu wärmen.

Ein Zaunkönig sitzt auf einem Baumstumpf.

Der Zaunkönig liebt bröseliges Futter. 

Andere, wie die Kohlmeisen, schlafen in Baumhöhlen und in der Stadt, weniger romantisch, in Regenauslässen. Im Winter nutzen sie aber auch Nistkästen, um zu büseln. 

Die kalte Jahreszeit lässt die Meisen auch untertags ihr Verhalten ändern. Sie lösen ihre Reviere aus dem Sommer auf und fliegen gemeinsam auf Futtersuche. „Mehr Augen sehen mehr“, sagt Hofer – ob beim Aufspüren von Futter oder beim Ausmachen von Feinden. 

Fressen am Buffet

Wenn es ums Fressen geht, gibt es laut Hofer eine Faustregel: „Je vielfältiger das Futterbuffet ist, desto größer die Artenvielfalt.“ Denn unterschiedliche Arten haben unterschiedliche Bedürfnisse. Spatzen mögen etwa Hirsesamen, Rotkehlchen Rosinen. 

Eine Blaumeise pickt an einem hängenden Futterspender befüllt mit Körnern.

Die Blaumeise frisst verschiedene Sorten Samen, Meisenkugeln mag sie. 

Aber hilft es dem Artenschutz, wenn Menschen die Vögel füttern? Das sei eine umstrittene Frage unter Experten, sagt die Ornithologin. Aber: „Es gibt Vogelarten, die davon profitieren, wie der Spatz.“ Vor allem in städtischen Siedlungen, die sehr aufgeräumt sind und somit wenig naturnahe Flächen haben. Denn dann fehlen den Tieren Samen, Beeren und Früchte. 

„Vogelfütterung ist nur eine zusätzliche Maßnahme“, sagt Hofer. Optimal sind vogelfreundliche Gärten mit wilden Ecken. Denn von den 216 heimischen Brutvögeln profitieren nur etwa 40 von Futterstellen.

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