Was Anfang September 1939 in den Zeitungen stand

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Wissen
08/30/2019

Serie "Leben im Krieg": Alltag abseits der Geschichtsbücher

Vor 80 Jahren hat der Zweite Weltkrieg begonnen: Wie haben in Zeitungen nachgespürt, was damals los war.

von Susanne Mauthner-Weber

Am Kriegsbeginn stand  der Satz: „Deutschland hat den Kampf um den endgültigen Frieden aufgenommen.“ (sic!) „Mit übermenschlicher Geduld ertrug das deutsche Volk vier Monate lang die polnischen Provokationen. Adolf Hitler hat sich bis zur letzten menschenmöglichen Sekunde um den Frieden bemüht.“ So beschreibt Das Kleine Blatt am 2. September 1939 die Ereignisse, die sich schon bald zum Zweiten Weltkrieg auswachsen sollten.

Zeitungen von damals

Anlässlich 80 Jahre Kriegsbeginn startet der KURIER seine Serie „Leben im Krieg“: Wir wollten wissen, wie der Alltag  abseits der aus Geschichtsbüchern bekannten Fakten und Schlachten ausschaute, was die Menschen bewegte und wie sich die Stimmung im Laufe der Katastrophe veränderte. Dazu haben wir die Zeitungen von damals durchforstet, haben versucht herauszufinden, ob – trotz Zensur – das durchscheint, was die Kriegsgeneration bewegte und wollen in loser Abfolge an das Alltagsleben erinnern.

Was die Wiener taten, als  Hitler jene Rede hielt, mit der alles begann, ist etwa auf Seite 8 des Kleinen Blattes nachzulesen  – sie drängten sich vor den  Radiogeschäften: „Auf der Mariahilferstraße steht ein Lautsprecherwagen. Wie tot liegt die Straße, kein Wagen fährt mehr. (...) Jetzt fallen die entscheidenden Worte des Führers. Die atemlose Spannung in den Zügen der Wiener löst sich. Ernste Entschlossenheit erfüllt die Menschen. Sie wissen, daß es sein muß, das prägt sich in ihre Züge.“

Propaganda

In den Tagen und Wochen davor war dem eine Berichterstattung vorausgegangen, in der England und Polen an allem die Schuld gegeben worden war. Die Wiener Bilder zeigten unter dem Titel „Dem polnischen Blutterror entronnen“ Bilder von „volksdeutschen Flüchtlingen“,  mit der Bildunterschrift, in der die Rede vom „blindwütigen Hass der Mordbrenner“ ist. Sogar der Sport wird für Propaganda genutzt. In Fußball-Sonntag ist nachzulesen: „Auch in Polens Sport scheint es drunter und drüber zu gehen“, in polnischen Blättern sei die Rede von „schlechter Erziehung und mangelhafter Kondition der polnischen Sportjugend“.

Gleichzeitig werden die Nazis in den Medien als Befreier von Polen gefeiert.  2. September 1939, Wiener Neueste Nachrichten: „Unaufhaltsamer Vormarsch. Stunde um Stunde, pausenlos und unaufhaltsam geht der Vormarsch bis in den sinkenden Abend hinein. Mitunter hat man durch Minen die Straßendecke zerstört. Aber in kürzester Zeit sind diese Stellen ausgebessert. Die deutschen Einwohner der Ortschaften beteiligen sich mit schnell herbeigeholten Spaten und Hacken mit Freuden an diesem freiwilligen Arbeitsdienst. Sie lesen den deutschen Soldaten jeden Wunsch von den Augen ab und erfüllen ihn (...) Zu beiden Seiten der Straße stehen die Mädchen und Frauen der Dörfer und Städte in sonntäglichen Kleidern und bringen den ermüdeten, durstigen Soldaten aus Eimern einen frischen Labetrunk und kleinen Imbiß.“


Herbstliche Mäntel für unsere Frauen

Unterdessen zeigte die Tagespost  auf ihrer Seite „Für unsere  Frauen“ am Tag, nachdem der Krieg begonnen hatte, „Herbstliche Mäntel“ und fragte sich, ob Frauen weniger essen. Und wenn ja, tun sie recht daran?“.

Doch ein Bericht auf Seite 5 des Neuigkeits-Welt-Blatt - Älteste arische Tageszeitung Wiens (sic!) lässt die herannahende Katastrophe erahnen: Darin wird an die Entrümpelungsverordnung des Reichsministers der Luftfahrt und Oberbefehlshaber der Luftwaffe  erinnert: „In den Dachböden darf keinerlei Gerümpel aufbewahrt werden.“ Und „Je leerer der Boden, desto geringer die Brandgefahr“. Für den „Ernstfall“ gibt es eine Anleitung, wie man aus einem Besenstiel und einem Scheuertuch eine Feuerpatsche bastelt.

Man kann also nicht behaupten, dass das, was danach kam, nicht in der Luft gelegen wäre.

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