So können Sie sich gesund lachen

Lachyoga-Seminar: Künstliches Lachen für mehr Lebensqualität © Bild: KURIER/Gilbert Novy

Sonntag ist Welttag des Glücks. Wie künstliches Lachen positive Emotionen erzeugt.

Die Leute lachen und klatschen bereits seit einer halben Stunde, fast pausenlos. Ohne Grund. Und laut. Sie hüpfen durch das Zimmer, brüllen sich gegenseitig an. Schallendes Gelächter füllt den kleinen Raum. Eine surreale Szene, die im ersten Moment an der psychischen Gesundheit der Anwesenden zweifeln lässt. Nina Fuchs, mittendrin, versichert: "Nein, sie haben keine Drogen genommen." Das sei Normalität – beim Lachyoga.

Lach-Yoga Seminar
Lach-Yoga Seminar, Wien am 10.02.2016 © Bild: KURIER/Gilbert Novy
Seit zwei Jahren leitet die 44-jährige Apothekerin hier, im ersten Stock der Cottage Apotheke im 18. Wiener Gemeindebezirk, einen wöchentlichen "Lachtreff". Für zehn Euro können Interessierte Stress abbauen und sich glücklich lachen. Zur "Lachexpertin" hat sich Fuchs in Indien ausbilden lassen: Bei einem fünftägigen Kurs von Madan Kataria, dem Erfinder des Lachyoga.

Die Idee

Der Journalist Norman Cousins entwickelte Ende der 1970er-Jahre die dem Lachyoga zugrunde liegende Technik. Er skizzierte die positiven Auswirkungen von Lachen und entwickelte eine "Lachtherapie". Der Inder Madan Kataria verknüpfte die Erkenntnisse von Cousins mit denen des klassischen Yoga: das "Lachyoga" war geboren. 1995 eröffnete Kataria den ersten Lachclub in Indien, heue gibt es Tausende. Das von Kataria formulierte Credo: "Wir lachen nicht, weil wir glücklich sind – wir sind glücklich, weil wir lachen!"

Lach-Yoga Seminar
Lach-Yoga Seminar, Wien am 10.02.2016 © Bild: KURIER/Gilbert Novy
Zurück nach Wien: Die zehn Teilnehmer stehen sich nun in einem kleinen Raum gegenüber und sehen einander an. Ein kleines Mädchen ist dabei, ihr Vater sowie drei jüngere und fünf ältere Frauen. Die Einheit beginnt mit einer Aufwärmübung: Alle hüpfen durch den Raum, klatschen sich selbst und gegenseitig in die Hände und lachen dabei lautstark.

Dann nehmen die Teilnehmer ein eher ungewöhnliches Getränk zu sich: den Lachshake. Für dieses imaginäre Getränk krümmen sie ihre Finger so, als würden sie ein Glas in der Hand halten und schütten den Inhalt – also Luft – mit einer Trinkbewegung in den Mund. Nach einer kurzen Pause folgt das Herausplatzen eines kurzen Lachstoßes.

Lach dich glücklich

Kursleiterin Nina Fuchs
Lach-Yoga Seminar, Wien am 10.02.2016 © Bild: KURIER/Gilbert Novy
"Das Lachen ohne Grund hat dieselben positiven Auswirkungen wie echtes Lachen: Es macht glücklich, gelassen und reduziert Stress", erklärt Nina Fuchs. Das unechte Lachen zu Beginn steigere sich im Verlauf der Sitzung zu einem echten, behauptet sie. Dadurch würden Glückshormone ausgeschüttet, die zu einem höheren Wohlbefinden führen (und das nicht nur morgen, Sonntag, am Internationalen Tag des Glücks). Eine Selbsttäuschung, weil das Gehirn nicht zwischen echtem und falschem Lachen unterscheiden kann.

"Das Lachyoga hat sich extrem positiv auf meine Lebensqualität ausgewirkt", sagt etwa Eva. Für sie ist es zum "nicht-operativen Facelift" geworden. Auch der einzige Mann in der Runde, Claus, schätzt die Sitzungen: "Beim ersten Mal war es etwas befremdlich, mittlerweile helfen mir regelmäßige Einheiten jedoch leichter durch den Alltag."

Gehirnübungen

Nach der Trinkpause folgen Spielchen, die in lautem Gebrüll enden, etwa das Posen wie ein Bodybuilder oder das gegenseitige Verstreichen einer unsichtbaren "Lachcreme". Was danach kommt, nennt Nina Fuchs "Gehirnübungen". Heißt: An etwas Schlechtes oder Unangenehmes denken und dabei in brüllendes Gelächter ausbrechen. Nina sagt dann Dinge wie "Wir kriegen einen Strafzettel. Was machen wir dann?", woraufhin die Gruppe in ein unglaublich lautes Geschrei und Gelächter ausbricht. Der Sinn: Das "Weglachen" der negativen Seiten des Alltages.

Lach-Yoga Seminar
Lach-Yoga Seminar, Wien am 10.02.2016 © Bild: KURIER/Gilbert Novy
Danach wird es Zeit für "Reinigungsübungen". Diese seien notwendig, um die Lunge vollständig zu reinigen, da beim alltäglichen Atmen nur ein Viertel der Luft aus der Lunge ausgelassen wird. Dafür sitzen die Teilnehmer auf Yogamatten im Kreis. Die Aufgabe: Den Lachimpuls mit einem leichten Kichern beginnen, ihn immer mehr zu steigern und sich am Ende kaputtlachen. Für mehrere Minuten füllt sich der Raum mit starken Lachgeräuschen, die Stimmung ist am Höhepunkt. Kurz darauf legt sich das Dauergelächter – Zeit für die Ruhephase. Die Gruppe liegt still am Rücken und entspannt. Nach ein paar Minuten ist die Einheit beendet – die Leute verlassen mit einem Lächeln das Haus.
( kurier.at ) Erstellt am 20.03.2016