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17.08.2018

Neues Hüft- und neues Kniegelenk: Österreich im Spitzenfeld

Erster Qualitätsbericht des Gesundheitsministeriums: Rund zwei Prozent der Eingriffe erfordern zweite Operation.

Mit rund 36.000 Operationen zum künstlichen Hüftgelenks- oder Kniegelenksersatz liegt Österreich im OECD-Vergleich bei der Häufigkeit bezogen auf die Bevölkerung im obersten Spitzenbereich. Erstmals wurde vor kurzem ein umfassender Qualitätsbericht zur "Hüft- und Knie-Endoprothetik" des Gesundheitsministeriums veröffentlicht - mit guten Ergebnissen.

"Die Vorlaufzeit betrug acht Jahre. Aber zum Teil sind wir mit dem Bericht auf der Ebene der Qualitätssicherung in einer besseren Situation als in Deutschland", sagte Silvia Türk vom Gesundheitsministerium, welche die Leitung der Arbeiten übernommen hatte, gegenüber der APA.

"Österreich liegt mit einer bevölkerungsbezogenen Implantationsdichte von 210 pro 100.000 (Einwohnern; Anm.) Hüft-Totalendoprothesen (HTEP) sowie 202 pro 100.000 (Einwohnern; Anm.) Knie-Totalendoprothesen (KTEP) im internationalen Spitzenfeld", hieß es in der Zusammenfassung. Das hat in der Vergangenheit auch die OECD in Ländervergleichen ("Health at a Glance") immer wieder festgestellt.

Worauf sich der Bericht stützt

Der Qualitätsbericht stützt sich auf Spitals-Routinedaten bezüglich der Qualität der Eingriffe (Dauer des Spitalsaufenthalts, auf Intensivstation, erneute Operationen etc.), auf retrospektive Informationen (z.B. über erforderliche operative "Revisionen") und auf direkte Erhebungen.

Bei den Hüft-Endoprothesen war demnach bei 1,98 Prozent aller Patienten, die im Jahr 2015 ein künstliches Hüftgelenk erhalten hatten, innerhalb eines Jahres eine neuerliche Operation notwendig (zu 93,12 Prozent im gleichen Spital). Beim künstlichen Kniegelenk kam es bei 2,13 Prozent der Operierten zu einem neuerlichen Eingriff, der zu 90,66 Prozent im gleichen Spital wie die Erstoperation erfolgte.

Die häufigsten Gründe für einen "Reparaturbedarf" (Revision) waren im Jahr 2016 sowohl bei der Hüfte als auch beim Knie eine Lockerung des künstlichen Gelenks (Hüfte: 32,49 Prozent, Knie: 24,17 Prozent) und Infektion (Hüfte: 21,90 Prozent, Knie: 34,39 Prozent). 65 Prozent aller Patienten, die eine erneute Operation nach Hüftgelenksersatz zu Revision von Problemen benötigten, waren übergewichtig. Bei den erneuten Operationen nach Kniegelenksersatz lag der Anteil der Übergewichtigen bei 81 Prozent.

Viele zusätzliche Erkrankungen

Rund 58 Prozent (Hüfte) bzw. 53 Prozent (Knie) dieser Patienten wiesen zusätzliche Erkrankungen (Komorbiditäten) auf. Offenbar war eine notwendige Blutverdünnung vor allem aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen die größte Herausforderung. Rund 47 Prozent (Hüfte) und 59 Prozent (Knie) der Patientinnen und Patienten wiesen eine Verweildauer in der Krankenanstalt von bis zu 14 Tagen auf.

Höhere Sterblichkeit bei akuten Eingriffen

Frappant ist der Unterschied bei der Mortalität bei geplanten Eingriffen bzw. bei akut notwendigen Eingriffen, was vor allem den künstlichen Ersatz des Hüftgelenks betrifft - also infolge von Coxarthrosen etc. oder nach "Schenkelhalsbrüchen": Bei ersteren gab es 2016 ein Sterberisiko von 0,09 Prozent während des Spitalsaufenthalts, bei der akuten Fraktur-Operationen hingegen eine Mortalität von 4,21 Prozent.

"Der neue Endoprothetik-Bericht ist ein Meilenstein für die weitere Qualitätssteigerung in unserem Gesundheitssystem. Anhand dieser Daten können wir Verbesserungspotenziale identifizieren und gleichzeitig die Sicherheit der Patienten erhöhen", wurde zu dem Report Gesundheitsministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ) zitiert.

Christian Fialka, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Unfallchirurgie, meinte: "Das laufende Hinterfragen der Ergebnisqualität medizinischer Leistungen erlaubt es, umgehend Verbesserungspotenziale zu erkennen (...)."