Wissen und Gesundheit
22.11.2017

Bei diesen Sportarten sind Linkshänder erfolgreicher

Evident: Linkshänder und Linksfüßer sind in Sportarten mit hohem Zeitdruck an der Weltspitze.

Dass Linkshänder und Linksfüßer im Sport ihre Gegner ganz schön ins Schwitzen bringen können, das ist soweit bekannt. Topsportler wie der argentinische Fußballzauberer Lionel Messi, der spanische Tenniskrösus Rafael Nadal oder der deutsche Tischtennisprofi Timo Boll sind beste Beispiel dafür. Der Vorteil scheint aber besonders hoch in Ballsportarten mit hohem Zeitdruck zu sein, wie Studien des Sportwissenschaftlers Florian Loffing von der Oldenburger Carl von Ossietzky Universität nahelegen. Er untersuchte sechs Ballsportarten, von denen drei - Tischtennis, Cricket und Baseball - einen deutlich höheren Anteil von Linkshändern in der Weltspitze aufwiesen. Der Wissenschaftler, der übrigens mit links schreibt und mit rechts Tennis spielt, befasst sich seit über zehn Jahren mit dem Thema. Seine jüngste Publikation wurde in der Fachzeitschrift „Biology Letters“ bei der Royal Society veröffentlicht.

Der deutsche Sportwissenschafter geht mit Berufung auf seine ausführlichen Videoanalysen davon aus, dass beispielsweise beim Tennis Rechtshänder auf eine Auseinandersetzung mit einem linkshändigen Gegner schlechter vorbereitet sind. Durch die allgemeine Unterrepräsentanz von Linkshändern haben sie mit deren Bewegungsabläufen weniger Erfahrung und können daher deren Schuss- oder Schlagrichtung schlechter einschätzen.

Nadals Antizipationsfähigkeit

Die als „Antizipationsfähigkeit“ bezeichnete Wahrnehmungsfähigkeit der meisten Menschen ist auf ein rechtshändiges Gegenüber ausgerichtet. Das führt unter anderem dazu, dass im Tennis eher nach rechts gespielt wird, was einen Rechtshänder dazu zwingt, mit der Rückhand zu reagieren, einem Linkshänder dagegen die häufigere Nutzung der einfacheren Vorhand ermöglicht. Übrigens schätzen Linkshänder die Bewegungen anderer Linkshänder ebenfalls schlechter ein, was aber bei einem Aufeinandertreffen keine Rolle spielt, da beide mit dem gleichen Problem zu kämpfen haben.

Darüber hinaus wird ein Linkshänder aufgrund der schwierigeren Vorhersagbarkeit seiner Bewegungen schnell als Angstgegner wahrgenommen, für seinen Konkurrenten ein psychologischer Nachteil. Dafür spricht auch, dass vor allem in Zweikampf-Sportarten wie Tennis, Boxen, Fechten linkshändige Sportler große Erfolge verzeichnen können, während sich zum Beispiel unter Schwimmern, Billardspielern oder Golfern kein besonders hoher Linkshänderanteil feststellen lässt.

Messis Überraschungsmoment

Bei Mannschaftssportarten wie Handball oder Fußball ist der Vorteil eines Links- oder Rechtshänders in Bezug auf die Feldspieler eher taktischer Natur, je nachdem, auf welcher Position er eingesetzt wird. Für Torhüter gilt jedoch hier genauso: Der Wurf eines Linkshänders ist schwieriger einzuschätzen als der eines Rechtshänders.

Trotzdem gibt es auch die Hypothese, dass Linkshänder von vornherein günstigere neurophysiologische Voraussetzungen besäßen, wie etwa eine Spezialisierung der rechten Hirnhälfte, durch die sie im Sport einen Vorteil gegenüber ihren rechtshändigen Kontrahenten hätten. Denkbar ist außerdem ein Zusammenwirken beider Faktoren. Die Wissenschaftler Charlotte Faurie und Michel Raymond von der Universität Montpellier in Frankreich gehen sogar davon aus, dass Linkshänder mit ihrer Sportlichkeit der Evolution ein Schnippchen geschlagen haben: Sie hätten in der Naturgeschichte durch das Überraschungsmoment eines Angriffs von links bessere Aussichten, aus dem Kampf auf Leben und Tod als Sieger hervorzugehen.