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Studie
07/24/2014

Paracetamol hilft nicht gegen Rückenweh

Die Schmerzen vergingen mit dem Placebo sogar im Schnitt um einen Tag schneller.

von Laila Daneshmandi

Wenn es im Rücken zwickt und zwackt, hilft eine Tablette mit dem beliebten Schmerzmittel Paracetamol genauso gut wie ein Zuckerl. Das ergab eine groß angelegte australische Studie mit 1652 Teilnehmern, die heute in der Fachzeitschrift The Lancet veröffentlicht wurde.

Ein Drittel der Kreuzschmerz-Patienten erhielt bis zu vier Wochen lang regelmäßig Paracetamol, ein weiteres Drittel setzte das Medikament nur bei akutem Bedarf ein und die dritte Gruppe erhielt ein Placebo. Das Ergebnis der Studie: Bei allen Patientengruppen war bis zum Ende der Schmerzsymptome kein Unterschied feststellbar. Jene Patienten, die das Schmerzmittel verwendet hatten, berichteten durchschnittlich bis zum 17. Tag von einer Besserung – jene unter Placebo sogar schon nach 16 Tagen.

Andere Empfehlungen

Die logische Schlussfolgerung von Hauptautor Christopher Williams vom George Institute for Global Health der Universität von Sydney: "Einfache Analgetika, zum Beispiel Paracetamol, könnten beim Management von akuten Kreuzschmerzen nicht von primärer Bedeutung sein. Die Resultate deuten darauf hin, dass wir die Empfehlung für Paracetamol als Erstbehandlung überdenken sollten."

"Das Mittel der Wahl ist Paracetamol bei Kreuzschmerzen hierzulande ohnehin nicht", erklärt Prim. Univ.-Prof. Rudi Likar von der Österreichischen Schmerzgesellschaft. "Akuter, unspezifischer Rückenschmerz ist meist mit einer Entzündung verbunden – doch Paracetamol ist vergleichsweise ein schwaches Analgetikum (Schmerzmittel, Anm.) und hat keine anti-entzündliche Wirkung. Wir verwenden Paracetamol nur als Ausweichmöglichkeit, wenn Patienten aufgrund von Nebenwirkungen wie Magen-Darm-Problemen oder Allergien die gängigen Medikamente nicht vertragen."

Nicht schonen

Generell würden unspezifische Rückenschmerzen bei 60 bis 70 Prozent der Betroffenen ohnehin innerhalb der ersten 14 Tage spontan vergehen. "Dabei ist es wichtig, sich normal weiterzubewegen und dem Schmerz keine weitere Bedeutung zu geben." Gegebenenfalls helfe Physio- oder Bewegungstherapie, auch Schwimmen sei meist hilfreich.

Vor einer dauerhaften Selbstmedikation rät Likar jedenfalls ab. "Jedes Medikament hat Wirkungen und Nebenwirkungen. Es sollte daher nur vom Arzt verschrieben und nicht unkontrolliert eingenommen werden." So ist die Wirksamkeit von Paracetamol etwa für Kopfschmerzen belegt – bei einer Überdosierung hat es aber starke Nebenwirkungen.

"Letztendlich sollten wir Ärzte nicht vergessen, dass auch wir eine Wirkung auf die Patienten haben. Ihre Erwartungshaltung an unsere Diagnose und Therapie macht die Hälfte der Wirkung auf die Heilung aus."