Hohe Listerien-Belastung in öffentlichen WCs

Hohe Listerien-Belastung in öffentlichen WCs
In zwei Prozent der Toiletten, vor allem bei Parks und Märkten, fanden Wissenschafter einen für Menschen potenziell gefährlichen Keim.

Zwei Prozent der öffentlichen Toiletten in Wien waren in einer Untersuchung der Veterinärmedizinischen Universität Wien mit dem Lebensmittelkeim "Listeria monocytogenes" verunreinigt. "So viel hatte ich nicht erwartet", sagte die Forscherin Dagmar Schoder zur APA. Toiletten in Parks und bei Märkten waren häufiger belastet, berichten die Forscher im Fachjournal "Journal Zoonoses and Public Health".

Listerien sind allgegenwärtige Bakterien, sehr angepasst, widerstandsfähig und üblicherweise unproblematisch. Die Art "Listeria monocytogenes" kann aber für Menschen gefährlich werden, wenn sie mit kontaminierten Lebensmitteln aufgenommen wird. Eine Listeriose äußert sich meist mit Durchfall und Bauchschmerzen. Bei immunschwachen oder älteren Menschen kann eine Infektion tödlich verlaufen.

224 Toiletten analysiert

Aus ihren früheren Studien wussten die Wissenschafter, dass ländliche Gebiete stärker mit Listerien belastet sind. In landwirtschaftlichen Betrieben würden die Keime ideale Bedingungen vorfinden. In ihrer aktuellen Studie haben sie nun erstmals die Keimbelastung des Bodens in 224 Klosetts in Wien analysiert, das sind etwa 91 Prozent aller öffentlichen WC-Anlagen Wiens. Zudem wurden die Schuhsohlen von Passanten untersucht.

Während sich das Bakterium "Listeria monocytogenes" in zwei Prozent aller WCs fand, war die Rate in Toiletten in Parkanlagen sowie bei mobilen Containertoiletten mit jeweils über zehn Prozent vergleichsweise hoch. Speziell in der Nähe von Lebensmittelmärkten und Christbaummärkten waren die Listerien besonders häufig zu finden.

Die Leiterin der Forschungsgruppe "Globale Lebensmittelsicherheit" an der Vetmeduni, Dagmar Schoder, erklärt dies mit den Lieferanten aus landwirtschaftlichen Betrieben: "Da Listerien auf dem Land tendenziell bessere Überlebenschancen haben, kommen sie dort auch vermehrt vor und gelangen mit den Menschen über die Schuhe in die Stadt."

Schuhe von Christbaumverkäufern

So fanden die Wissenschafter auf den Schuhen von Christbaumverkäufern extrem hohe Belastungen, in 40 Prozent dieser Proben wurde "Listeria monocytogenes" nachgewiesen. Bei den überprüften Schuhen zeigte sich: Je tiefer das Profil, desto häufiger werden Listerien nachgewiesen. Auf flachen Schuhsohlen habe es dagegen seltener Keime gegeben.

Die Ergebnisse sollten nach Ansicht der Wissenschafter speziell in lebensmittelproduzierenden Betrieben Beachtung finden. "Dass innerhalb der Betriebe auf höchste Hygiene geachtet wird, ist mittlerweile Standard", so Schoder, "bei Personen, die Waren liefern, sollte aber zusätzlich auf besondere Hygiene geachtet werden." Gerade Lieferanten sowie Handwerker würden häufig Arbeitsschuhe mit tiefem Profil tragen, deren regelmäßige Reinigung und Desinfektion hier besonders wichtig sei. Für Privathaushalte empfiehlt Schoder, Wohn- und Essbereiche nicht mit Straßenschuhen zu betreten.

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