Gebrannte Kinder: Unter dem Hashtag #Sunburnart veröffentlichen User auf Twitter oder Instagram Fotos von ihren eingebrannten „Tattoos“

© /Twitter

Sonnenbrand-Tattoos
07/19/2015

Der dümmste Trend unter der Sonne

Helle Muster auf gebräunter Haut sind hip – die Risiken werden unterschätzt. Jetzt warnen Dermatologen.

von Julia Pfligl

Vielleicht sind auch Sie schon einmal mit einem Tattoo vom Strand zurückgekehrt. In der Regel sind die Reise-Souvenirs auf der Haut harmlose Henna-Tattoos, die so schnell wieder verblassen wie die Erinnerungen an die letzte Urlaubsbekanntschaft.

Das gute alte Henna-Tattoo könnte jetzt von einem neuen Körper-Trend abgelöst werden – und der ist alles andere als harmlos. Vor einigen Wochen tauchten in den sozialen Netzwerken die ersten Fotos mit der Bezeichnung "Sunburn Art" auf: helle Muster – Blumen, Sonnen oder Batman – auf gebräunter bzw. verbrannter Haut. Sie entstehen durch eine Schablone oder ausgeschnittene Kleidung, die Sonnenanbeter während des (ungeschützten) Brutzelns auf verschiedene Körperstellen legen.

Den "tätowierten" Usern dürfte die Hitze zu Kopf gestiegen sein – ihre Bilder veranlassten jetzt sogar die amerikanische Gesellschaft für Hautkrebs dazu, ein warnendes Statement abzugeben: "Wir raten dringend, Sonnenbrände unter allen Umständen zu verhindern", heißt es darin. "Ein Sonnenbrand ist nicht nur schmerzhaft – er ist gefährlich und hat Konsequenzen."

Haut vergisst nicht

Obwohl Sonnenbrände laut einer aktuellen Umfrage seltener geworden sind – jeder zweite Österreicher cremt sich vor dem Sonnenbaden ein, jeder dritte zumindest teilweise –, wird die Gefahr der UV-Strahlen immer noch unterschätzt. Selbst längst verjährte Jugendsünden vergisst die Haut nicht: Wer in früheren Jahren fünf Mal oder öfter einen Sonnenbrand hatte, erhöht sein Melanom-Risiko um 80 Prozent. Die Zahl jener Personen, die am sogenannten schwarzen Hautkrebs erkranken, steigt jährlich um zehn Prozent.

Der Wiener Hautarzt Kaan Harmankaya (www.mein-dermatologe.at) beobachtet den Hype mit Entsetzen. "Aus ärztlicher Sicht kann ich nur davon abraten." Da die Muster durch extreme Sonnenbrände entstehen – wie der Name "Sunburn Art" verrät –, würden sich aus dermatologischer Sicht zwei wesentliche Probleme ergeben: "Zum einen unterliegen die nicht abgedeckten bzw. eingecremten Stellen einem deutlich höheren Risiko, Hautkrebs zu entwickeln. Zum anderen führen wiederholte Sonnenbrände zu beschleunigter Hautalterung und somit zu unschöner Faltenbildung", warnt Harmankaya. "Als Dermatologe kann ich nur hoffen, dass dieser Trend so rasch verschwindet, wie er aufgetaucht ist."

Er kann wohl bald aufatmen: Erfahrungsgemäß sind Social-Media-Hypes von kurzer Dauer – der Trend zur gesunden, (weitgehend) faltenfreien Haut hat hingegen noch jeden Sommer überdauert.

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