Wissen und Gesundheit
12.04.2016

Ältere Mütter bekommen schlauere und fittere Kinder

Spätgeborene Babys haben mehr Vorteile als Nachteile.

Jetzt tickt die biologische Uhr nicht mehr so laut: Forscher fanden heraus, dass Kinder älterer Mütter größer sind, bessere Schulleistungen erzielen und mit einer höheren Wahrscheinlichkeit eine Universität besuchen als die Kinder jüngerer Mütter.

Zu diesen Ergebnissen kamen jetzt die Forscher zweier renommierter Institute: Mikko Myrskylä, Direktor des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung (MPIDR) in Rostock, und Kieron Barclay von der London School of Economics veröffentlichten ihre Analyse der Daten von mehr als 1,5 Millionen Frauen und Männern aus Schweden, die zwischen 1960 und 1991 geboren wurden.

Untersucht wurden die Größe dieser Menschen, ihre körperliche Fitness, ihre Schulabschlüsse und ihr Bildungsstand. Die Faktoren Größe und körperliche Fitness sind sind gute Indikatoren für den allgemeinen Gesundheitszustand und der Bildungsgrad entscheidet über den beruflichen Erfolg.

Neue Sichtweise auf ältere Mütter

„Die Vorteile, die sich aus einem späteren Geburtsjahr ergeben, überwiegen die individuellen Risikofaktoren eines höheren Alters der Mutter bei der Geburt“, fasst Myrskylä die Ergebnisse zusammen. Man müsse eine andere Sichtweise auf das fortgeschrittene Alter von Müttern entwickeln, so der Forscher. Die Vorteile zeigten sich selbst dann, wenn die Mütter bei der Geburt des Kindes bereits 40 Jahre alt oder noch älter waren. Je älter die Mutter bei der Geburt war, desto länger besuchten deren Kinder eine Ausbildung, zeigte sich dabei. Teenager-Mütter hatten die Kinder mit der kürzesten Bildungszeit, Mütter über 45 Jahren die längste Bildungskarriere.

Ein wichtiger Grund sei, dass sich das Gesundheitswesen und die sozialen Verhältnisse über die Jahre verbessert haben. Bisherige Studien, die den Einfluss des mütterlichen Alters auf die Gesundheit ihrer Kinder untersucht hatten, ließen derartige Entwicklungen außer Acht, obwohl sie für die einzelne Mutter und ihren Nachwuchs von großer Bedeutung sind. Denn aus der Perspektive einer Mutter bedeutet eine späte Schwangerschaft auch ein späteres Geburtsjahr ihres Kindes. Ein Baby, das zehn oder zwanzig Jahre später geboren wird, kommt in eine Welt, die ihm andere Möglichkeiten bietet.

Geschwister-Vergleich

In ihrer Analyse verglichen Kieron Barclay und Mikko Myrskylä die Daten von Geschwistern mit den gleichen biologischen Eltern. Das Erbgut solcher Geschwisterkinder ist zu 50 Prozent gleich und außerdem wachsen sie in derselben familiären Umgebung auf. „Indem wir Geschwister miteinander verglichen, die in der gleichen Familie groß wurden, war es uns möglich, die Bedeutung des mütterlichen Alters bei der Geburt eines Kindes herauszustellen – unabhängig von anderen Faktoren, die die Ergebnisse verfälschen könnten“, sagt Kieron Barclay. Verglichen die Wissenschaftler beispielsweise Geschwister mit einem großen Altersabstand, so stellte sich heraus, dass Kinder, deren Mutter bei der Geburt Anfang 40 gewesen war, im Schnitt etwa ein Jahr länger eine Schule oder Universität besuchten als Geschwister, bei deren Geburt die Mutter erst Anfang 20 gewesen war.

Die jüngeren Geschwister sind auch größer, gehen häufiger auf die Universität und erzielen bessere Ergebnisse in Tests als die Geschwister, die Mutter in ihren jüngeren Jahren auf die Welt gebracht hatten.

Das durchschnittliche Alter bei der ersten Geburt wird immer später: 60 Prozent der Mütter sind über 30 Jahre, fünf Prozent über 40 Jahre. Bisher wurde nur von den negativen Folgen gewarnt.