Wissen und Gesundheit
13.07.2017

Raben sind Planungsgenies

Raben können vorausschauend denken. Das haben schwedische Forscher jetzt entdeckt.

Neben dem eleganten Eisvogel, dem majestätischen Adler oder dem schillernden Papagei gilt der schwarze Rabe wahrlich nicht als Schönheit in der Tierwelt. Viel eher trägt er eine negative Symbolkraft und gilt als vermeintlicher Unglücksbringer. Dass der Rabe aber mehr kann, als man ihm zutraut, konnten Wissenschaftler wiederholt bestätigen. Eine neue Studie im Fachmagazin Science belegt, dass Raben - ähnlich dem Menschen - in der Lage sind, vorausschauend zu planen.

Planung im Vorhinein

Die Forscher Can Kabadayi und Mathias Osvath von der schwedischen Lund-Universität fanden durch eine Reihe von Versuchen heraus, dass Raben bereits im Vorhein planen, wie sie zum Beispiel bei der Futtersuche vorgehen werden. Auch waren die Vögel bereit, vorerst auf eine kleine Belohnung zu verzichten, wenn sie wussten, dass sie sich somit in naher Zukunft eine größere Belohnung verdienen würden.

Für die Versuchsreihe brachte man den Raben zuerst bei, mit einem speziellen Werkzeug eine Kiste zu öffnen, die eine Belohnung enthielt. Dann wurde ihnen das Werkzeug weggenommen und später auch die Kiste. Eine Stunde später bekamen sie Kiste und Werkzeug zurück - und mit dem Werkzeug auch einige Gegenstände, die zur Ablenkung dienen sollten. In der Folge gelang es 86 Prozent der Raben, das richtige Werkzeug auszuwählen. In ähnlichen Experimenten, die auch mit Affen durchgeführt wurden, konnten die Raben durch einen Tausch zu ihrer Belohnung gelangen. Letzten Endes waren die Raben in der Lage, durch ihren Tausch höhere Gewinne zu erzielen als die Affen - nicht zuletzt aufgrund besserer Planung. Die Forscher waren über die beachtliche Selbstkontrolle der Vögel verblüfft.

Kommunikationstalent

Bereits in früheren Studien wies man dem Raben erstaunliche Kommunikationsfähigkeit und Intelligenz zu. Sie können beispielsweise zwischen Freunden und Feinden unter ihren Artgenossen unterscheiden und sich sogar Jahre später an ihre Beziehungen erinnern. Wenn die Tiere gewisse Aufgaben alleine nicht bewältigen können, kooperieren sie auch lieber und effektiver mit Freunden. Ebenso existiert die weit verbreitete These, dass die "Theory of Mind" auf Raben zutreffen könnte. Demnach könnten Raben die Fertigkeit haben, sich in die Gedankenwelt ihrer Artgenossen hineinzuversetzen.

Ein derartiges Einfühlungsvermögen kennt man von kaum einem anderen Tier. Des Weiteren besitzen Raben einen ausgeprägten Wahrnehmungssinn und können durch reine Beobachtung auf die hierarchische Struktur von benachbarten Populationen schließen. Dem nicht genug merken sich Raben Merkmale anderer Artgenossen und können dadurch selbst in weit entfernten Gebieten wieder problemlos aufeinandertreffen.

Derartige Eigenschaften kannte man bisher eigentlich nur von Menschen und einigen Affen. Umso erstaunlicher erscheint die Tatsache, dass sich Raben und Affen über 300 Millionen von Jahren keine gemeinsamen Vorfahren teilen. Die Fähigkeit der Raben, vorausschauend zu planen, muss sich also in einem gesonderten evolutionären Pfad eigenständig entwickelt haben. Die Tierwelt ist staunenswert - in all ihren Facetten.