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Wissen

Tiercoach: Artfremd und trotzdem befreundet

Ungleiche Paare. Beziehungen zwischen Haustieren sind oft mehr als eine Zweckgemeinschaft

von Hedwig Derka

08/26/2019, 03:00 AM

Die digitale Welt ist voll von Hunden, die Katzen umarmen, von Katzen, die mit Vögeln kuscheln, von Kaninchen, die sich an Meerschweinchen schmiegen, von Hamstern, die mit Hunde knuddeln: Freundschaften zwischen artfremden Tieren rĂŒhren besonders ans Herz.

„Im geschĂŒtzten Bereich gibt es nichts, was es nicht gibt. In Gefangenschaft gehen mitunter Fressfeinde Freundschaften ein. Selbst in der Natur kommen ungewöhnliche Paare vor“, sagt Zoodoc Katharina Reitl. Der KURIER-Tiercoach erklĂ€rt, warum diese Beziehungen möglich sind und wo sie auf Grenzen stoßen.

Haustiere, die sozial aufwachsen, sind empathisch. Sie schĂ€tzen die NĂ€he zu andern Lebewesen und zeigen GefĂŒhle. Vor allem gegenĂŒber hilflosen Jungen. Die Wissenschaft nennt das „instinktive Anteilnahme“. „Je jĂŒnger die Tiere sind, desto besser ist die Aussicht auf erfolgreiche Vergesellschaftung“, sagt denn auch Reitl. Der BeschĂŒtzerinstinkt ist schnell geweckt. DarĂŒber hinaus hilft die Beobachtungsgabe: „So wie Tiere lernen, die Menschensprache zu verstehen, lernen sie auch, die Sprache des anderen Tieres zu deuten“, sagt die VeterinĂ€rmedizinerin aus der Ordination Tiergarten Schönbrunn. Vor allem Vögel und Hunde sind empathisch.

Körperkontakt

TatsĂ€chlich können Körperkontakt, das gemeinsame Spiel, das Geben und Nehmen mehr als eine Zweckgemeinschaft sein; mehr als ein Dulden ohne innige Verbundenheit. „Es gibt Vierbeiner, die lange nach dem Freund suchen, wenn das Tier stirbt“, weiß Katharina Reitl aus der Praxis.

Trotzdem bremst der Zoodoc allzu hohe Erwartungen. Manche Freundschaften wĂ€hren nur kurz. Ob Reptilien ĂŒberhaupt zu „wahrer Liebe“ fĂ€hig sind, bleibt fraglich. Auch EinzelgĂ€nger von Natur tun sich meist schwer mit engen Bindungen. Nicht zuletzt können MissverstĂ€ndnisse in der Zweisamkeit bedrohlich werden. „Ein Kakadu kann eine Katze schon schwer verletzen und umgekehrt“, gibt die Expertin zu bedenken: „Ein Restrisiko bleibt immer.“

Bevor Halter also verschiedenartige SchĂŒtzlinge zusammen bringen, mĂŒssen sie die Gefahren einschĂ€tzen: Herrscht ein Ungleichgewicht an Waffen, ist Vorsicht geboten. Auch GrĂ¶ĂŸe und Gewicht sind zu berĂŒcksichtigen. Zudem zĂ€hlt der Charakter jedes Einzelnen. FĂŒr rĂŒhrende Tier-Szenen im Internet braucht es keine Manipulation. Der Tiercoach schrĂ€nkt aber ein: „So hĂ€ufig sind sie in Wirklichkeit nicht, das ist eine Verzerrung der Wahrheit.“

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