Wissen und Gesundheit
20.12.2017

Was Gehirnjogging tatsächlich bringt

Deutsche Studie zeigt: Das gezielte Trainieren von Gedächtnisaufgaben wirkt sich positiv auf das Erledigen neuer Aufgaben aus.

Mit der Angst vor dem Vergessen lässt sich auch ein Geschäft machen: Eine Reihe kommerzieller Firmen biete Programme für das Gehirntraining - " Gehirnjogging" - an. Das sind computergesteuerte Trainingsprogramme, die zu Hause oder unterwegs verwendet werden können.

Ansatzpunkt dieser Programme ist das Arbeitsgedächtnis - also jener Teil des menschlichen Gedächtnisses, in dem alle eintreffenden Informationen kurzfristig gespeichert und mit dem Langzeitgedächtnis verknüpft werden. Viele Studien haben aber gezeigt, dass die Aufnahmefähigkeit des Arbeitsgedächtnisses begrenzt ist. Gehirnjogging- Angebote versprechen durch die Wiederholung bestimmter Gedächtnisaufgaben nicht nur eine Verbesserung des Arbeitsgedächtnisses, sondern auch der Aufmerksamkeit und des Lernvermögens. Bisher war wenig bekannt, was solche Programme tatsächlich bewirken können.

Wenige Studien bisher

"Bisher gab es nur wenige Versuche, die Effektivität dieser Trainings unter Alltagsbedingungen systematisch zu überprüfen", sagt Tilo Strobach, Professor für Allgemeine Psychologie an der Medical School Hamburg. Gemeinsam mit Lynn Huestegge von der Ludwig-Maximilians-Universität Würzburg hat Strobach untersucht, inwieweit das Üben von Gehirnjogging-Aufgaben die Leistungen in Gedächtnistests verbessert.

Für ihre Studie ließen die Forscher ihre Versuchspersonen Aufgaben eines kommerziellen Gehirnjogging-Programms durchführen. Eine Trainingsgruppe (76 Personen) erhielt in insgesamt 21 Sitzungen Trainingsaufgaben speziell für das Arbeitsgedächtnis. De Kontrollgruppe (ebenfalls 46 Personen) bearbeitete im gleichen Zeitraum Aufgaben für das Wortwissen und das Langzeitgedächtnis - Aufgaben, von deren Bearbeitung das Arbeitsgedächtnis also nicht profitieren sollte.

Stärker Leistungszuwachs in der Trainingsgruppe

Vor und nach diesen Trainings mussten beide Gruppen die gleichen Leistungstests absolviere - etwa Tests zur mentalen Flexibilität, die zeigen, wie schnell man zwischen zwei verschiedenen Aufgbaben wechseln kann.

Fazit: Die Trainingsgruppe hatte ihre Leistung im Gegensatz zur Kontrollgruppe verbessert. Außerdem berichtete die Trainingsgruppe über weniger kognitive Missgeschicke, wie zum Beispiel Textstellen erneut lesen zu müssen, weil man beim ersten Durchlesen nicht über das Gelesene nachgedacht hat. Das gezielte Trainieren von Gedächtnisaufgaben wirkte sich vor allem dann - aber nicht nur - auf die Bearbeitung neuer Aufgaben positiv aus, wenn diese den trainierten Aufgaben ähnlich waren.

Es war das Training

Aufgrund der durch zufällige Auswahl erfolgten Zusammenstellung der Trainings- und der Kontrollgruppe sei die Schlussfolgerung zulässig, dass die Leistungsunterschiede zwischen den Gruppen tatsächlich auf das Training zurückzuführen sind, so die Studienautoren.

Am meisten profitierten übrigens jene Personen von dem Training, die bereits davor ein relativ hohes Leistungsniveau hatten.

Die Studie wurde im Fachmagazin Journal of Cognitive Enhancement veröffentlicht.