Wissen und Gesundheit
23.12.2017

Raunächte: Was es mit dem Räuchern auf sich hat

Jetzt ist die Hoch-Zeit des Räucherns. Was es bringt und warum heimisches Räucherwerk gesünder ist.

Offenbar hat Räuchern das Potenzial, ein Leben zu verändern. Das empfindet zumindest Fritz Kaindlstorfer, Betriebsleiter des 1. Zentrums für Traditionelle Europäische Medizin (TEM) in Bad Kreuzen, Oberösterreich. "Hätte mir vor zehn Jahren jemand gesagt, dass mich – als g’standenes Mannsbild, das sein Geld mit Betriebswirtschaft und Marketing verdient – das Thema Räuchern derart begeistern und mein Lebensgefühl verändern würde – ich hätte ihn belächelt", sagt der Autor des Buchs "Traditionelle Räuchermedizin" (Kneipp-Verlag, 17,90 €).

Feine Energien

Ein Schlüsselerlebnis dazu hatte er beim Besuch eines Bergbauernhofs in Salzburg im Rahmen seiner Ausbildung zum TEM-Praktiker, wo er viel über die Wirkung heimischer Pflanzen und ihrer vielschichtigen Räucherverwendung hörte. Danach begab er sich auf Spurensuche. "Weil ich bis dahin viel über alle Formen der Anwendung von Heilpflanzen und das Räuchern erfahren hatte, sich aber die Frage stellte, warum die Funktion des Geruchssinns so unterbewertet wird", sagt er. Da müsse es doch mehr geben.

Tatsächlich werden beim Verbrennen und Verglühen von Kräutern und Harzen Duft- und Wirkstoffe sowie feinstoffliche Energien freigesetzt, die Körper und Geist beeinflussen können. "Duftsignale gelangen über die Nase in das limbische System, den Hypothalamus, den Thalamus und in andere Gehirnzentren. Wo sie unsere Gefühle sowie viele Körperfunktionen beeinflussen und auf diese Weise seelische und körperliche Heilreaktionen hervorrufen können." An dieser Stelle sei vor allem die Wirkung verräucherten Fichtenharzes erwähnt. Kaindlstorfer ist überzeugt: "Es wirkt desinfizierend und reinigend."

"Erfahrungsmedizin"

Wissenschaftliche Studien zur Wirkung des Räucherns gibt es keine. "Es handelt sich um eine Erfahrungsmedizin. Aus der Aromatherapie, die in vielen Krankenhäusern Einzug gehalten hat und wozu auch schon medizinische Studien existieren, weiß man etwa, dass Lavendel stresslindernd wirkt." Im 1. Zentrum für TEM arbeitet der Räucherexperte mit Ärzten zusammen, wo im Rahmen von Körperräucherungen "tief greifende Erkenntnisse, Loslassen und Heilsames passieren". Räuchern könne dem Körper helfen, Kraft zu gewinnen, es unterstütze den Geist und aktiviere die Selbstheilungskräfte. Heilen kann es allerdings nicht. "Bei gesundheitlichen Beschwerden sollte man sich mit dem Arzt absprechen." Außerdem soll niemals in der Gegenwart von schwangeren Frauen oder in der Gegenwart von Kleinkindern geräuchert werden.

Das Ritual liegt jedenfalls im Trend – vielerorts wird mittlerweile entsprechendes Zubehör angeboten. "Räuchern hat eine lange Tradition und mit uralten Ritualen zu tun. In unserer schnellen, digitalisierten und visuellen Zeit findet es derzeit immer mehr neue Anhänger", erklärt Kaindlstorfer.

Worauf beim Kauf von Räucherwerk achten? "In Apotheken und Drogeriemärkten werden grundsätzlich gute Produkte angeboten. Vorsicht ist bei Räucherstäbchen "Made in China" geboten, zeigt eine Studie des Masonic Cancer Center der Uni Minnesota", so Kaindlstorfer. Deshalb sind beim Räuchern Kräuter und Harze in Bioqualität und aus heimischen Anbau zu bevorzugen.