Wissen und Gesundheit
18.01.2017

Akupunktur als Hilfe für Schreibabys

Eine schwedische Studie zeigt Erfolge bei der Behandlung von Koliken bei Kleinstkindern.

Babys mit Akupunkturnadeln zu pieksen, klingt brutal, soll einer aktuellen schwedischen Studie zufolge aber helfen, wenn sie unter ständigen Koliken und Schreikrämpfen leiden. Die Behandlung soll die Schmerzen reduzieren, die Verdauung unterstützen und beruhigen. Die Forscher haben bei 144 Schreibabys im Alter von zwei bis acht Wochen den Effekt der Nadel-Behandlung getestet. Im Vergleich zu jenen, die nur eine professionelle Beratung – etwa durch eine Hebamme – erhielten, wiesen jene, die zusätzlich regelmäßig gepiekst wurden, offenbar starke Verbesserungen auf und weinten nach zwei Wochen deutlich seltener.

Häufiges Problem

Als Schreibaby gelten Kinder, die mehr als drei Stunden am Tag weinen – und das mindestens drei Tage in der Woche. Zumindest jede fünfte Familie soll davon betroffen sein. Eine häufige Ursache sind Koliken. "Oft haben die Kinder aber auch einen Mangel an Tagesschlafzeiten", erklärt die klinische Psychologin Dr. Christine Sonn-Rankl. "Die Babys haben ein Regulationsproblem, weil sie nicht abschalten können und sind abends so übermüdet, dass sie nicht aufhören zu schreien." Die Expertin von der Säuglingspsychosomatik am Wiener Wilhelminenspital gibt zwei grundlegende Tipps: "Das Kind muss alle 1,5 Stunden schlafen – ideal wären 40 Minuten, Hauptsache ein Nickerchen und ruhig am Körper. Und, zwischen den Mahlzeiten sollten 1,5 Stunden Pause vergehen. Klingt simpel, ist aber so." (Buchtipp: "So beruhige ich mein Baby: Tipps aus der Schreiambulanz", Patmos Verlag)

Gelingt das nicht, leidet nicht nur das Baby, sondern auch das Umfeld. Betroffene Eltern fühlen sich oft hilflos und empfinden es als Niederlage, ihr Kind nicht beruhigen zu können. Neben einer Beratung, die den Eltern zudem den Druck nehmen sollte, perfekt sein zu wollen, wird Akupunktur auch in Österreich schon erfolgreich bei Kindern eingesetzt.

Laser statt Nadel

"Wir stechen die Babys in Österreich aber nicht, sondern wenden Laserlicht auf dem jeweiligen Akupunkturpunkt an – auch damit kann man sehr gute Erfolge erzielen", berichtet Dr. Karin Stockert, Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Akupunktur. Die Nadel-Behandlung werde in China sicher angewandt, "in Österreich würden wir das aber nicht tun, weil das doch ziemlich schmerzhaft sein kann und die Hemmschwelle der Eltern sehr groß ist, ihre Kinder stechen zu lassen". Außerdem müssten die Babys während der Behandlung ruhig liegen bleiben, was in dem jungen Alter naturgemäß sehr schwierig ist.

Selbstheilung

"Gerade Kinder sprechen aber grundsätzlich sehr gut auf Akupunktur an, weil sie viele Selbstheilungsmechanismen haben, die man mit der Behandlung aktivieren kann", erklärt Stockert. Derzeit wird die Methode kaum in Spitalsambulanzen angeboten, aber sowohl Kinderärzte als auch der praktische Arzt mit Akupunkturdiplom kann die Behandlung laut Stockert durchführen. In der Akupunktur-Ambulanz am Wiener Rosenhügel etwa werde die Behandlung sogar von der Krankenkassa bezahlt (www.akupunktur.at). "Allerdings haben wir da so lange Wartezeiten (bis zu drei Monate), dass sich das Problem bis dahin oft erübrigt", sagt Stockert, die meist eher chronische Schreibabys per Laser-Akupunktur behandelt. Für die schwedischen Forscher ist die Methode allemal einen Versuch wert – und die grundlegenden Schlaftipps gelten ohnehin für alle.