Eine aktuelle Untersuchung im British Journal of Clinical Pharmacology zeigt, dass die fünfjährige Einnahme von Progestagen-haltigen Mitteln wie die Minipille das Risiko für Hirntumore (Gliom) verdoppeln.

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Verhütung
01/23/2015

Ängste rund um die Pille

Thrombose, Krebs und nun Gehirntumore – die Gefahren sind trotzdem minimal.

von Laila Daneshmandi

Bei neuen Studien zu Risiken von hormonellen Verhütungsmethoden gehen die Wogen und Ängste schnell hoch. Nun zeigt eine aktuelle Untersuchung im British Journal of Clinical Pharmacology, dass die fünfjährige Einnahme von Progestagen-haltigen Mitteln wie die Minipille das Risiko für Hirntumore (Gliom) verdoppeln.

Die seltene Krebsart betrifft fünf von 100.000 Menschen. Für die Studie wurden die Daten von 317 dänischen Frauen mit einem Gliom untersucht und mit einer Kontrollgruppe verglichen. Das Risiko war auch bei anderen hormonellen Verhütungsmethoden erhöht, aber weniger hoch.

Für den Gynäkologen Univ.-Prof. Christian Egarter sind die Daten "wirklich mit Vorsicht zu genießen". Es gebe etliche Fehlermöglichkeiten in der Studie, "die Risikoerhöhung ist extrem fraglich" und widerspreche früheren Studien, wonach sogar eine Senkung des Risikos festgestellt wurde.

Auch der Studienleiter David Gaist von der Odense Universitätsklinik in Dänemark relativiert seine Ergebnisse. "Wir haben zwar eine relevante Verbindung zwischen hormoneller Verhütung und dem Risiko für ein Gliom gefunden, aber eine Nutzen-Risiko-Abwägung würde trotzdem für die hormonelle Verhütung sprechen." Es sei dennoch wichtig, die Langzeitauswirkungen zu untersuchen, um für jede Frau die beste Option zu wählen.

Thrombose

Im Vergleich zu Hirntumoren sei das Risiko für eine Thrombose ungleich höher – und selbst das sei extrem gering, betont der Hormon-Spezialist Egarter: "Ich bin seit 35 Jahren im Geschäft und habe noch nie eine erlebt." Thrombosen sind Blutgerinnsel, die Venen in den Beinen oder im Becken verstopfen. Im Extremfall kann das Gerinnsel bis in die Lunge gespült werden und eine lebensgefährliche Lungenembolie auslösen.

Ohne Pille liege das durchschnittliche Risiko bei drei Fällen auf 10.000 Frauen. Mit der Pille verdoppelt sich das Risiko. Allerdings sei die Gefahr, ein Blutgerinnsel zu erleiden, viel mehr vom Gewicht abhängig als von der Pille. "Ist eine Frau übergewichtig und hat einen BMI über 30 (Body Mass Index bezeichnet das Verhältnis Körpergröße zu Gewicht – ein BMI zwischen 18,5 und 25 gilt als normal, Anm.), hat sie ohne Pille ein dreifach erhöhtes Risiko – mit Pille steigt dies auf das 24-Fache an." Ähnlich wirken sich Alter, Rauchen und Bewegungsmangel nach einer Operation aus.

Entgegen weitläufiger Annahmen steigt die Gefahr nicht mit der Dauer der hormonellen Verhütung. Egarter erklärt, warum: "Das Risiko ist nur in den ersten drei bis zwölf Monaten erhöht – dann geht es extrem zurück, weil sich der Körper der veränderten Gerinnungssituation anpasst."

Gegen Ängste vor einem erhöhten Krebsrisiko hat Egarter auch eine Erklärung: "Hormone können eine stimulierende Wirkung auf die Zellfunktionen haben, ich glaube aber nicht, dass sie die Entstehung von Krebs begünstigen. Es kann nur sein, dass schon eine Schädigung der DNA besteht, die durch den wachstumsfördernden Effekt der Hormone schneller zum Vorschein kommt."

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