© Dyson/Youtube

Studie
04/18/2016

Sind moderne Händetrockner unhygienisch?

In vielen WCs sind Hochdruck-Trockner längst Standard. Aber wie "sauber" machen sie wirklich?

Erst der Gang zur Toilette, dann Händewaschen. Klare Sache. Und danach? Papier oder Hochdruck-Händetrockner - das ist hier die Hygiene-Frage. Einer neuen Studie zufolge sind hochmoderne Händetrockner, die mit Druckluftstrahlen trocknen, Bakterienschleudern, die 60 Mal so viele Erreger verbreiten als herkömmliche Händetrockner und 1300 Mal so viele wie Papiertücher. Herausgefunden haben das Forscher von der University of Westminster, die für ihre Studie mit (harmlosen) Viren kontaminierte Hände untersuchten. Für den Test wurden die Hände mit einem Standard-Trockner, einem Dyson Airblade und Papier-Handtücher getrocknet. Dabei zeigte sich, dass das Supergebläse der Airblades die Viren im Raum herumwirbelten – bis zu 3 Meter weit. Herkömmliche Gebläse verwirbelten die Erreger hingegen nur 75 cm weit, bei Handtüchern aus Papier waren es nur 25 cm.

Die Dyson-Stellungnahme

Bereits im Jahr 2014 gab es eine ähnliche Studie, die nachwies, dass die modernen Händetrocknern schädliche Bakterien in der Luft verwirbeln können. Die Forscher der Universität Leeds kamen zu dem Schluss, dass Papierhandtücher am hygienischsten seien. Heikler Punkt: Finanziert wurde die Studie seinerzeit von Papierhandtuchherstellern.

Die Firma Dyson wehrte sich mit folgendem Statement: "Die Hersteller von Papierhandtüchern und Baumwollhandtuchrollen beauftragen und fördern Studien, die Dyson als zweifelhaft bewertet. Sie versuchen dadurch, Dyson Airblade Händetrockner unhygienisch erscheinen zu lassen". Dazu veröffentlichte die Firma ein Youtube-Video über hygienisches Händetrocknen, das Video sehen Sie hier:

Wie man sich richtig vor Keimen schützt

Hygiene ist im Grunde ganz einfach: durch regelmäßiges Händewaschen kann die Übertragung gesundheitsschädlicher Keime verhindert werden. Um darauf aufmerksam zu machen, ruft die Weltgesundheitsorganisation WHO alljährlich am 15. Oktober den Global Hand Washing Day aus.

80 Prozent aller Infektionskrankheiten werden über die Hände übertragen, sagt Florian Thalhammer, Infektionsexperte der MedUni Wien. "Das klassische Beispiel sind Erkältungskrankheiten wie Schnupfen oder Grippe. Händewaschen verringert diese Gefahr massiv, da die Keimzahl um mehr als 99 Prozent verringert werden kann." Ein Beispiel: 65 Prozent der Rhinoviren fanden sich bei Untersuchungen an den Händen, aber nur 50 Prozent im Nasensekret.

Sich die Hände regelmäßig zu waschen, heißt für Thalhammer übrigens: "Sobald man nach Hause kommt, vor dem Kochen und Essen, sowie selbstverständlich nach dem Toilettengang."

Lieber länger als zu kurz

Damit auch wirklich ein Großteil der Keime entfernt werden, ist die Reinigungsdauer wesentlich. Eine Umfrage der deutschen Bundesstelle für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) ergab, dass nur 38 Prozent Deutschen 20 Sekunden lang durchhalten. "Für das gründliche Händewaschen nicht stark verschmutzter Hände benötigt man 20 bis 30 Sekunden", erklärt Experte Thalhammer. Das braucht man auch, wenn man Handinnenflächen, Handrücken, Fingerspitzen und auch die Fingerzwischenräume sowie die Fingernägel gründlich einseift. Am häufigsten wird übrigens der Daumen vergessen. Das zeigen Tests mit speziellen Blaulichtboxen, in denen die ungereinigten Stellen sichtbar werden.

Geschlechter unterscheiden sich

Frauen sind in puncto Händewaschen scheinbar sorgfältiger und greifen häufiger zur Seife als Männer. Zu diesem Ergebnis kam zumindest die BZgA-Umfrage. Das bestätigten auch Beobachtungen der London School of Hygiene & Tropical Medicine mit rund 250.000 Besuchern von Raststätten-Toiletten. Nicht einmal jeder dritte Mann benutzte dort Wasser und Seifen, aber 64 Prozent der Frauen. Dass Männer allerdings leicht mit Hinweisschildern zum Händewaschen motiviert werden können, zeigte eine US-Studie. Die Forscher hatten auf Herrentoiletten Schilder angebracht: "Vier von fünf Männern waschen sich ihre Hände", stand zu lsesen. Darauf stieg die Zahl der Händewascher von 77 auf 86 Prozent, schrieben die Forscher im Fachblatt "Human Communication Research".

1. Hände unter fließendem Wasser nass machen.

2. Einseifen, idealerweise mit Flüssigseife.

3. Hände reiben, bis es schäumt. Dabei Handrücken, zwischen den Fingern, unter den Fingernägeln und die Handgelenke reiben.

4. Hände unter fließendem Wasser gut abspülen.

5. Dann mit einem sauberen Handtuch trocknen, wenn möglich mit einem Wegwerf-Papiertuch oder einer Einmal-Stoffhandtuchrolle.

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